Ausgabe 8, Leseprobe 3/3: Von guten und bösen Steinen – Im Gespräch mit dem Autor von „d̶̶u̶̶ ̶̶b̶̶i̶̶s̶̶t̶“, Jonas Freytag

Ein schwarzes, schmales Buch erreichte mich im Dezember… Nach dem Lesen war mir klar, es wird für Zündstoff in der Bewegung sorgen, da man es den sogenannten „Akap-Kreisen“ zuordnet. Ich las es aufmerksam und kontaktierte den Verleger mit der Bitte um ein Interview mit dem Autor. Das Buch mit dem eigenartigen und geheimnisvollen Namen „d̶̶u̶̶ ̶̶b̶̶i̶̶s̶̶t̶“ hatte bei mir und auch bei anderen einige Fragen aufgeworfen. Der Inhalt ist so brachial, dass wir nicht umhinkommen werden, uns damit auseinanderzusetzen.

N.S. Heute: Zunächst einen herzlichen Dank an Dich, Jonas, für die Zusage zum Interview! Dein Buch wurde in den vergangenen Wochen stark diskutiert. Inhaltlich komme ich später auf die Diskussionspunkte zurück. Was war Dein Antrieb, dieses Buch zu schreiben?

Jonas: Mich trieben verschiedene Absichten zu diesem Buch. Einerseits wollte ich meine eigenen Standpunkte und Gedanken loswerden und damit auch anderen Menschen, die ähnlich denken, Mut machen, es mir gleichzutun oder sie wenigstens in ihrem Tun zu bestätigen.

Schon seit Jahren werde ich immer wieder gefragt, wie genau wir denn denken und was wir wollen – leider kam ich immer wieder an den Punkt, dass ich weder den externen noch den internen Interessenten irgendwelche Lektüren empfehlen konnte. Historische Bücher, die gewisse allgemeingültige Wahrheiten in sich tragen, sind zwar stets wichtige Bausteine für einen weltanschaulichen Unterbau – aber Nietzsche, Sun-Tzu und andere kannten halt noch kein TTIP, kein Gender Mainstreaming und erst recht keine Produkte dieser wahnsinnigen Experimente.

Nun war mein erster Gedanke, dass ich dann halt einfach mal alles aufschreibe, was wir fordern und wie wir diese Forderungen begründen. Schnell merkte ich jedoch, dass das genau der falsche Weg ist. Unsere Bewegung braucht keine Bibel, sondern erst einmal den kalten Wasserschwall ins Gesicht. Sie muss aufschrecken und sich ihrer selbst bewusstwerden, bevor sie ins nächste gemachte Nest taumelt und sich ihrer eigenen Verantwortung entzieht. Also kürzte ich viele wichtige Inhalte weg und legte den Fokus auf provokante und gleichzeitig durchaus tiefgründige Themen (wenn man denn bereit ist, sich darauf einzulassen). Als erste Veröffentlichung hielt ich es für angebracht, keinen 600-Seiten-Wälzer auf den Tisch zu knallen und damit alle offenen Debatten direkt wieder zu schließen – tragischer noch: überhaupt jede Debatte zu beenden, weil Menschen denken könnten, das Buch sei eine vollendete Wahrheit.

Da es an der Zeit ist, endlich einmal auch aus unserer Sicht Kritik zu üben und denen, die riskieren, leisten, leben und lieben den Rücken zu stärken, will mein Buch keine absolute Antwort darstellen. Es will Antworten provozieren, sie erzwingen. Nur so können wir uns auch als Einzelmensch und Kollektive bewusstwerden, wer wir sind und wohin wir wollen.

Der katastrophil-Verlag, wo das Buch erschienen ist, bietet Querköpfen wie mir gerne Raum und Plattform. Das bringt dem Verlag einiges an Ärger ein, nicht nur mit dem Staat, sondern auch mit den Dogmatikern und Denkbehinderten in den vermeintlich „eigenen Reihen“, die beizeiten oft größeren Schaden anrichten als jeder Kommunist oder Konservative. Letztere sind meist durch politischen Willen und Überzeugung getrieben, während die anderen aus Neid und Missgunst handeln. Nichts ist gefährlicher als die negativen, destruktiven Seelen, die just in diesem Moment schon wieder keine Argumente oder Hilfe bieten, sondern nach Fehlern und Skandalen in diesem Interview suchen. Aber hey, wieso sollte man ihnen das Feld überlassen? Holen wir uns endlich unsere Bewegung zurück!

