Ausgabe 11, Leseprobe 2/3: Klaus Ludwig Uhl & Kurt Wolfgram – Von bayerischen SEK-Schergen erschossen am 20. Oktober 1981

Kurt Wolfgram (l.) und Klaus Ludwig Uhl (r.) auf einer Kellerparty

Anfang der 1980er-Jahre stehen sich in der noch jungen neonationalsozialistischen Bewegung zwei gegensätzliche Strategie-Konzepte gegenüber: Während Michael Kühnen mit seiner Truppe den gewaltfreien Widerstand und den „Marsch durch die Gefängnisse“ propagiert, rüsten sich im Untergrund kleine NS-Zellen zum bewaffneten Aufstand gegen die verhasste Bonner Republik. Am 20. Oktober 1981 bezahlen im Münchener Stadtteil Waldperlach zwei junge Nationalsozialisten den militanten politischen Kampf mit ihrem Leben.

Klaus Ludwig Uhl, Jahrgang 1957, stammt gebürtig aus der Pfalz. Schon als Jugendlicher wird er politisch aktiv, engagiert sich in Friedhelm Busses „Volkssozialistischer Bewegung Deutschland / Partei der Arbeit“ (VSBD/PdA) sowie in der illegalen „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei / Auslands- und Aufbauorganisation“ (NSDAP/AO) des Amerikadeutschen Gerhard „Gary“ Lauck. Christian Worch, der im Herbst 1978 mit Uhl in Hamburg zusammentrifft und mit ihm nachts verbotene Parolen auf Häuserwände, Verkehrsschilder und Polizei-Notrufsäulen sprüht, lernt den jungen Pfälzer als hochintelligenten und fleißigen Arbeiter für die nationale Bewegung kennen, der von seiner Weltanschauung vollständig durchdrungen ist. Für die NSDAP/AO entwickelt Uhl eine rege Schreibtätigkeit. Er schreibt den in den USA herausgegebenen „NS-Kampfruf“, sozusagen das Zentralorgan der NSDAP/AO, quasi im Alleingag und benutzt dafür ein halbes Dutzend Pseudonyme, unter anderem „Wehrdorf“ und „Lieselotte von der Pfalz“. Etwa im Frühjahr 1980 setzt sich Uhl nach Paris ab, um einer drohenden Inhaftierung in der BRD zu entgehen. Von der französischen Hauptstadt aus gibt er Interviews für deutsche und französische Medien.

Kurt Wolfgram, Jahrgang 1960, gebürtiger Hannoveraner, schließt sich ebenfalls schon in früher Jugend dem nationalen politischen Kampf an. Zunächst wird er Mitglied der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN), dann schließt er sich der Truppe um Friedhelm Busse an. Arndt-Heinz Marx, damals aktiv bei den „Nationalen Aktivisten“ (NA), erinnert sich an folgende Episode: „Kurt wurde in der Szene durch seine Ein-Mann-Aktion bekannt. Er stellte sich mit SA-Mütze und schwarzem Ledermantel in einer norddeutschen Großstadt in die Fußgängerzone. Kann sein, dass es Hannover war. Die Passanten dachten, da würde ein Nazifilm gedreht werden. Nach einiger Zeit wurde er von der Polizei verhaftet. Eine Illustrierte brachte einen Bildbericht über Kurts Aktion.“ Laut Christian Worch ist Wolfgram der Prototyp eines einfachen Soldaten, vielleicht auch eines Unteroffiziers. Seine Affinität zur SA demonstriert er gerne durch seine SA-Mütze, Braunhemd und Sturmriemen. 1979 wird Wolfgram zu zwölf Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen den Schriftzug „Juden raus“ gemalt hatte. Im Jahr darauf wird er kurzzeitig festgenommen, da er verdächtigt wird, einen Anschlag auf den damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg geplant zu haben. Der Politologe Eike Hennig, der Wolfgram im Rahmen einer Studie über „Jugend und Rechtsextremismus“ interviewt hat, beschreibt ihn als intelligenten jungen Mann, der gerne politische Diskussionen führt und historische Quellen analysiert. Im Juli 1980 taucht auch er nach Frankreich ab, wo er in Paris auf Klaus Ludwig Uhl trifft.

Vorbereitungen für den „Marsch auf Deutschland“

In der französischen Hauptstadt wohnen Uhl und Wolfgram zeitweise bei Marc Fredriksen, dem damaligen Anführer der „Fédération d’action nationale et européenne“ (F.A.N.E.), einer nationalistischen Partei, die gerade im Begriff ist, ein europaweites Kameradennetzwerk zu knüpfen. Von Paris aus planen Uhl, Wolfgram und einige weitere Aktivisten den Aufbau einer militanten NS-Untergrundgruppe. Uhl nennt das Konzept den „Marsch auf Deutschland“: Politische Kämpfer, denen im Inland Gesinnungshaft droht, sollen vom Exil aus sowohl mit propagandistischen als auch mit bewaffneten Aktivitäten nach Deutschland hineinwirken und sich nach der jeweiligen Aktion wieder ins (vermeintlich sichere) Ausland zurückziehen. Zu den bewaffneten Aktivitäten sollen vor allem Banküberfälle zur Finanzierung der Propaganda-Aktionen sowie des privaten Lebensunterhalts der Exilanten gehören, möglicherweise plant man auch bereits gezielte Anschläge auf Repräsentanten des Systems.

