Ein bis heute ungesühnter Mord: Vor 25 Jahren starb Joe Rowan

Joe Rowan (1. Oktober 1972 – 1. Oktober 1994)

Das us-amerikanische Rechtsrock-Label „Resistance Records“ organisierte am 30. September 1994 in Racine, südlich von Milwaukee, ein Gedenk-Konzert für den im Jahr zuvor bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommenen „Skrewdriver“-Sänger Ian Stuart. Im Anschluss an das Konzert wollte Joe Rowan, Sänger der Band „Nordic Thunder“ und Mitglied der „Hammerskin Nation“, mit seinen Freunden in einem Vorort von Milwaukee in seinen 22. Geburtstag hineinfeiern. Auf dem Weg zur Party hielten die Kumpels an einem Geschäft, um sich dort mit Bier und Lebensmitteln einzudecken. In dem Laden kam es zunächst zu einem verbalen Streit zwischen den Skins und einer Gruppe von drei Schwarzen. Einer der Schwarzen holte aus einem Auto eine Pistole und begann sofort damit, auf die sich noch im Geschäft befindlichen Skinheads zu schießen. Der Mechaniker und zweifache Familienvater Joe Rowan wurde an seinem 22. Geburtstag aus nächster Nähe getroffen und starb noch am Ort des Geschehens.

Die Polizei konnte wenig später den 19-jährigen Schwarzen Naseer Ghani verhaften, der von mehreren Skinheads einwandfrei als Schütze identifiziert wurde. Bezirksstaatsanwalt Robert Flancher erklärte damals: „Wir sind überzeugt, dass Mr. Ghani die Schüsse abgefeuert hat.“ Doch nach einer Intervention von Ghanis Rechtsanwalt Mark Richards wurde der dringend Tatverdächtige bereits nach drei Tagen wieder entlassen. Wie konnte das geschehen? – Ganz einfach: Richards hatte behauptet, die Festnahme seines Mandanten stütze sich „auf die unzuverlässigen Behauptungen von weißen, nationalistischen Zeugen, die sich den ersten schwarzen Mann rauspickten, den sie sahen“. Gegen Naseer Ghani wurde nie Anklage erhoben. – Jene Mechanismen, die wir aus leidiger Erfahrung mit der Justiz hierzulande nur zu gut kennen, sie funktionieren in den USA offenbar genauso.

Der Text entstammt der N.S. Heute-Ausgabe Nr. 15, in der wir neben Joe Rowan auch die Blutzeugen Robert Jay Mathews, Eric Banks, Daniel Wreitström, Manolis Kapelonis und Giorgos Fountoulis porträtiert haben.

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