N.S. Heute: „d̶̶u̶̶ ̶̶b̶̶i̶̶s̶̶t̶“ ist ja nicht bloß ein Buch. Es gibt dazu bei katastrophil auch noch dazugehörige Bilder zu erwerben. Eines zeigt einen Molotow-Cocktail. Das Ganze ist wie auch das Buch düster gezeichnet und wirkt vom Stil her „oldschool“. Für Kunstfreunde und Sammler eine Abrundung der Erlebniswelt Freytags. Hast Du das kreiert oder gehören zu Eurem Umfeld auch noch Künstler?

Jonas: Kreiert wird es in Köpfen wie Deinem. Ich habe lediglich in „Paint“ etwas gezeichnet und von einem begabten Jonas aus England (Hyperborean Art) nachzeichnen lassen. Im Gegensatz zu Antoine de Saint-Exupéry habe ich mich dazu entschieden, einen Stil wählen zu lassen, der das Kontroverse und Gewollte vermittelt, nicht das von mir Gekritzelte, das eher eine geistig-motorische Fehlleistung diagnostizieren lassen würde. Ich wählte diesen Schritt nicht etwa, weil ich dem Ausdruck meiner Zeichnung misstraue, sondern weil Jonas einfach besser darstellen konnte, was Jonas meint.

N.S. Heute: Darf man die Versinnbildlichung von Straßengewalt als die Romantisierung der Rechtfertigung der Gewalt betrachten? „d̶u̶̶ ̶̶b̶̶i̶̶s̶̶t̶“ kein Pazifist?

Jonas: Die Versinnbildlichung, wie Du sie nennst, ist sicher ein Anliegen. Wichtiger aber ist die Konfrontation mit dem Thema an sich, nicht wie es angesprochen wurde. Straßengewalt und Gewalt generell sind keine Wahlmöglichkeiten. Sie sind real existente, nicht immer durch uns initiierte Zustände.

Die Frage sollte nicht sein, ob ich Täter oder Opfer bin, sondern wie wir uns das Verhältnis zur Gewalt vorstellen. Kurt Hiller fand darauf Antworten aus einer anderen Perspektive, die entgegen des bürgerlichen Pazifismus zur Brechung der strukturellen Gewalt auch den Weg des Blutvergießens als möglich erachteten. Ich selbst weiß, dass ein Leben notwendig und möglich ist, in dem körperliche Gewalt zwischen Menschen nur eine Ausnahme ist – um diesem Leben näherzukommen, dürfen wir aber nicht in das systemisch vorgegebene Dualitätsdogma der Opfer- und Täterrollen verfallen. Es bedarf der Befreiung der Opfer aus ihrer Rolle und die Überwindung der Täter als solche, die Gewalt anwenden, um dieses Unterdrückungsverhältnis aufrechtzuerhalten. Kurzum: Gewalt ist leider alltäglich, verstecken können wir uns davor nicht. Sie darf aber nicht Herr unseres Geistes und Alltags werden, sonst werden wir Teil ihrer Mechanismen und Teufelskreise. Der reinen Bedeutung nach sollten wir immer Pazifisten sein, sonst verlieren unsere eigentlich edlen Ideen ihre Daseinsberechtigung. Wir wollen starke Nationen, um Frieden zu schaffen, nicht um in den Bellizismus der Chauvinisten zu verfallen. Wir wollen eine raumorientierte Volkswirtschaft, um Frieden zu schaffen, nicht um in eine kapitalistische Verwertungsdoktrin zu verfallen. Wir wollen den freien und starken Menschen, nicht den entrechteten, unterdrückten. Pazifismus ist also gewissermaßen immer Teil unserer Idee und die beste Begründung für unseren Kampf…

Das vollständige Interview gibt es in der Ausgabe 8 der N.S. Heute –
Erscheint Mitte März 2018!

Unterstützt unser nationales und sozialistisches Zeitschriften-Projekt jetzt mit der Bestellung eines Jahres-Abonnements!

www.nsheute.com/abo

Titelbild: Stahlfeder-Fotographie

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*