
Jeder sieht, dass bei der Abzahlung eines Kredites Zinsen für das geliehene Geld gezahlt werden müssen, aber auf der anderen Seite für Sparguthaben kaum Zinsen gutgeschrieben werden, der Gewinn der Banken eben.
Kaum jemand bemerkt aber, dass man bei jedem Kauf Zinsen zahlt, die im Kaufpreis eingerechnet sind, denn die Produkthersteller geben die Zinsen über die Preisberechnung an die Käufer weiter, die sie selbst zur Abzahlung von Maschinen und Ähnlichem zahlen, um ihre Geschäftstätigkeit zu finanzieren. Diesen Zinsgewinn der Banken, der die Preise erhöht, zahlen die Käufer.
Bei der Miete ist es genauso: Für den Kauf oder Bau von Häusern zur Vermietung werden Kredite aufgenommen, die Kreditzinsen werden in die Miethöhe eingerechnet, und der Mieter zahlt die Zinseinnahmen der Banken. Natürlich kann man einwenden, dass bedürftige Mieter Zuschüsse vom Staat erhalten, aber dann zahlen die Steuerzahler einen Teil der Zinseinnahmen der Banken.
Die Liste ließe sich unendlich weiterführen, denn überall wo Waren, Dienstleistungen oder überhaupt irgendetwas angeboten wird, ist die Herstellung und Bereitstellung mit Krediten finanziert und die Zinsen als Gewinne der Banken werden über die Preise an die Kunden – die Endverbraucher, wie das Volk heutzutage heißt – zur Zahlung weitergegeben.
Es geht noch schlimmer:
In den meisten Unternehmen wird die Herstellung und Bereitstellung von Waren und Dienstleitungen mit Krediten finanziert. Unternehmen kalkulieren ihre Preise, um ihre Kosten zu decken und einen Gewinn zu erzielen. Je höher die Zinszahlungen an die Banken sind, desto niedriger sind die Lohnzahlungen, sonst werden die Kosten zu hoch. Auch Gewerkschaften können daran nichts ändern, Zinsen sind Kosten und man muss ja wettbewerbsfähig sein.
Die niedrigen Löhne sind also auch Folge der Zinszahlungen.
Staatsschulden
Und wenn ihr jetzt meint, es geht nicht schlimmer und ihr seid genug ausgebeutet und ausgesaugt – natürlich geht‘s noch weiter, ihr habt ja noch ein paar Euros in der Tasche und die Banken haben noch nicht genug Gewinn gemacht.
Der Staat ist bei den Banken hoch verschuldet. Die Zinsen, die auf die Staatsverschuldung gezahlt werden, sind ein erheblicher Posten im Staatshaushalt. Aktuelle Berichte zeigen, dass die Zinsausgaben im Jahr 2025 voraussichtlich einen wesentlichen Teil der Staatsausgaben ausmachen werden, wobei etwa 39 Milliarden Euro pro Jahr allein für Zinsen an die Banken und Investoren gezahlt werden – und das sind nur die Zinszahlungen des Bundes an die Banken und Investoren, die Zinszahlungen der Länder, Städte und Gemeinden kommen mit etwa 10 Milliarden Euro dazu.
Diese knapp 50 Milliarden Euro Zinszahlungen an die Banken muss der Staat über Steuern wieder einnehmen und ihr steht in eurer Glanzrolle als Steuerzahler im Mittelpunkt:
Nachdem euch von euren niedrigen Löhnen die Lohnsteuer und andere Abgaben abgezogen wurden, überweist ihr die hohe Miete und kauft vom Rest des Geldes überteuerte Waren plus Mehrwertsteuer. Falls ihr euch noch einen Wagen leisten könnt, tankt ihr Sprit zu einem Preis, der zu über 60 % als Steuern und Abgaben an den Staat geht.
Euer schon beim Lohn versteuertes Geld wird mit der Mehrwertsteuer, Benzinsteuer und unzähligen anderen Steuern also wieder und wieder versteuert, bis kaum noch etwas übrigbleibt.
