N.S. Heute Nr. 14, Leseprobe 1/3: Mysteriöse Todesfälle – Die ungeklärten Kapitel der Bewegung

Bei unseren Recherchen zu den „Blutzeugen der Neuzeit“ (siehe Artikelserie in N.S. Heute 11-13) stießen wir immer wieder auf Schicksale von Personen aus den Reihen des Nationalen Widerstandes, die unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen sind. Bei all diesen Todesfällen wird offiziell „Selbstmord“ oder „Unfall“ als Todesursache angegeben. Doch es gibt Indizien und Hinweise, die auf Verstrickungen von Geheimdiensten und anderen konspirativen Organisationen hinweisen. Eine Zeitreise in die dunklen und ungeklärten Kapitel der nationalen Bewegung.

(…) Waffendepots in der Lüneburger Heide: Der Fall Heinz Lembke

Heinz Lembke wollte auspacken: Wer waren die Hintermänner, wer hatte ihm den Inhalt der Waffen- und Munitionsdepots besorgt, die der 44-jährige Forstmeister in der Lüneburger Heide jahrelang unter Verschluss hielt? Doch es kam anders: Am Morgen seiner geplanten Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft am 1. November 1981 fand man Heinz Lembke tot in seiner Gefängniszelle.

Am 24. März 1937 in Stralsund geboren, erlebte Heinz Lembke als Kind die Einnahme und Besetzung seiner Heimatstadt durch die Rote Armee. 1959 floh er aus der DDR in die BRD, wo sich der verschlossene und zurückgezogen lebende Lembke als Förster in der Lüneburger Heide niederließ. 1960 wurde er Mitglied im „Bund Vaterländischer Jugend“ (BVJ), avancierte dort schnell zum Vorstandsmitglied und Bundesgeschäftsführer. Nach dem BVJ-Verbot 1962 trat er dem „Bund Heimattreuer Jugend“ (BHJ) bei, für den er unter anderem ein Pfingsttreffen in Franken organisierte. Doch nicht nur die völkische Jugendarbeit reizte den jungen Förster, auch für die Parteipolitik konnte er sich begeistern: Zunächst Mitglied der Deutschen Reichspartei (DRP), trat er schließlich der NPD bei, für die er 1968 zu den Kommunalwahlen kandidierte, von 1971 bis 1978 war er NPD-Kreisvorsitzender in Uelzen.

Berichten regimenaher Medien zufolge soll sich Lembke ab Ende der 70er-Jahre in nationalen Kreisen als Beschaffer von Waffen und Munition einen Namen gemacht haben. Als Lembke im Frühjahr 1981 in einem Verfahren gegen Manfred Roeder, den Initiator der militanten „Deutschen Aktionsgruppen“ (DA), als Zeuge vorgeladen wurde, lehnte er es ab, irgendwelche belastenden Aussagen gegen Roeder zu tätigen, und bezahlte diese Standhaftigkeit mit einer sechsmonatigen Beugehaft.

Im Oktober 1981 stieß ein Waldarbeiter, der in einem Heideforst in der Nähe von Uelzen einen Grenzpfahl in den Boden rammen wollte, auf eine verdächtige Kiste, die in Plastikfolie eingehüllt und mit einem Draht umwickelt war. Die herbeigerufene Polizei fand in unmittelbarer Nähe vier weitere Kisten, allesamt gefüllt mit Waffen, Munition und Sprengstoff. Schnell führten die Spuren zu Heinz Lembke, der festgenommen wurde und den Ermittlern im Untersuchungsgefängnis die Lage seiner weiteren Waffendepots offenbarte. So stießen die Beamten auf insgesamt 88 Kisten, unter anderem mit 50 Panzerfäusten, 14 Schusswaffen, 258 Handgranaten, 156 Kilogramm Sprengstoff, 13.500 Schuss Munition, diverse Giftstoffe und Bundeswehrvorschriften zu den Themen Schießen und Sprengen. Der Fund sorgte deutschlandweite für ein gewaltiges Medienecho.

Doch damit war die Frage noch nicht geklärt, wie der Forstmeister an dieses offenbar aus Bundeswehrbeständen stammende Waffenarsenal kommen konnte. Wer hatte ihm all die Waffen besorgt? Und wofür wollte er sie einsetzen? Lembke jedenfalls kündigte an, gegenüber der Bundesanwaltschaft umfassend auszusagen und seine Hintermänner benennen zu wollen. Doch dazu kam es nicht mehr: Am Morgen vor seiner geplanten Vernehmung wurde Heinz Lembke mit einem Kabel erhängt in seiner Lüneburger Gefängniszelle aufgefunden. Er hinterließ eine Frau und drei Kinder.

Die Behörden waren sich sehr schnell einig, es sei „einwandfrei Selbstmord“ gewesen. Auch die Ermittlungen bezüglich der Waffenfunde, insbesondere im Hinblick auf mögliche Komplizen Lembkes, wurden kurz nach dessen Tod eingestellt. Von den Behörden wurde Lembke als verwirrter Einzelgänger dargestellt, der infolge seiner traumatischen Kindheitserlebnisse unter Verfolgungswahn gelitten und seine Waffendepots aus paranoider Angst vor einer sowjetischen Invasion angelegt habe.

