N.S. Heute Nr. 16, Leseprobe 1/3: Ostpreußen – Ein Reisebericht

Einmal im Jahr, immer in der Woche vor Pfingsten, macht sich eine nationale Wandergruppe auf die Reise zu einer mehrtätigen Erkundungstour irgendwo in deutschen Landen. In dieser Zeitschrift berichteten wir bereits von unseren Reisen zur Ostsee [N.S. Heute Nr. 3] und nach Südtirol [N.S. Heute Nr. 10]. Während es im letzten Jahr also ganz in den Süden des Reiches ging, schulterten diesmal 15 Männer und eine Frau, zusammengekommen aus sieben verschiedenen Bundesländern, ihre Rucksäcke für eine Wanderung durch die Ostgebiete unseres Vaterlandes. Dabei gewannen wir von Landschaft, Architektur und Bevölkerung ziemlich ambivalente Eindrücke, die uns mit gemischten Gefühlen zurück in heimische Gefilde kehren ließen.

Ostpreußen – über 700 Jahre deutsches Siedlungsgebiet

„Ostpreußen ist ein schönes Land. Wie häufig haben wir bei uns die Abwechslung von Hügel, Tal und Ebene, Wald, Flur und See. Meilenweit dehnen sich gewaltige Wälder und Heiden aus. Schier unzählig sind unsere Seen, oft umgeben vom duftigen Waldesgrün, dessen Pracht sich an den sanft aufsteigenden Ufern ausbreitet. Wie oft spiegeln sich dunkle Fichten in den klaren Fluten von Masurens Seen, und wie prächtig liegen die Inseln und Halbinseln da, die von diesen Gewässern eingeschlossen werden.“

In dieses, von August Ambrassat in seinem 1896 veröffentlichten Werk „Die Provinz Ostpreußen, Bilder aus der Geographie, Geschichte und Sage unserer Heimatprovinz“ so liebevoll beschriebene Land, startet am frühen Sonntagmorgen unser Flieger. Vom Westen des Reiches in den Osten in anderthalb Stunden. – Ostpreußen, das nordöstlichste Land des Deutschen Reiches, bot 700 Jahre lang, seit der polnische Herzog Konrad von Masowien die deutschen Ordensritter zur Hilfe rief, unseren Vorfahren eine Heimat. Ostpreußen war bekannt als eine der großen Kornkammern, auf den Feldern schritten starke Bauern hinter Pferd und Pflug, wie es schon in der ostpreußischen Landeshymne heißt; von hier aus wurden Roggen, Hafer, Kartoffeln, Gerste und Weizen in die anderen Provinzen des Deutschen Reiches geliefert. Ostpreußen, das ist die Heimat von Johann Gottfried Herder, der erstmals von den Völkern als „Gedanken Gottes“ sprach; von E.T.A. Hoffmann, der mit seinen „Nachtstücken“ literarischem Ruhm erlangte, genauso wie von Max von Schenkendorf, dem Verfasser des noch heute oft gesungenen „Treueliedes“; in Ostpreußen entwickelte Immanuel Kant seinen „Kategorischen Imperativ“, und Agnes Miegel, die „Mutter Ostpreußen“, schrieb ihre für das Land so symbolhaften Balladen und Geschichten.

Doch Ostpreußen, das war auch der Schauplatz eines der größten Kriegsverbrechen des 20. Jahrhunderts, als ab Oktober 1944 Millionen Deutsche von einer völlig entmenschten, bolschewistischen Soldateska vertrieben, verschleppt und grausam ermordet wurden. Eine Vorstellung davon, wie groß und weit das Land ist, das uns nach dem tragischen und verhängnisvollen Ende des Zweiten Weltkriegs geraubt wurde, bekommt man am besten, wenn man sich vor Augen führt, dass es von der heutigen Ostgrenze der BRD bei Frankfurt (Oder) bis zur alten Ostgrenze des Deutschen Reiches im Osten Ostpreußens in etwa genauso weit ist wie von Frankfurt (Oder) bis zur heutigen Westgrenze der BRD bei Aachen. – Ostpreußen, das ist für viele unserer Landsleute mittlerweile ein fernes, schemenhaftes und mythisches Land, dessen deutsche Vergangenheit unter dem Schutt der Zeit begraben liegt. Wir wollen nun ein paar Brocken von diesem Schutt wegräumen und einen Einblick gewinnen, wie Ostpreußen heute aussieht und wie es damals wohl ausgesehen haben mag.

