Fanal vor der Feldherrnhalle – Heute vor 25 Jahren verbrannte sich Reinhold Elstner

Gedenken an Reinhold Elstner in der Feldherrnhalle (undatierter Netzfund)

Leseprobe 3/3 aus der aktuellen Ausgabe #20/21 der N.S. Heute – hier geht es zur Bestellung!

Die grausame Form der Selbstverbrennung als politisches Zeichen und verzweifeltes Fanal eines einzelnen, scheinbar Machtlosen gegen einen schier übermächtigen Unterdrückungsapparat begegnet uns in der jüngeren Geschichte immer wieder. Im Januar 1969 war es der Student Jan Palach, der sich aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings durch sowjetische Truppen auf dem Wenzelsplatz in der tschechischen Hauptstadt selbst anzündete und damit weitere Massendemonstrationen gegen die bolschewistischen Besatzer seines Heimatlandes auslöste. Nur wenige Wochen später folgte ein weiterer Student, Jan Zajic, dem Vorbild Palachs. Am 16. August 1976 wählte der protestantische Pastor Oskar Brüsewitz vor der Michaeliskirche in Zeitz den Flammentod, um gegen die Unterdrückung der Kirche in der DDR zu protestieren. Brüsewitz‘ Vorbild wiederum folgte 30 Jahre später, am 31. August 2006, der pensionierte lutherische Vikar Roland Weißelberg, der sich im Erfurter Augustinerkloster den Flammen übergab, um ein Zeichen gegen die Islamisierung Deutschlands und Europas zu setzen.

In der Tradition von Palach, Zajic, Brüsewitz und Weißelberg sah sich offenbar auch der ehemalige Wehrmachtsoldat und pensionierte Diplom-Chemiker Reinhold Elstner, als er sich am 25. April 1995 im Alter von 75 Jahren auf den Stufen der Münchener Feldherrnhalle mit Benzin übergoss und sich selbst anzündete. Mit seinem Flammentod wollte er ein Zeichen gegen die Beschmutzung des Andenkens seiner gefallenen Kameraden durch die lügnerische Anti-Wehrmachtsausstellung setzen.

Elstner war Sudentendeutscher mit zum Teil tschechischen Vorfahren. Während der Zeit des Dritten Reiches gehörte er weder der NSDAP noch irgendeiner anderen NS-Organisation an. Als Soldat der Deutschen Wehrmacht war er von Anfang an bis zum Ende des Krieges im Osten eingesetzt, wo er nach der „Stunde Null“ einige Jahre als Kriegsgefangener verbrachte. Nach seiner Freilassung studierte er und arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Diplom-Chemiker. Seine Ehefrau starb einige Jahre vor ihm, zusammen hatten sie einen Sohn. Wie das Monatsheft „Nation Europa“ seinerzeit berichtete, schätzten Kollegen und Nachbarn den lebhaften Rentner, der immer einen freundlichen Witz parat hatte, und der trotz seiner kritischen Sicht auf bestimmte zeitgenössische Entwicklungen niemals depressiv wirkte.

Sichtbares Zeichen der Besinnung

Doch wie es in seinem Inneren aussah, welche seelischen Kämpfe er mit sich selbst und dem Ungeist seiner Zeit ausfochte, das erkannten wohl weder seine Familie noch sein soziales Umfeld. Im April 1995 näherte sich der 50. Jahrestag der Kapitulation jener Deutschen Wehrmacht, der Elstner sechs Jahre lang selbst angehört hatte. Zeitgleich wurde in Hamburg eine Wanderausstellung eröffnet, die sich später als „Anti-Wehrmachtsausstellung“ einen zweifelhaften Namen machen sollte. Hauptinitiatoren dieser Lügen-Ausstellung waren der linksgestrickte Publizist und Spross einer Familie von Tabaksfabrikanten, Jan Philipp Reemtsma, sowie der linksextremistische Geschichtsfälscher Hannes Heer, der später für seine antideutsche Lügenschleuder sogar mit einer Medaille der „Internationalen Liga für Menschenrechte“ ausgezeichnet werden sollte. Dieser Ausstellung, die kein anderes Ziel hatte, als eine ganze Generation von tapferen, mutigen und anständig kämpfenden Wehrmachtsoldaten pauschal in den Dreck zu ziehen, wurden später sowohl von konservativen als auch von nationalen Historikern vielfache Fälschungen und Lügen nachgewiesen, was dazu führte, dass die Ausstellung sogar zeitweise gestoppt wurde, um zumindest die gröbsten und offensichtlichsten Fälschungen zu kaschieren.