Im Zusammenhang mit Lembkes Waffenlager fallen in Medienberichten immer wieder die Begriffe „Stay behind“ und „Gladio“, Bezug nehmend auf jenes im Geheimen agierende NATO-Netzwerk, das zur Zeit des Kalten Krieges in Westeuropa Vorbereitungen für eine militärische Auseinandersetzung mit dem Warschauer Pakt getroffen hatte. Konkret sollten mit der NATO verbündete paramilitärische Truppen im Falle einer sowjetischen Besetzung Westdeutschlands im „feindlichen Hinterland“ Operationen gegen die Besatzer ausführen [siehe auch den Artikel „Projekt ‚Einsatzgruppe Mitte‘“ von Arndt-Heinz Marx im gleichen Heft]. Hierzu hatte die NATO in Westdeutschland nachweislich geheime Waffen- und Sprengstofflager angelegt.

Aus einer Gedenkbroschüre, herausgegeben von Edgar Geiss, ca. 1990

War Lembkes Waffenlager eines von diesen geheimen NATO-Depots? Hatte der Antikommunist Lembke mit westlichen Stay-behind-Kommandos zusammengearbeitet, um im Falle einer sowjetischen Besetzung Westdeutschlands Guerilla-Aktionen durchzuführen? Musste Lembke sterben, weil er die Hintermänner jener konspirativen Organisation verraten wollte, deren Existenz erst nach dem Ende des Kalten Krieges von der NATO offiziell eingeräumt wurde? Steht das Waffenlager in der Lüneburger Heide vielleicht sogar im Zusammenhang mit dem ominösen „Oktoberfestattentat“? – Der langjährige Aktivist Christian Worch will eine Verwicklung von „Gladio“ beziehungsweise „Stay behind“ in den Tod von Heinz Lembke zwar nicht ausschließen, er geht aufgrund gewisser Indizien jedoch von einem Freitod Lembkes aus, wie er gegenüber der N.S. Heute erklärte:

Heinz Lembke kannte ich persönlich, bin ihm allerdings nur einmal begegnet. Wir haben uns unter konspirativen Umständen unterhalten, bei einem Spaziergang auf der damals zugefrorenen Alster. Unter anderem fragte Lembke mich nach der Beschaffbarkeit kleinerer Mengen Zyankali. (Er sprach von Kapseln, was für mich andeutete, sie sollten eher für Suizid als für die Vergiftung anderer bestimmt sein.) Diese Frage war später, nach seinem Tod, für mich ein Indiz dafür, dass er Freitod als Option angesehen hat.

Ein weiteres Indiz ergab sich per Zufall. Im März und April 1985 saß ich in Lüneburg sechs Wochen in Untersuchungshaft. Zuerst drei, vier Tage oder eine Woche in sogenannter Doppelbelegung, also mit einem Zellengenossen zusammen; dann wurde eine Einzelzelle frei. Als ich dorthin „umzog“, begleitete mich ein sympathisch und seriös wirkender Vollzugsbeamter; ein Mann von damals vielleicht 50 Jahren, saubere, korrekte Erscheinung, ein wenig wie ein alter Militär wirkend. (Damals haben viele „Schließer“ zuerst bei der Bundeswehr gedient und sind dann in den Strafvollzugsdienst gegangen.) Als er mir die Zelle aufschloss, fragte er: „Sie kannten doch sicherlich Heinz Lembke, den Forstmeister?“ Ich bejahte, und er sagte mir: „Ich war es, der ihn morgens vom Fensterkreuz geschnitten hat, in genau dieser Zelle.“

Nach beiden Indizien habe ich keinen Zweifel daran, dass Heinz Lembke sich selbst getötet hat, um draußen befindlichen Kameraden, die niemals identifiziert worden sind, ein Signal zu geben, dass sie von ihm keine Aussagen und keinen Verrat zu fürchten hatten. In meinen Augen eine hohe Stufe des Heldentums. („Denn es ist besser, dass ein Mann verderbe als ein ganzes Volk.“)

Dennoch bleibt die Frage ungeklärt, warum Lembke zunächst seine Aussagebereitschaft signalisierte, um sich in der Nacht vor dem anberaumten Vernehmungstermin selbst zu erhängen. Hatte er die Absicht, gezielt eine Legende um seine Person zu konstruieren? Sehr unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass Lembke als verschlossen und introvertiert galt, ohne einen Hauch von Aufschneiderei oder Geltungsdrang. Unklar ist auch, was der geheimnisvolle, aus der „Edda“ entlehnte Satz bedeuten sollte, den Lembke auf einem Zettel in seiner Gefängniszelle hinterließ: „Es ist Wolfszeit.“

Den vollständigen Artikel gibt es in der Ausgabe 14 der N.S. Heute –
Erscheint Mitte März!

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