Ausgabe 9, Leseprobe 3/3: Im „Kuhstall“ krachte die Hütte… Herbst 1982 – Aus der Urzeit der Bewegung

Vor 35 Jahren, am 15. Januar 1983, vereinigten sich die „Nationalen Aktivisten“ (NA) mit der „Aktionsfront Nationaler Sozialisten“ (ANS) zur ANS/NA. Unser Gastautor Arndt-Heinz Marx ist das letzte noch lebende Mitglied des ehemaligen „Triumvirats“ der ANS/NA, das aus Marx, Michael Kühnen und Thomas Brehl bestand. Im folgenden Beitrag beschreibt der Autor, wie er die Gründungsphase der NA erlebte, welches strategische Konzept sich hinter dieser Organisation verbarg und wie es nach Kühnens Haftentlassung zum Zusammenschluss mit der ANS kam. Ein Beitrag zur Aufarbeitung der Bewegungsgeschichte. Im Anschluss an diesen Artikel gibt es ein Interview mit dem Veteranen der nationalen Bewegung.

Im Grunde waren die Nationalen Aktivisten von Brehl und Marx tatsächlich die Vorläufer der heutigen „freien Kameradschaften“. (Aus: Werner Bräuninger – Kühnen: Porträt einer deutschen Karriere, S. 124.)

Kameradschaftsabende in Frankfurt-Harheim

Nun, wie begann das damals… Es liegt jetzt schon 36 Jahre zurück. Man muss tatsächlich manchmal angestrengt nachdenken, um sich an kleine, aber wichtige Einzelheiten zu erinnern.

Sommer 1981. Der Libanon lag hinter mir. Man konnte froh sein, diesem Alptraum im Nahen Osten lebend entronnen zu sein. Nach meiner Rückkehr wurde ich schon von der „Frankfurter Szene“ in Empfang genommen. Ich erneuerte meine Mitgliedschaft bei der HNG [Hilfsgemeinschaft für nationale politische Gefangene und deren Angehörige – Anm. d. Red.] und trat in die VSBD [Volkssozialistische Bewegung Deutschlands – Anm. d. Red.] ein. Doch die wurde einige Monate später schon verboten. Im Spätjahr 1981 traf ich mich viel mit Walter Kexel, der damals in Frankfurt die VSBD anführte. Im Dezember 1981 besuchten wir noch gemeinsam eine Aufführung des „Tannhäuser“ in Frankfurt. Bald darauf kreuzte sein Weg den von Odfried Hepp. Da nahm für Walter das Verhängnis seinen Lauf. Nach dem Verbot der VSBD und dem Abfall von Walter Kexel zu Hepp, die beide das Traktat „Abschied vom Hitlerismus“ veröffentlichten, wurde es etwas still in Frankfurt.

Ich besuchte die Feierlichkeiten in Mainz und das Sommerfest der HNG im Jahre 1982. Dort fiel mir zum ersten Mal Thomas Brehl auf, der eine ausgemusterte Khaki-Jacke der Luftwaffe zu einer mit Phantasieabzeichen versehenen Goldfasanenjacke umgemodelt hatte und stolz damit herumlief. Auch bei der Sonnenwendfeier 1982 in Mainz sah ich Thomas Brehl wieder. Jedoch kamen wir damals noch nicht persönlich in Kontakt. Man musterte sich nur ab und zu kurz auf Sichtweite.

Irgendwann im Herbst 1982 bekam ich einen Anruf aus Frankfurt. Ich glaube, es war Peter Müller. Er sagte mir, dass eine neue nationale Gruppe in Frankfurt im Entstehen sei, die Aktionsbündnisse mit anderen nationalen Gruppen eingehen will. Ich solle doch mal vorbeikommen, es täte sich wieder einiges. Gesagt, getan. Man traf sich damals im Restaurant „Wienerwald“ hinter der Katharinenkirche, gegenüber der Hauptwache. Da sah ich auch wieder das ein oder andere bekannte Gesicht von früher. An diesem Abend war auch Thomas Brehl da. Ich merkte bald, dass er eine große Leidenschaft für Abzeichen und Stempel hatte. In einer Fahnenstickerei in Fulda ließ er unter anderem damals das Abzeichen fertigen, das als Emblem von der NA und dann später von der ANS/NA übernommen wurde: eine stilisierte Sigrune vor schwarz-weiß-rotem Hintergrund.

Thomas Brehl und ich verstanden uns auf Anhieb und die Treffen wurden in der Kneipe „Zum Kuhstall“ im Frankfurter Vorort Harheim feuchtfröhlich fortgesetzt. Es war noch eine richtige Bierkneipe, wie sie heute immer seltener werden, mit Musikbox und Flipperautomat. Neben dem Gastraum war noch ein etwas schmälerer Raum mit einem langen Tisch für gesellige Treffen. Den nahmen wir immer in Beschlag. Der Wirt, ein Grieche, wurde von uns nur „Pascal“ genannt, weil sein richtiger Vorname unaussprechlich war. Ich erinnere mich heute noch an die guten Jägerschnitzel, die er kochte.

