Bekannte “Sprachfehler” – Über die Feinheiten der deutschen Sprache (Teil 1)

von Gastautor Christian Holz

1. Explosion oder Detonation?

In den Nachrichten hört man oft die Meldung „Da und da gab‘s eine Explosion. Die Bombe detonierte…“ Der fachkundige Hörer fragt sich: „Was jetzt, Explosion oder Detonation?“, denn das ist nämlich nicht dasselbe: In einer Explosion breitet sich die Druckwelle mit einer Geschwindigkeit bis 5.000 m/s aus, Detonation darüber. Auf die genaue Unterscheidung der Begriffe Wert zu legen, kann man Haarspalterei nennen, ist es aber nicht, denn wer mit Explosivstoffen vertraut ist, und das sind wegen der Bundeswehr einige, hat anhand der Begriffe sofort eine Vorstellung vom Schadensausmaß. Deshalb sollte man die Begriffe Explosion und Detonation nicht in ein und demselben Ereignis verwenden.

2. Der Quantensprung

Beim Eigenlob wegen eines Gesetzes oder bei Vermeldung eines Forschungserfolgs gebrauchen die Politiker oft oder immer die Formel: „Ein Quantensprung in der Entwicklung von…“ Das ist aber falsch, denn ein Quantensprung ist ALLES, nur kein großer Entwicklungsschritt, obwohl man das aus den Wörtern Quantum/Menge und Sprung/große Fortbewegung ableiten könnte. Ein Quantensprung nämlich ist die Energiedifferenz zwischen einem beschleunigten und einem unbeschleunigten Elektron und also kein großer Entwicklungsschritt.

3. Die Adjektive mit der Endung bar/fähig

Mitunter hört man die Formulierung „Dieses Problem ist denkfähig,“ was jedoch Unsinn ist, denn ein Problem kann schließlich nicht eigenständig denken. Das Eintreten einer bestimmten Lage kann man sich vorstellen, deshalb ist ein Problem denk-BAR, aber nicht denk-FÄHIG. Dasselbe zum Beispiel mit recyclingfähig, streichfähig und zurechnungsfähig, denn der Abfall kann sich nicht selbst recyceln, die Butter kann sich nicht selbst verstreichen, und wer so sehr gestört ist, dass man ihm wegen seiner Taten gar nicht gram sein kann, weil er nicht weiß, was er tut, ist nicht zurechen-BAR, denn er kann nicht zur Gruppe der verantwortend handelnden Menschen gezählt werden, aber nicht nicht zurechnungs-FÄHIG. „Nicht zurechnungsfähig“ ist nämlich jemand, der nicht weiß, dass zum Beispiel 1+1 = 2 ergibt. Also Obacht bei Verwendung der Adjektive mit der Endung bar/fähig!

4. Sich zu entschuldigen ist unmöglich

X-mal am Tag kommt uns die Erklärung „Ich entschuldige mich“ oder „Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten“ unter, ob als direkter Adressat oder als Zeuge eines mitbekommenen Dialogs, doch sich selbst zu entschuldigen ist unmöglich. Den Menschen, dem wir Unrecht taten, können wir lediglich um Entschuldigung BITTEN, und zwar zum Beispiel mit den Formeln „Entschuldige bitte, das hätte ich nicht tun dürfen“ oder „Ich muss Sie bitten, mich zu entschuldigen“ und dann in Gedanken inständig flehen, von unserem Gegenüber auch tatsächlich großzügig und nachsichtig entschuldigt zu werden, aber sich selbst von begangener Schuld zu entlasten ist ausgeschlossen, denn uns von unserer Tat entschuldigen können nur die Leidtragenden unserer Tat selbst.

5. Sich zu bedanken ist widersinnig

Die Verben mit der Vorsilbe „be“ drücken aus, dass jemand mit etwas versehen oder überschüttet und überhäuft wird, und zwar zum Beispiel belasten, beschenken, begießen oder besudeln. Wer jetzt aber sagt: „Ich bedanke mich,“ um damit jemandem seine Dankbarkeit für einen erhaltenen Dienst oder einen erhaltenen Gegenstand auszudrücken, „überhäuft“ sich ja nun selber mit dem Dank, den er eigentlich ja jemand anderem spenden will. Auch um zu vermitteln, dass ich mich um einen handlungsunfähigen Menschen kümmere, sage ich ja nicht: „Ich betreue MICH“ sondern „Ich betreue IHN,“ weil ich meine Fürsorge ja nicht mir, sondern einem anderen zuteilwerden lasse. Sich zu bedanken ist deshalb also widersinnig.

6. Das Auswärtige Amt

In jeder dritten Nachrichtensendung ist vom Auswärtigen Amt die Rede. Gemeint ist damit das Ministerium, das die Kontakte mit dem Ausland koordiniert. Anstatt aber zum Beispiel das „Amt für Auswärtiges“ zu formulieren, weil man ja niemanden mit Bandwurmbezeichnungen wie „Amt für die Beziehungen mit dem Ausland“ oder „Amt für Auslandskontakte“ belasten will, erdenkt sich unsere Journaille wie so oft Widersinn wie eben „Auswärtiges Amt.“ Ein Auswärtiges Amt ist aber für mich die Führerscheinstelle in Grasbrunn, einer 6851-Einwohner-Kleinstadt südöstlich Münchens.

7. Die Wahlperiode

Eine Periode ist eine regelmäßige Wiederkehr, kein Zeitabschnitt: Oft liest man ja „In dieser Periode der Geschichte…“ Auch beim periodischen Bruch in der Mathematik kehrt dieselbe Ziffernfolge immer wieder. Daher periodischer Bruch. Grottenfalsch ist deshalb die laufend zu vernehmende Wortschöpfung „Wahlperiode“. Besonders die Journaille will damit den Zeitabschnitt, für den ein Abgeordneter oder das gesamte Parlament gewählt wurde, bezeichnen. „Zeitabschnitt“ ist aber nicht die Bedeutung des Worts Periode. Mein Vorschlag daher: „Wahldauer“ oder „Amtsdauer.“ Und für die Historiker: „In diesem Abschnitt der Geschichte…“  Und die Menstruation nennt frau ja auch deshalb „Periode,“ weil es sich dabei um eine regelmäßige Wiederkehr handelt.

Mehr bekannte „Sprachfehler“ demnächst im zweiten Teil.

Schreibe einen Kommentar