N.S. Heute, Leseprobe 3/3: „Strafsache gegen Kühnen und andere“ – Vor 40 Jahren fielen die Urteile im „Bückeburger Prozess“

Die Kühnen-Truppe bei ihrer "Eselsmasken-Aktion" 1978

Die Angeklagten wurden in der Systempresse als „Mafia der nationalen Nachgeburt“ verunglimpft, das Gerichtsverfahren als das „Stammheim der Rechten“ bezeichnet – in Anlehnung an den Prozess gegen Mitglieder der linksextremen „Roten Armee Fraktion“ in Stuttgart-Stammheim. Vor 40 Jahren wurden im „Bückeburger Werwolf-Prozess“ erstmals in der Geschichte der BRD Nationalisten als Mitglieder einer „terroristischen Vereinigung“ verurteilt.

Es ist Donnerstag, der 13. September 1979. In einem zum Gerichtssaal umfunktionierten Raum in der JVA Bückeburg spricht der vorsitzende Richter am Oberlandesgericht Celle, Helmut Moschüring, das Urteil in der „Strafsache gegen Kühnen und andere“. Fünf Angeklagte werden wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen oder kriminellen Vereinigung zu Freiheitsstrafen von sieben bis elf Jahren verurteilt. Der Hauptangeklagte und vermeintliche Rädelsführer der Gruppe, der ehemalige Bundeswehrleutnant Michael Kühnen, wird von jeglichen Vorwürfen der Beteiligung an terroristischen Aktivitäten freigesprochen, erhält jedoch eine vierjährige Haftstrafe wegen verschiedener Propagandadelikte.

Doch wer sind überhaupt die Angeklagten in diesem ersten „Rechtsterrorismus“-Prozess in der Geschichte der Bundesrepublik – und um welche Taten geht es?

Die Angeklagten

Michael Kühnen

Der 24-jährige Michael Kühnen, dessen Beruf in der 277 Seiten umfassenden Urteilsschrift des OLG Celle mit „Journalist“ angegeben wird, gilt als Führungsfigur in der jungen neo-nationalsozialistischen Bewegung der Bundesrepublik. Im November 1977 hatte er mit der Aktionsfront Nationaler Sozialisten (ANS) die erste bundesweit agierende Organisation in der BRD ins Leben gerufen, die von jungen, größtenteils nach Kriegsende geborenen Nationalsozialisten geführt wird.

Lothar Schulte

Lothar Schulte, Jahrgang 1955, ist ein vom Dienst suspendierter, ehemaliger Stabsunteroffizier der Bundeswehr. Er hatte sich vorübergehend der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN) angeschlossen und nahm Ende Oktober 1970 an der Gründung der „Aktion Widerstand“ in Würzburg teil.

Lutz „Butschie“ Wegener

Der jüngste Angeklagte ist der Fotokaufmann Lutz Wegener, Jahrgang 1957. Von 1974 bis 1977 war er JN-Mitglied. Wegener ist unter anderem wegen der Verwüstung der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Bergen-Belsen vorbestraft.

Uwe Rohwer

Der älteste der fünf Angeklagten ist Uwe Rohwer, Jahrgang 1937, von Beruf technischer Kaufmann und Vater von vier Kindern. Vor dem Prozess war er NPD-Kreisvorsitzender von Schleswig-Flensburg, bei der Wiking-Jugend war er zeitweise „Gauführer Nordmark“ und Bundeskassenführer. Auf seinem „Wiking-Hof“ in Doerpstedt (Schleswig-Holstein) hatte er nationalistisch gesinnte Jugendlager veranstaltet, bis der Hof 1976 durch einen kommunistischen Brandanschlag zerstört wurde.

Klaus-Dieter Puls

Klaus-Dieter-Puls, Jahrgang 1942, gelernter Schlosser und vor dem Prozess zuletzt als Staplerfahrer tätig, hatte bereits in der DDR jahrelang in Haft gegessen, unter anderem wegen „Staatsverleumdung“, „Republikflucht“ und wegen eines gescheiterten Ausbruchsversuches aus dem Gefängnis. Nach Verbüßung seiner Zeit in DDR-Gesinnungshaft wurde er in die BRD abgeschoben. Aufgrund seiner Erfahrungen mit dem „real existierenden Sozialismus“ fand er über seine antikommunistische Grundhaltung zum Nationalsozialismus.

Manfred Börm

Mit dem Hochbautechniker und Maurermeister Manfred Börm, Jahrgang 1950, schließt sich die Riege der Angeklagten. Börm, seinerzeit stellvertretender Gauführer der Wiking-Jugend, war durch seinen damaligen Freund Uwe Rohwer zu der Gruppe der Angeklagten hinzugestoßen.

Vorgeworfene Straftaten

Den Angeklagten wird vorgeworfen, als Teil einer „Wehrsportgruppe“ in den Jahren 1977-78 durch Überfälle auf Soldaten der Bundeswehr sowie in Deutschland stationierte NATO-Streitkräfte, einen Banküberfall und zwei Raubüberfälle auf Kölner Geschäftsleute eine terroristische Vereinigung gebildet zu haben. Der Straftatbestand der „Bildung terroristischer Vereinigungen“ (129a StGB) war erst zwei Jahre vor Prozessbeginn im Zuge der Bekämpfung der „Roten Armee Fraktion“ ins Strafgesetzbuch eingeführt worden. In der Literatur wird die Gruppe seither als „Wehrsportgruppe Rohwer“ oder – in Anlehnung an die Partisanen-Aktionen der Hitlerjugend bei Kriegsende – als „Wehrsportgruppe Werwolf“ bezeichnet, offiziell hat die Gruppe diese Namen jedoch nie verwendet.

Wir beschränken uns an dieser Stelle auf die Wiedergabe der aufsehenerregendsten Aktionen der Gruppe, wie sie nach den Erkenntnissen der späteren Beweisaufnahme stattgefunden haben:

Überfall auf die Bundeswehrkaserne in Wentorf

Am 22. November 1977, morgens 2 Uhr, dringen Lothar Schulte und Lutz Wegener durch ein offenstehendes Erdgeschossfenster in das Gebäude der Bismarck-Kaserne in Wentorf bei Hamburg ein. Schulte, der bis zu seiner Suspendierung in der Kaserne gedient hatte, ist mit den Geländeverhältnissen bestens vertraut. Durch einen Waschraum gelangen sie in das Zimmer des schlafenden „Unteroffiziers vom Dienst“. Schulte weckt ihn mit den Worten: „Junge, für dich ist jetzt der Ernstfall eingetreten.“ Unter Gewaltanwendung wird der verängstigte Soldat gezwungen, den Waffenschrank aufzuschließen und ein Schnellfeuergewehr G3 herauszugeben…

Leseprobe aus der Ausgabe 17 der N.S. Heute –
Ab sofort erhältlich!

Unterstützt unser nationales und sozialistisches Zeitschriften-Projekt mit der Bestellung eines Normal- oder Förder-Abonnements!

www.nsheute.com/abo

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*