Zinseszinsen
Genauer gesagt wird Staatsverschuldung in Deutschland durch die Ausgabe von Schuldscheinen finanziert, auch Bundesanleihen genannt. Der Staat verkauft diese Anleihen an Banken und Investoren in der ganzen Welt und schuldet ihnen dann das geliehene Geld mit Zinsen.
Nur das geliehene Geld mit Zinsen? Nein, das wäre ja viel zu billig.
Ein Grund des riesigen Erfolgs der weltweiten Hochfinanz aus Banken, Investitionsfonds als Kapitalanlagegesellschaften und anderen Finanzgebilden, die nur die Anhäufung von unvorstellbaren Mengen von Geld und damit verbundene weltweite Machtausübung im Sinn haben, ist der Zinseszins.
Wenn Geld bei den Banken angelegt wird, kommen jährlich Zinsen dazu. Wenn die Zinsen nicht abgehoben und verbraucht, sondern stehengelassen werden, werden sie im darauffolgenden Jahr auch mit Zinsen belohnt, Zinsen auf die Zinsen, Zinseszinsen genannt. Dieser Effekt mag auf den ersten Blick lächerlich erscheinen, aber:
Die Zinseszinsformel stellt eine exponentielle Funktion mit immer stärkerem Anstieg dar. Stellt man diese Formel der Geldvermehrung als Graphik dar, ergibt sich eine Kurve, die anfangs kaum ansteigt, dann aber mit zunehmender Zeit extrem und fast senkrecht nach oben ansteigt.
Dies führt dazu, dass das Vermögen oder die Schulden mit der Zeit immer schneller wachsen, je länger die Anlage oder der Kredit läuft.
Dabei hat selbst Albert Einstein schon gesagt, dass „der Zinseszins die größte Erfindung menschlichen Denkens“ ist und: „Zinseszinsen sind das achte Weltwunder. Wer sie versteht, verdient sie. Wer sie nicht versteht, zahlt sie.“
Der Zinseszins-Effekt funktioniert im doppelten Sinne, zur Vermehrung des Vermögens der Hochfinanz, aber auch zur immer höheren Verschuldung der Menschen, Unternehmen und Staaten.
Ganze Staaten werden als zahlungsunfähige Schuldner von den Banken unter Druck gesetzt und werden gezwungen, politische Maßnahmen im Sinne der Banken durchzusetzen, um weiteren Zahlungsaufschub zu erhalten – nicht im Sinne des Volkes, sondern im Sinne der Hochfinanz.

Die Reichen werden immer reicher
Wissenschaftliche Berechnungen zeigen, dass große Investitionen auch bei durchwachsenem Erfolg in Kombination mit dem Zinseszinseffekt zu einer unbegrenzten Konzentration des Gesamtvermögens führen können. Das bedeutet, dass ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung nach längerer Zeit nahezu 100 % des Gesamtvermögens besitzt.
Aktuelle Studien zeigen, dass die reichsten 10 % der Weltbevölkerung etwa 82 % des gesamten Vermögens besitzen. Die reichsten 1 % halten sogar rund 46 % des weltweiten Vermögens. Gleichzeitig besitzt die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung nur etwa 1-2 % des weltweiten Vermögens.
Die Hilfsorganisation „Terre des hommes“ berichtete 2020 erstmals von 40 Millionen „Sklaven“, da Menschenhändler die Not der Menschen ausnutzen und sie zum Beispiel in Kredite mit unüblich hohen Zinsen verwickeln, die über Generationen abgezahlt und abgearbeitet werden müssen.
Unter den Ländern der Eurozone hat Deutschland die höchste Ungleichverteilung von Vermögen: Die reichsten 10 % der Haushalte besitzen etwa 60 % des gesamten Vermögens, während die ärmsten 20 % kein Vermögen besitzen. Etwa 9 % aller Haushalte sind sogar überschuldet.
„Ihr Geld ist nicht weg, mein Freund, es hat nur ein anderer.“
Zitat von Mayer Amschel Rothschild (1744 – 1812), Gründer des Bankhauses Rothschild.

