Leseprobe 1/5: „Der Nazi-Kiez. Zu Besuch in Dorstfeld“

Dorstfeld. Man braucht gar nicht mehr hinzufügen, um welche Stadt es geht – der Begriff „Dorstfeld“ reicht schon, damit jeder politisch Interessierte weiß, es geht um den westlichen Stadtteil in der Ruhrpott-Metropole Dortmund. Warum ist Dorstfeld mit seinen rund 15.000 Einwohnern deutschlandweit bekannt? N.S. Heute zu Besuch in der nationalen Hochburg.

An einem späten Nachmittag Anfang Februar erreiche ich Dorstfeld, Haltestelle „Wittener Straße“. Auf dem zentralen Wilhelmplatz steht gelangweilt ein halbes Dutzend Polizeibeamter neben ihren Dienstfahrzeugen, wenige Meter weiter entdecke ich drei Kameraden auf einer Sitzbank. Einer davon präsentiert seine neue Kaffeetasse, auf die er selbst den Schriftzug „Nazi-Kiez“ gepresst hat. Man ist hier stolz auf das Erreichte, auf die nationale Hochburg im Herzen Westfalens.

In einem Objekt unweit des Wilhelmplatzes treffe ich mich mit Alex, Michael und Daniel. Alex ist gebürtiger Dortmunder und hat vor über zehn Jahren mitgeholfen, den Grundstein für nationale politische Arbeit in Dorstfeld zu legen. Michael und Daniel sind ein paar Jahre später zugezogen und hier mittlerweile ebenfalls fest verwurzelt.

Anfänge in der Wittener Straße 44

Alex erzählt, wie alles begann im heutigen Nazi-Kiez: „Wir sind Ende 2004/Anfang 2005 in das Haus an der Wittener Straße 44 eingezogen, ein paar hundert Meter vom Wilhelmplatz entfernt. Wir waren vier Leute, aufgeteilt in drei Wohnungen. Abends haben wir immer zusammen rumgehangen, meistens bis spät in die Nacht und haben diskutiert, wie man am besten Strukturen aufbauen kann. Dann kam uns die Idee, dass das am einfachsten geht, wenn wir alle zusammen wohnen. Dorstfeld erschien uns dafür ideal, weil man hier eine gute Anbindung mit der S-Bahn und mit der Straßenbahn hat.“

Doch es ist nicht nur die gute Bahnanbindung, die Dorstfeld dafür prädestiniert, hier eine nationale Hochburg aufzubauen. Dorstfeld ist ein typisches Ruhrpott-Viertel. Man sagt über die Menschen im Ruhrpott, sie seien hart, aber herzlich, und das stimmt wohl auch. Wer in Dorstfeld lebt, ist in der Regel nicht wohlhabend, aber auch nicht arm. Der Arbeiterkiez war in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren – Ironie der Geschichte! – sogar ein stark links geprägtes Viertel mit einer eigenen Hausbesetzerszene. Tempi passati.

Im Jahr 2007 gaben die Kameraden die Wohngemeinschaft in der Wittener Straße auf und verteilten sich auf zwei nebeneinanderliegende Mehrfamilienhäuser im Dorstfelder Zentrum. Weitere Aktivisten stießen hinzu, nun wohnten bereits 8-10 Kameraden in unmittelbarer Nachbarschaft. Alex erklärt, man habe sich bei der Planung ganz bewusst an linksextremen Projekten wie die Rigaer 94 in Berlin oder die mittlerweile geräumte Ex-Steffi in Karlsruhe orientiert. Während diese Projekte „linke Freiräume“ erkämpfen woll(t)en, will man in Dorstfeld nationale Freiräume erkämpfen.

Das nationale Gemeinschaftsprojekt entfaltete eine starke Sogwirkung auf andere Nationalisten inner- und außerhalb Dortmunds. Immer mehr Kameraden zogen nach Dorstfeld, sogar aus Süddeutschland verlegten Aktivisten ihren Wohnsitz dorthin. Doch für so manche Schnellschüsse musste Lehrgeld bezahlt werden: Mancher vermeintliche Kamerad entpuppte sich später als Mietpreller, politische Eintagsfliege oder Kameradenschwein. Heute schaut man sich die zuzugswilligen Aktivisten etwas genauer an, um solche Enttäuschungen in Zukunft auszuschließen oder die Risiken zumindest zu minimieren.

Alltag im Nazi-Kiez

Heute wohnen allein rund um den Wilhelmplatz in Unterdorstfeld 40 Kameraden, zwei Mehrfamilienhäuser werden ausschließlich von Nationalisten bewohnt. Hier befindet sich auch die Anlaufstelle für regelmäßige Stammtische, Veranstaltungen und Feiern. In Oberdorstfeld, dem Einzugsgebiet der Skinheadfront Dorstfeld, einer der wenigen verbliebenen reinen Skinhead-Kameradschaften, wohnen noch einmal 30 Leute. In ganz Dortmund können die Kameraden auf einen Kreis von mehreren hundert Aktivisten, Unterstützern und Sympathisanten zurückgreifen.

In den Seitenstraßen rund um das Stadtteilzentrum sieht man deutlich, wer hier das öffentliche Bild dominiert: An den Fassaden weist professionelle Straßenmalkunst auf den „Nazi-Kiez“ hin, Laternen und Stromkästen sind übersät mit Aufklebern. Doch es ist auch die physische Präsenz der Nationalisten im ganz normalen Alltag, die Dorstfeld zu einer nationalen Hochburg macht: Morgens trifft man beim Bäcker auf Kameraden, zum Mittagessen sitzen sie im griechischen Schnellrestaurant und am frühen Abend trifft man sich zum Feierabendbier auf dem Wilhelmplatz. Ob im Fitness-Studio, beim Frisör oder im Supermarkt: Egal wo man hingeht, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dort auf einen Kameraden zu treffen. Manche Kameraden wohnen nicht nur in der Nachbarschaft und verbringen einen Großteil ihrer Freizeit miteinander, sondern arbeiten auch in demselben Betrieb. Dorstfeld ist nicht bloß eine politische Kampfgemeinschaft, sondern eine Lebensgemeinschaft…

Den vollständigen Artikel gibt es in der Ausgabe 1 der N.S. Heute – Erscheint voraussichtlich Mitte März 2017!

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