Im „Kuhstall“ wurde so richtig die Sau rausgelassen. Hier wurde gesungen, gelacht, gegröhlt, aber auch ernsthafte Gespräche geführt und Pläne geschmiedet. Wir machten öffentliche Flugblattaktionen und hinterher wurde immer ein zünftiger Kameradschaftsabend in der Kneipe abgehalten, bei denen der Inhalt etlicher Bembel Apfelwein vernichtet wurde. Letztlich war man ja in Frankfurt am Main.

Ein V-Mann wird eingeschleust

Aber auch in einer vorerst im Kleinen entstehenden nationalen Gruppierung hatte das System schon seinen V-Mann hineingepflanzt. Mir stellte sich ein langer, schmaler, blonder Bayer unter dem Namen Max Motschmann vor, der schon vor meiner Teilnahme an den Aktivitäten Mitglied der Gruppe gewesen war. Er sagte mir, er sei Angehöriger der WSG [Wehrsportgruppe Hoffmann – Anm. d. Red.] in Neuburg unter Anton Pfahler gewesen. Er kannte viele Leute beim Namen, auch Spitznamen, und erzählte einiges über frühere Übungen. Ich hegte zuerst keinen Verdacht und wusste damals auch nicht, wen ich in Neuburg zwecks Nachfrage kontaktieren sollte. Die WSG war seit fast zwei Jahren verboten. Außerdem wollten wir aus der konspirativen Ecke raus und in die Öffentlichkeit. An Abwehrmaßnahmen gegen Spitzel und V-Leute dachten wir bei unserer euphorischen Aufbauphase auch nicht. Wir waren da noch viel zu unbedarft in diesen Dingen. Sollte das System doch herumspitzeln, illegale Aktivitäten standen eh nicht auf dem Programm. Unsere Weste war weiß.

Dieser Motschmann erzählte, dass er in der Fliegerei tätig sei, angeblich war er so eine Art Lufttaxifahrer und flog mit einer Cessna irgendwelche Geschäftsleute herum. Auf jeden Fall wurden seine Storys von uns immer belächelt, da sie sehr nach Aufschneiderei klangen. Er hätte auch mal den damaligen Bundesinnenminister Zimmermann nach Bonn geflogen. Irgendwann kam es dann zu irgendwelchen Ungereimtheiten, ich weiß nicht mehr welche es waren, bei denen wir misstrauisch wurden. Mit Motschmann schien irgendetwas nicht zu stimmen. Wir ließen ihn weiter an der langen Leine laufen und machten uns weiterhin über ihn lustig.

Da bekam ich einen Anruf vom Leiter der Frankfurter Redaktion einer großen deutschen Illustrierten. Ich kannte ihn schon seit ein paar Jahren. Er wollte sich mit mir treffen. Wir hatten damals schon unsere Pressekontakte nach dem Motto: „Auch negative Propaganda ist Propaganda. Hauptsache man redet über uns.“

Ich traf mich abends mit ihm konspirativ in einer Kneipe in der Frankfurter Innenstadt. Er wollte von mir wissen, wann wir wieder mal eine öffentliche Aktion machen würden, zu der er Fotografen schicken könne. Kein Problem, die Info bekam er. Dann sagte er mir, er hätte da etwas für mich. Wir hätten einen Maulwurf unter uns. Er schrieb etwas auf einen Bierdeckel und schob ihn mir über den Tisch zu. Auf dem Bierdeckel stand: „Max Motschmann“. Daraufhin war alles klar. Woher er die Info hatte, sagte er mir damals nicht. Wenig später kam in den Nachrichten, dass bei dem Leiter der Frankfurter Redaktion einer bestimmten Illustrierten eine Hausdurchsuchung stattfand, da er von einer Sekretärin des BKA vertrauliche Unterlagen zugespielt bekommen habe…

Max Motschmann verabschiedete sich offiziell in Mainz bei einem Kameradschaftsabend von uns allen, da er einen tollen Job in Dschidda, Saudi-Arabien, angenommen hätte. Wir haben nie wieder von ihm gehört…

Den vollständigen Artikel gibt es in der Ausgabe 9 der N.S. Heute –
Erscheint Mitte Mai 2018!

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2 Kommentare

  1. Der Ausschnitt ihres Artikel aus der Urzeit der Bewegung ist sehr interessant. Mich würde auch ein Artikel über die fap oder ein Artikel über folgende ehemalige Aktivisten der Szene Volker Heide (vsbd, fap) oder Erwin Schönborn

  2. Sehr interessant wäre auch ein Artikel über die nationale szene vor der ans/na.ich meine die meisten Leser müssten auch über die BDns oder die Vsbd/pda wissen. Irgendwelche Zeitzeugen müssten doch noch leben.

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