Ausgabe 13, Leseprobe 1/3: Die Toten rufen zur Tat! – 10 Jahre Rheinwiesenlager-Gedenken in Remagen

Das Gedenken an die Opfer der westalliierten Rheinwiesenlager in Remagen (Landkreis Ahrweiler) ist mittlerweile zur festen Tradition des Nationalen Widerstandes im Rheinland geworden. 2018 ging das Rheinwiesenlager-Gedenken bereits ins 10. Jahr. Rückblick auf eine Veranstaltungs-Reihe, die sich in vielen Aspekten von anderen nationalen Aktivitäten unterscheidet. von Christian Häger, Sascha Krolzig und Sven Skoda

Historischer Hintergrund: Was geschah in den Rheinwiesenlagern?

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war der verbrecherische „Morgenthau-Plan“, benannt nach dem damaligen US-Finanzminister Henry Morgenthau (ein Enkel jüdischer Einwanderer aus Mannheim), offizielle Nachkriegspolitik der westlichen Siegermächte. Dieser, auf einen Massenmord an Millionen Deutschen hinauslaufende Plan sah vor, Deutschland in einen vollkommen entindustrialisierten Agrarstaat mit deutlich dezimierter Bevölkerung zu verwandeln. Erst als die Amerikaner etwa zur Jahreswende 1945/46 merkten, dass sie die Deutschen im heraufziehenden Kalten Krieg als willfährigen Vasallen doch noch gut brauchen könnten, änderten sie ihre Ziele und sorgen aus strategischen Gründen für ein Ende des Massensterbens, das längst sowohl bei den Kriegsgefangenen als auch in der Zivilbevölkerung eingesetzt hatte.

Als ein Baustein des verbrecherischen Morgenthau-Plans richteten die Westalliierten ab April 1945 entlang des Rheins insgesamt 23 Gefangenenlanger ein, darunter auch die als „Goldene Meile“ bezeichneten Lager in Remagen und im benachbarten Sinzig. Die Internierten dieser Rheinwiesenlager waren sowohl ehemalige Wehrmachtsoldaten als auch sogenannte „verdächtige Zivilpersonen“, wozu auch Frauen, Kinder und Greise gehörten. Millionen deutsche Soldaten waren bei Kriegsende Richtung Westen geflohen, weil sie sich von den Westalliierten eine bessere Behandlung erhofften als von der Roten Armee – doch sie gerieten vom Regen in die Traufe. Unmittelbar nach ihrer Ankunft in den Lagern wurden sie von den Wachmannschaften darüber informiert, dass sie keine Kriegsgefangenen sind, sondern „disarmed enemies“ („entwaffnete Feinde“). Als „Disarmed Enemy Forces“ (DEF) erkannte man den Gefangenen das Recht ab, gemäß der Genfer Konvention behandelt zu werden. Die Aberkennung des Kriegsgefangenen-Status („prisoner of war“) hatte für die Gefangenen weitreichende Folgen, da die Amerikaner nun das Rote Kreuz daran hindern konnten, die verhungernden Gefangenen mit Lebensmitteln zu versorgen. Den Lagerinspektoren des Roten Kreuzes wurde verboten, das Lagergelände zu betreten. Nichts sollte von dem grausamen Massensterben in den Rheinwiesenlagern an die Öffentlichkeit dringen.

Die Rheinwiesenlager waren keine „Lager“ im wörtlichen Sinne. Wenn man irgendwo ein Lager errichtet, dann bedeutet das schließlich, dass man zumindest ein Dach über dem Kopf hat. Doch in den Rheinwiesenlagern gab es keine Gebäude, keine Zelte, keine Kochstellen und keine Toiletten. Was wir heute als Rheinwiesenlager bezeichnen, waren nichts weiter als die sumpfigen, stacheldrahtumzäunten Wiesen entlang des Rheintals. Die „Unterkünfte“ waren schlammige Erdlöcher, die sich die Gefangenen selbst graben mussten. Der amerikanische Oberst und Militärhistoriker Ernest F. Fisher beschrieb die Zustände in den Rheinwiesenlagern wie folgt: „Mehr als fünf Millionen deutscher Soldaten in den amerikanischen und französischen Zonen wurden in Stacheldrahtkäfigen zusammengepfercht, viele von ihnen buchstäblich Schulter an Schulter. Der Boden unter ihnen entwickelte sich bald zu einem Sumpf aus Dreck und Krankheit.“