Brandflecke, die Elstner hinterließ (wurden kurze Zeit später entfernt)

In diesem Klima des Hasses und der Verunglimpfung einer ganzen Generation deutscher Soldaten betrat Reinhold Elstner, der 75-jährige Veteran der Deutschen Wehrmacht, 50 Jahre nach Kriegsende, am 25. April 1995 um kurz nach 20 Uhr die Stufen der geschichtsträchtigen Feldherrnhalle auf dem Münchener Odeonsplatz, übergoss sich mit Benzin und setzte seinen Körper in Brand. Er erlag zwölf Stunden später, am frühen Morgen des 26. April 1995, in einem Münchener Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Elstner hinterließ einen Abschiedsbrief, der aufgrund der bekannten, prekären Lage der Meinungsfreiheit in diesem System nicht in voller Länge wiedergegeben werden darf. In diesem Brief, der als Aufruf zum politischen Aufwachen konzipiert ist, wendet sich Elstner an das „deutsche Volk in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz und in aller Welt“. Weiter heißt es: „50 Jahre unendlicher Verleumdung, hässlicher Dauerlüge, der Verteufelung eines ganzen Volkes sind genug!“ Anschließend erklärt Elstner die Motive seines Handelns: „Was nun im ‚Jubiläumsjahr‘ als Niagara-Lügenflut über unser Volk herniederstürzen wird, kann man nur ahnen. Mit meinen 75 Jahren kann ich nicht mehr viel tun, aber doch so viel, dass ich mit meinem Flammentode als Fanal ein sichtbares Zeichen der Besinnung setzen will. Und wenn auch nur ein Deutscher zur Besinnung kommt und den Weg zu Wahrheit findet, dann war mein Opfer nicht vergebens. Es blieb mir kein anderer Weg, nachdem in 50 Jahren alle Hoffnung zuschanden wurde, dass die menschliche Vernunft die Oberhand gewinnen wird.“ Der Abschiedsbrief Elstners endet mit einem Gedicht von Friedrich Schiller:

Festen Mut in schwerem Leiden,
Hilfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwornen Eiden,
Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen –
Brüder, gält es Gut und Blut, –
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!

Nachwirkungen und Gedenken

Mahnwache am 25. April 2019 (Quelle: Der III. Weg)

Als die Nachricht von der Selbstverbrennung die Runde machte, besuchten zahlreiche Bürger die Gedenkstätte vor der Feldherrnhalle, wo noch für einige Tage die Brandflecke auf dem Boden zu sehen waren, und legten Blumen und Kerzen nieder. Doch das öffentliche Gedenken an Reinhold Elstner war aus Sicht des Regimes genauso unerwünscht wie das Gedenken an Jan Palach oder Oskar Brüsewitz für die seinerzeit Mächtigen. Eines Abends, wenige Tage nach Elstners Tod, sammelte die Münchener Polizei an der Feldherrnhalle 15-20 Blumensträuße sowie zahlreiche Kerzen ein und entsorgte die Gedenkutensilien in einem mitgebrachten Müllcontainer. Bürger, die in den folgenden Tagen an der Todesstelle ihr stilles Gedenken abhalten wollten, mussten sich einer Personalienfeststellung unterziehen, erhielten Platzverweise und riskierten sogar, festgenommen zu werden.

Seit dem Jahr 2003 finden zum Jahrestag der Selbstverbrennung in München regelmäßig nationale Mahnwachen statt. Während die Versammlung im ersten Jahr noch direkt an der Feldherrnhalle stattfinden durfte, mussten die Kameraden in den folgenden Jahren mit anderen Plätzen in der Münchener Innenstadt vorliebnehmen. Obwohl es sich bei diesen Mahnwachen um eine stille Gedenkstunde ohne politische Redebeiträge handelt, rotten sich jedes Jahr auf’s Neue auch einige „Gegendemonstranten“ am Versammlungsort zusammen, mit dem Ziel, die Teilnehmer des Gedenkens durch antideutsche Sprechchöre provozieren zu wollen. Wahrscheinlich handelt es sich um verwirrte Geister aus genau jener Generation, die als Schüler durch den Lügenapparat der „Anti-Wehrmachtsausstellung“ geschleust wurden und in jugendlicher Naivität den antideutschen Geschichtslügen Glauben schenkten.

Reinhold Elstner war kein romantischer Schwärmer und kein empfindlicher Weichling, er stand jahrelang als Soldat der Deutschen Wehrmacht in den Stahlgewittern der Ostfront, er überlebte Krieg und Gefangenschaft, überstand Not und Entbehrung. Doch die beispiellose Verleumdung seiner Generation durch armselige Lügner war am Ende zu viel für ihn.

Sascha Krolzig

 

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