Marxismus auf Irrwegen
Marx war nicht imstande, die Ursachen für Ausbeutung und Krisen im Geldumlauf mit Zinsen und Zinseszinsen aufzudecken, in jenem Bereich also, den Marx für zweitrangig hielt, der jedoch den Bereich der Produktion der modernen Volkswirtschaft immer mehr durchdringt, überwuchert und beherrscht. Marx erkannte das nicht und zählte Zinsen nur zum Mehrwert bei der Produktion, ein fataler Fehler.
Es nutzt nichts, Unternehmen und Produktionsmittel zu verstaatlichen, aber die weltweiten kapitalistischen Banken weiter in Anspruch zu nehmen und monatlich Millionen Dollar Zinsen und Zinseszinsen an die Hochfinanz zu zahlen. Das war eine wesentliche Ursache für den wirtschaftlichen Zusammenbruch der Sowjetunion und des gesamten Ostblocks.
Diese marxistische Vorgehensweise erzeugt einen doppelten negativen Effekt: Durch die Verstaatlichung der Unternehmen fehlt jeder Anreiz für erfolgreiches Wirtschaften im Wettbewerb, durch die Abhängigkeit von der Hochfinanz werden auch kleine wirtschaftliche Erfolge durch Zinsen und Zinseszinsen zunichtegemacht.
Die gesamte marxistische Gedankenwelt richtet sich gegen das Industriekapital und nicht gegen das Leihkapital, erkennt damit nicht den wesentlichen Unterschied zwischen dem gütererzeugenden, industriellen Betriebskapital und dem unschöpferischen, leistungslosen und um ein Vielfaches mächtigeren Leihkapital, sodass der Marxismus nicht das zentrale Problem des Zinses antastet.
Die Lösung
Sicher ist es kaum möglich, auf die weltweite Hochfinanz Einfluss zu nehmen, aber man kann sich davon unabhängig machen und regional abgeschlossene Geldumläufe schaffen, wo Zinsen und Zinseszinsen abgeschafft sind. Carl Schmitts Vorstellungen einer multipolaren Welt helfen auch gegen die Weltherrschaft der Hochfinanz.
Natürlich muss man auch hier für vergebene Kredite Bearbeitungsgebühren und die Kosten für die Versicherung eines möglichen Kreditausfalls berechnen, das sind aber überschaubare Kosten und nicht ins Unermessliche steigende Zinsen und Zinseszinsen.
Das ist die Lösung, die Befreiung aus der Zins-Sklaverei. Das Geld muss dem Volk dienen und nicht umgekehrt, denn ohne eine Befreiung aus der Zins-Sklaverei ist keine wesentliche soziale Verbesserung zu erwarten. Jede gut gemeinte Reform, gleichgültig aus welcher politischen Richtung sie kommt, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht in den Mittelpunkt ihres Wollens ein menschengerechtes Geldsystem stellt.
Auch praktisch hat sich diese Lösung in der Zeit der Nullzinspolitik in der Realität bewährt.
In den meisten Industriestaaten haben in den 2010er-Jahren die Notenbanken, auch die Europäische Zentralbank, die Zinsen faktisch auf null gesetzt, um die Wirtschaftsflaute zu bekämpfen, eine seltene Finanzmaßnahme.
Die Wirtschaft in der Zeit der Nullzinsen florierte, die Bauaktivitäten boomten. Doch mit den wieder steigenden Zinsen stiegen die Kosten, und die Bautätigkeit und Investitionen der Wirtschaft brachen ein. Hier sehen wir, dass die Einwände der Gegner der Abschaffung der Zinsen sogar im weltweiten kapitalistischen Kontext vollkommen haltlos sind und auch ohne Zinsen Kredite vergeben und genutzt werden.
Das Märchen vom Reichen, der sein Vermögen ohne Zinsen in seinem Tresor eingeschlossen lässt und nicht investiert, ist eben nur ein Märchen.
Erstveröffentlichung in Nationaler Sozialismus Heute #49

Mit dem kommenden Digitalen Zentralbankgeld könnte man ganz leicht ein Schwundgeld verwirklichen. Eine Welt ohne Zinsen wäre die Folge.
Aber da ich ja weiß,dass auf der Welt die internationale Hochfinanz das Sagen hat, bin ich mir sicher, dass es nicht so weit kommen wird.