Zwei Oberste der US Army, James B. Mason und Charles A. Beasley, schilderten ihre Beobachtungen von einem Besuch in einem der Rheinwiesenlager: „Der 20. April war ein stürmischer Tag. Regen, Schneeregen und Schnee wechselten sich ab, ein bis auf die Knochen durchdringender kalter Wind fegte von Norden her über die Ebenen des Rheintals dorthin, wo sich das Lager befand. Eng zusammengedrängt, um sich gegenseitig zu wärmen, bot sich den Blicken auf der anderen Seite des Stacheldrahts ein tief erschreckender Anblick: nahezu 100.000 ausgemergelte, apathische, schmutzige, hagere Männer mit leerem Blick, bekleidet mit schmutzigen, feldgrauen Uniformen, knöcheltief im Schlamm stehend. Hier und da sah man schmutzig weiße Flecken. Bei genauerem Hinsehen erkannte man, dass es sich um Männer mit verbundenem Kopf und verbundenen Armen handelte oder Männer, die da in Hemdsärmeln standen! Der deutsche Divisionskommandeur berichtete, dass die Männer seit mindestens zwei Tagen nichts mehr gegessen hätten und dass die Beschaffung von Wasser ein Hauptproblem sei – dabei war der Rhein, der hohen Wasserstand führte, nur 200 Meter entfernt.“

Systematische Aushungerung der Gefangenen

In manchen Lagern gab es als Wasserstelle nur ein einziges Rohr, durch das Wasser aus dem Rhein gepumpt wurde. Die meisten Gefangenen hatten nicht einmal eine Tasse oder eine Dose, mit der sie das Wasser auffangen konnten. Sie mussten manchmal stundenlang oder sogar die ganze Nacht lang anstehen, um mit den Händen ein paar Schlücke Wasser aus dem Rohr zum Mund führen zu können. Im Lager Bretzenheim betrugen die Nahrungsrationen 800 Kalorien pro Tag, im Lager Heilbronn 1.000 Kalorien – wobei die zum Überleben notwendige Ration 1.700 Kalorien beträgt. Manchmal kam auf 100 Gefangene ein einziger Laib Kommissbrot. Die Männer, die kräftig und gesund ins Lager kamen, waren nach wenigen Wochen nur noch menschliche Skelette, viele wogen nur noch 35 bis 45 Kilogramm.

Um sich von ihrer Schuld reinzuwaschen, verbreiteten die Siegermächte – artig nachgeplappert von ihren bundesrepublikanischen Vasallen – die Legende, die Gefangenen hätten aufgrund der allgemein schlechten Versorgungslage in der unmittelbaren Nachkriegszeit gar nicht besser verpflegt werden können. Doch während die Gefangenen in den Lagern den Hungertod starben, erhielten die amerikanischen Wachmannschaften Rationen von 4.000 Kalorien pro Tag. Der amerikanische Oberst Henry C. Settle sagte über diese Zeit: „Wir hatten Lebensmittel so reichlich, dass wir nicht wussten, was wir damit anfangen sollten.“ Die Helfer des Roten Kreuzes hatten mehrere Millionen Lebensmittelpakete in ihren Lagern in ganz Europa – insbesondere in der Schweiz –, doch da man den Lagerinsassen den Kriegsgefangenenstatus aberkannt hatte, durften die lebensrettenden Pakete nicht an die Gefangenen verteilt werden.

Der Oberbefehlshaber der Alliierten Expeditionsstreitkräfte in Europa, der spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower, hatte der Zivilbevölkerung ausdrücklich verboten, den Gefangenen Lebensmittel zu bringen. In Unkenntnis dieses Verbotes hörte die damals 16-jährige Irene Balz von der furchtbaren Not in dem Gefangenenlager in der Nähe ihres Elternhauses in Heilbronn. Zusammen mit einer Freundin brachte sie einen Korb voller Lebensmittel zu dem Lager, die sie vorher bei den Bauern in der Umgebung gesammelt hatte. Ein amerikanischer Wachsoldat sagte ihnen, natürlich könne er den Korb an die Gefangenen übergeben. Gemeinsam gingen sie auf das Lagergelände. Der Wachsoldat stellte den Korb in die Nähe eines der Erdlöcher. Als die Gefangenen, die bereits zu schwach waren, um aufzustehen, angekrochen kamen, übergoss der Wachsoldat den Korb mit Benzin und warf ein brennendes Streichholz darauf. Noch schlimmer traf es die 48-jährige Agnes Spira, die bei dem Versuch, den Gefangenen im Lager Dietersheim bei Bingen Lebensmittel zu bringen, von französischen Wachen erschossen wurde. Die Inschrift auf ihrem Grabstein lautet: „Am 31. Juli 1945 wurde mir meine Mutter bei einer Liebestat an den gefangenen Soldaten plötzlich und unerwartet im Alter von beinahe 48 Jahren entrissen.“