2. Juni: Danzig und Westerplatte

Am Danziger Flughafen angekommen, bringt uns ein junger, schweigsamer Pole mit einem zuvor gebuchten Transferservice zu unserer Unterkunft, einem Hostel an der Mottlau [Hinweis: bei allen Ortsangaben benutzen wir in diesem Text die alten deutschen Bezeichnungen], die quer durch das Zentrum der alten deutschen Hansestadt fließt. Die Großstadt an der Danziger Bucht mit knapp einer halben Million Einwohnern, wo noch in den 30er-Jahren die Bevölkerung aus 96 % Deutschen und nur 4 % Polen bestand, ist heute die Hauptstadt der Woiwodschaft Pommern, wie sich die obersten polnischen Verwaltungsbezirke nennen. Vor dem Hostel begrüßen wir die bereits am Tag zuvor angereiste, norddeutsche Kameradengruppe, gemeinsam schlendern wir über die Fressmeilen der historischen Innenstadt. Nach dem Mittagessen gönnen wir uns als Absacker ein Gläschen des bekannten Danziger Goldwassers, in dem angeblich echtes Blattgold schwimmt. Beim Flanieren durch die historische Innenstadt fallen vor allem die reichlich verzierten, bunten Giebelhäuser ins Auge. Bei genauerer Betrachtung sieht man allerdings, dass manche der oberen Stockwerke nur Fassaden sind, was daran liegt, dass die ursprünglichen Häuser entweder bei den britischen Bombenangriffen oder beim Einmarsch durch die Rote Armee in Brand gesteckt wurden. In der gesamten historischen Innenstadt gingen dadurch etwa 90 Prozent der Bausubstanz verloren. Beim Wiederaufbau wurden von manchen Häusern in den oberen Stockwerken nur die Fassaden wiederrichtet. An der Mottlau bestaunen wird das über 30 Meter hohe Krantor im Stil der Backsteingotik, das bekannteste Wahrzeichen der Stadt, das heute einen Teil des Nationalen Maritimen Museums beherbergt.

Zurück an unserem Hostel, das nicht nur den Charme einer rustikalen Hippie-Kommune hat, sondern dessen Betreiber auch in etwa den gleichen Arbeitseifer an den Tag legen, warten wir auf das Eintreffen der mitteldeutschen Kameradengruppe. Als wir schließlich bis auf einen, erst am späteren Abend anreisenden Wanderkameraden vollzählig sind, gehen wir zurück zur Mottlau, von wo aus wir mit einem „Piratenschiff“ in Richtung Westerplatte ablegen. Vor dieser Halbinsel am Hafenrand von Danzig, die auch unter polnischer Verwaltung ihren deutschen Namen behalten hat, gab das deutsche Linienschiff SMS Schleswig-Holstein am 1. September 1939 um 4.47 Uhr den ersten Schuss des Zweiten Weltkriegs ab. Wir befinden uns also auf historischem Kriegsgebiet. Die polnische Armee hatte 1924 vom Völkerbund den Zugang zur Westerplatte zugesprochen bekommen und errichtete dort ab 1933 ein illegales, befestigtes Verteidigungssystem mit mehreren Munitionslagern. Mit der britisch-französischen Garantieerklärung im Rücken, ordnete die polnische Regierung am 30. August 1939 die Generalmobilmachung an. Doch die Deutschen waren vorbereitet: Mit dem Beschuss eines Munitionslagers und dem darauffolgenden Angriff der Marinestoßtruppkompanie (MSK) begann mit dem Kampf um die Westerplatte die erste Schlacht des Polenfeldzuges, der sich im Folgenden zunächst zu einem europäischen und schließlich zum Weltkrieg ausweiten sollte. Die Kämpfe um die Westerplatte zogen sich länger hin als von deutscher Seite erwartet, doch nach sieben Tagen war die Westerplatte fest in deutscher Hand. Bei der Kapitulation salutierten deutsche Offiziere vor den abziehenden polnischen Soldaten. Heute befinden sich auf der Westerplatte mehrere polnische Denkmäler und Ehrengräber, auch die Ruinen der Munitionslager und Kasernen können besichtigt werden. Ein Wärter bemerkt unser Interesse an einer ausgestellten Panzerabwehrkanone und bittet uns scherzhaft in gebrochenem Deutsch, die Pak nicht zu demontieren. Danach händigt er uns ein historisches Gewehr aus, mit dem wir uns fotografieren lassen können.

Zurück in der Innenstadt, lassen wir den Abend in einem Restaurant ausklingen. Am Rathaus gibt sich ein Touristenfänger namens Oskar redlich Mühe, uns in seine „Titty-Bar“ zu locken, wirbt mit hübschen Frauen und gutem Wodka. Doch wir haben etwas anderes vor, schließlich wird am nächsten Tag unsere Wanderung beginnen…

Leseprobe aus der Ausgabe 16 der N.S. Heute –
Erscheint Mitte Juli 2019!

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