Liebe Leser und Freunde der deutschen Sache,
warum machen wir den 40. Jahrestag des Ereignisses, das als „Aufstand“, „Putsch“, „Spaltung“ oder „Fronde“ gegen Michael Kühnen bezeichnet wird, zum Leitthema dieser Ausgabe? Zunächst einmal ist das Interesse an der Person Michael Kühnen bei denjenigen, die sich mit der Geschichte des Nationalen Widerstandes befassen, bis heute ungebrochen; Kamerad Steiner nannte es das „Kühnen-Interesse-Phänomen“. Wenn sich alte Kämpfer der Bewegung, die zur damaligen Zeit schon aktiv waren, nach längerer Zeit wiedersehen, dann dauert es meistens nicht lange, bis in der Unterhaltung der Name Michael Kühnen fällt – meistens als Ausgangspunkt eines längeren Gesprächs über alte Zeiten.
Doch auch für viele „Nachgeborene“ sind diese wilden und durchaus auch gefährlichen Jahre der Bewegung heute noch von Interesse. Ich selbst war vielleicht 14 oder 15 Jahre alt, als ich begann, mir über das Internet jede Doku über Neonazis anzuschauen, die ich kriegen konnte. Dort stieß ich auf Namen wie Michael Kühnen, Friedhelm Busse, Christian Worch und Siegfried Borchardt – die beiden letztgenannten durfte ich schon kurze Zeit später persönlich kennenlernen. Ich las einige Schriften von Michael Kühnen und war begeistert: Dieser Mann drückte genau das aus, was ich instinktiv fühlte – und er formulierte auch komplizierte politische Sachverhalte so, dass ich sie auf Anhieb verstehen konnte.
Als ich kurze Zeit später, Anfang der 2000er-Jahre, selbst aktiv wurde und auch direkt begann, die ersten Reden auf Demonstrationen zu halten, gab es ein – im Nachhinein betrachtet – recht lustiges Ereignis, das mir vor Augen führte, wie sehr die Person Kühnen auch damals noch polarisierte: Ich beendete eine Rede auf einer Demonstration in Dortmund mit einem Zitat Michael Kühnens. Direkt kamen mehrere Kameraden auf mich zu und redeten auf mich ein, dass ich das doch nicht bringen könnte, hier einfach „den Kühnen“ zu zitieren! Ich verstand allerdings gar nicht, wo das Problem war. Wenig später erklärte mir Siggi Borchardt alles. Und dann verstand ich.
Aber warum nun ausgerechnet dieses Thema, der „Putsch“, die Beweggründe und seine Folgen? Schließlich ist es nicht gerade das angenehmste Kapitel in der Geschichte der Bewegung. Und dennoch muss es sein: Denn wenn wir unsere eigene Geschichte, die Geschichte des Nationalen Widerstandes, nicht aufschreiben, dann tun es nur unsere Gegner, und dann überlassen wir ihnen die Deutungshoheit. Dieses Kapitel soll zugleich eine Mahnung für die junge Generation von Aktivisten sein, dass wir es nie wieder so weit kommen lassen dürfen, dass Kameraden, die zuvor füreinander durchs Feuer gegangen waren, plötzlich vor der Situation standen, Mord an den eigenen Leuten zumindest in Erwägung gezogen zu haben.
Ist das Thema geeignet, Gräben, die seit 30 oder 40 Jahren zugeschüttet sind, wieder aufzureißen? Ich denke nicht. Wir decken in diesem Heft keine Geheimnisse auf, denn bereits seit dem Erscheinen der 1. Auflage von Bräuningers Kühnen-Biographie 2016 liegen alle Fakten für das interessierte Publikum auf dem Tisch. Auch die unterschiedlichen Sichtweisen der damaligen Protagonisten, die heute noch leben und weiterhin treu zur Sache stehen, sind bekannt. Es gab den „Putsch“, die „Spaltung“, den „Waffenstillstand“ und (nach Kühnens Tod) schließlich die „Versöhnung“ – auch wenn es bei manchen beinahe eineinhalb Jahrzehnte gedauert hat. Heute schlagen (fast) alle der Befragten versöhnliche und differenzierte Töne an. Unser Leitthema gehört mit dem Ablauf von 40 Jahren schon zum Bereich der Zeitgeschichte – und die Zeitzeugen sollen nun angehört werden.
Als direkte Zeitzeugen schreiben in diesem Heft: Christian Malcoci, Christian Worch, Gottfried Küssel, Jürgen Mosler, Thomas “Steiner” Wulff, Thorsten Heise, Eite Homan und Arndt-Heinz Marx.