Die Verbrechen der Sieger

Raffgierige amerikanische Soldaten raubten den Gefangenen Uhren und Eheringe. Wenn ein Gefangener seinen Ehering nicht vom Finger abziehen konnte, wurde der Finger mit einem Messer abgeschnitten, in einigen Fällen wurden die Finger sogar abgebissen. Der damalige US-Gefreite und spätere Philosophieprofessor Martin Brech tat im Frühjahr 1945 als amerikanischer Wachmann Dienst im Lager Andernach. Er berichtet von 50.000 – 60.000 Gefangenen, die ohne Dach über dem Kopf in Bodenmulden dahinvegetierten. Sie erhielten nur einmal am Tag eine dünne Wassersuppe. Als der junge Wachmann von anderen Soldaten dabei erwischt wurde, wie er einigen Gefangenen eine zusätzliche Ration geben wollte, drohte man damit, ihn vor ein Kriegsgericht zu stellen. Eines Tages wurde Martin Brech Augenzeuge, wie die Wachen plötzlich die Tore öffneten. Als die vor Durst halb wahnsinnigen Gefangenen hinunter zum Rhein laufen wollten, wurden sie im Lauf mit MG-Feuer niedergemäht.

Der Überlebende des Lagers Remagen, Franz-Josef Plemper, berichtet von folgender Episode: „In einer Nacht im April 1945 wurde ich aus dem Dahindämmern in Regen und Schlamm durch gellende Schreie und lautes Stöhnen aufgeschreckt. Ich sprang auf und sah in einiger Entfernung (ungefähr 30 bis 50 Meter) die Scheinwerfer eines Bulldozers. Dann sah ich, wie dieser Bulldozer sich vorwärts durch die dicht liegenden Gefangenen bewegte. Vorn hatte er eine Planierschaufel. Der Bulldozer bahnte sich seinen Weg. Wie viele der Gefangenen dabei in ihren Erdlöchern lebendig begraben wurden, weiß ich nicht. Das lässt sich auch nicht mehr feststellen. Deutlich hörte ich die Schreie: ‚Ihr Mörder! Ihr Mörder‘“

Nicht alle amerikanischen Wachsoldaten waren allerdings grausame Sadisten. Viele Wachmänner waren ebenfalls noch sehr jung, manche erst 18 Jahre alt. Das Grauen, das sie in den Rheinwiesenlagern gesehen haben und für das sie mitverantwortlich waren, ließ sie nie wieder los. Noch viele Jahrzehnte später besuchten die Toten der Rheinwiesenlager die Wachsoldaten jede Nacht in ihren Alpträumen und hielten dort bittere Anklage.

Um in den Lagern nicht zu verdursten, tranken viele Gefangene das verdreckte Wasser aus den Pfützen oder leckten den feuchten Boden ab, was schnell zu Krankheiten und Seuchen führte. Die Todesursachen in den Lagern waren vielfältig: Wenn die Gefangenen nicht verhungerten oder verdursteten, dann starben sie an Blutvergiftung, Frostbrand, Starrkrampf, Mandel- und Lungenentzündungen, Tuberkulose, Ruhr oder Typhus. Manche Gefangene erstickten in den selbstgegrabenen Erdlöchern, die über ihnen zusammenbrachen, andere fielen aus Entkräftung von den Latrinenbrettern und ertranken in der Fäkaliengrube. Gestandene, kriegserfahrene Soldaten verloren angesichts der Grausamkeiten in den Lagern den Verstand und wurden von den Wachen niedergeschossen, oder sie rannten absichtlich in den Stacheldrahtzaun und schnitten sich dort die Pulsadern auf. Die Leichen wurden ans Lagertor geschleppt, dort übereinandergeworfen und von Lkws abtransportiert. Bernhard Frahling, Überlebender des Lagers Remagen, erinnert sich noch genau, wie jeden Morgen ein Kipplaster ins Lager gefahren kam, auf den man die Leichname seiner toten Kameraden lud, die dann in geheimen Massengräbern verscharrt wurden.

Wenn man sich diese Zustände vor Augen führt, wenn man an die unzähligen anonymen Massengräber denkt, dann wird auch klar, warum die genaue Zahl der Toten in den Rheinwiesenlagern nie ermittelt werden konnte, selbst seriöse Schätzungen können nur sehr vage angestellt werden. Der von Konrad Adenauer einberufene „Ausschuss für Kriegsgefangenenfragen“ führte im Jahr 1953 die Namen von 1.154.000 noch vermissten deutschen Kriegsgefangenen auf. Diese Liste war aufgrund der Situation des Kalten Krieges allerdings unvollständig, spätere Nachforschungen ergaben die Zahl von 1,5 bis 2 Millionen toten Kriegsgefangenen. Unter ihnen auch mehrere hunderttausend Tote in den Lagern der westlichen Siegermächte, allen voran den Rheinwiesenlagern…

Den vollständigen Artikel gibt es in der Ausgabe 13 der N.S. Heute –
Erscheint Mitte Januar 2019!

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