In einem Gespräch mit Arndt-Heinz Marx macht Uhl Andeutungen darüber, er habe jemanden an der Hand, einen ehemaligen SS-Mann, der noch im Besitz von ehemaligem Reichsvermögen sei, das er der nationalen Sache zur Verfügung stellen wolle – man denkt hier unwillkürlich an die „Akte Odessa“, jedenfalls bleibt die Geschichte nebulös. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll sich die Gruppe um Uhl und Wolfgram den Namen „Kommando Omega“ beziehungsweise „Gruppe Omega“ gegeben haben, doch nach Aussagen von Arndt-Heinz Marx sei der Name von der Presse erfunden und nie als Eigenbezeichnung benutzt worden. – Parallelen zum ominösen „Nationalsozialistischen Untergrund“ tun sich auf, schließlich brauchen die Medien immer ein griffiges Schlagwort für ihre reißerischen Zeitungsartikel.

In die Bundesrepublik reisen Uhl und Wolfgram nur noch zu gelegentlichen „Einsätzen“: Wahrscheinlich gehört Klaus Ludwig Uhl zu der Gruppe, die am 11. August 1981 die Kreissparkasse Neuenstadt bei Heilbronn überfällt und mit 90.000 Mark Beute entkommen kann. Am 23. September 1981 überfällt Kurt Wolfgram zusammen mit dem Ehepaar Klaus-Dieter und Christine Hewicker die Nassauische Sparkasse in Rennerod im Westerwald und erbeutet fast 73.000 Mark. Beim „Spiegel“ geht ein Bekennerbrief ein, unterzeichnet mit „Schwarze Front – Kommando Frank Schubert“ (vom Schicksal des Frank Schubert wird noch in einem späteren Artikel in der N.S. Heute die Rede sein). Sowohl das Konzept, Banküberfälle zur Geldbeschaffung zu begehen, als auch das Absenden von Bekennerbriefen an die Massenmedien erinnern an die Vorgehensweise der kommunistischen „Roten Armee Fraktion“. Folglich macht in den Medien seinerzeit das Gespenst einer in Entwicklung begriffenen „Braunen Armee Fraktion“ die Runde.

Das Münchener SEK-Massaker in der Putzbrunner Straße

Am 20. Oktober 1981 treffen sich fünf Männer in Neubiberg bei München, in der Wohnung von Friedhelm Busse, damals 52 Jahre alt. Es ist eine ausgesprochen junge Truppe, die sich beim damaligen VSBD-Vorsitzenden zusammengefunden hat: Klaus Ludwig Uhl ist 24 Jahre alt, Kurt Wolfgram 21. Mit ihnen sitzen am Tisch: Peter Fabel aus Bremen, 18 Jahre alt, der kurz zuvor erst aus dem Lager der „WSG Libanon“ geflüchtete Peter Hamberger, ebenfalls 18 Jahre alt, und der Franzose Pascal Coletta, 20 Jahre alt. Die Gruppe plant ihre nächste „Aktion Geldbeschaffung“: Wieder soll die Sparkassen-Filiale im Westerwald, der Wolfgram bereits einen Monat zuvor einen Besuch abstattete, überfallen werden. Uhl, Wolfgram, Fabel, Hamberger und Coletta machen sich daran, Waffen in den Kofferraum eines gemieteten Citröen GS einzuladen: drei Maschinenpistolen, acht Handgranaten, eine Pistole, eine Luftmine und Munition. Was die Fünfer-Gruppe nicht weiß: Bereits beim Einladen der Waffen in den Kofferraum des Mietwagens werden sie von Agenten des Verfassungsschutzes beobachtet. Die Behörden hatten zuvor einige wertvolle Tipps bekommen, was in der Wohnung von Friedhelm Busse vor sich geht.

Der mit Männern und Waffen vollbeladene Citröen, am Steuer der Franzose Coletta, macht sich auf den Weg. Allerdings wird der Wagen bereits im Münchener Südosten, in der Putzbrunner Straße, von acht SEK-Beamten der bayerischen Polizei gestellt. Die Fünfer-Gruppe steigt mit erhobenen Händen aus. Die Beamten fordern die Männer auf, sich auf den Boden zu legen. Währenddessen detoniert plötzlich eine Rauch- oder Blendgranate. Wem die Granate gehört, ob sie mit Absicht oder aus Versehen gezündet wird – bis heute kann der Fall nicht richtig aufgeklärt werden. Arndt-Heinz Marx vermutet, dass die Granate einem der Fahrzeuginsassen bei der Aufforderung der Polizei, sich auf den Boden zu legen, versehentlich aus der Jacke gefallen ist. Andere wiederum vertreten die Version, die Granate sei von der Polizei absichtlich in Richtung des Citröen geworfen worden.

Gesichert ist jedenfalls, dass das SEK nach der Detonation der (ungefährlichen) Rauch- oder Blendgranate sofort das Feuer auf die Fünfer-Gruppe eröffnet…

Den vollständigen Artikel gibt es in der Ausgabe 11 der N.S. Heute –
Erscheint Mitte September 2018!

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