Neuerscheinungen aus der Feder des III. Weges sind im Prinzip immer lesenswert. Sei es aufgrund des kämpferischen und temperamentvollen Schreibstils, der originellen Themenauswahl – oder weil man sich über den Inhalt so herrlich aufregen kann. Auch „Nationalismus & Ökonomie“ bietet von allem ein bisschen. Die beiden Autoren, die im Buch jeweils mit einer eigenen Abhandlung vertreten sind, haben beim III. Weg bereits früher Werke publiziert: Heinrich Wolf ist dem geneigten Leser durch die Kampfschrift „Wie weiter? Kritik und Doktrin des organisierten Nationalismus“ (2. Aufl. 2021) bekannt, und Michael Mittel steuerte zur nationalrevolutionären Schriftenreihe einen schmalen Band zum Thema „Fußball & Nationalismus“ (2022) bei.
Das Vorwort beginnt mit der These, dass im Prinzip alles, was die deutsche Rechte nach 1945 zum Ökologie-Thema gebracht hat, unzureichend ist und deshalb unbedingt nachgebessert werden muss – das Narrativ der chronischen Erfolg- und Einfallslosigkeit der deutschen Nachkriegsrechten und dem daraus resultierenden dringenden nationalrevolutionären Nachbesserungsbedarf kennt man ja von den Büchern mit grünem Umschlag. Allerdings wird man, so die Einleitung, auch im vorliegenden Buch kein ökologisches Konzept oder Anleitung zum Aktivismus finden, sondern ein weltanschauliches Fundament; das Buch soll Grundlagenwerk, Standortbestimmung und Diskussionsgrundlage in einem sein.
Den Anfang macht Heinrich Wolf mit seiner Schrift „Der Mensch in der Natur“. Zunächst wird festgestellt, dass der Natur in unserer nationalistischen Weltanschauung ein Eigenwert zukommt, der unabhängig von jeglicher Verwertbarkeit oder der Frage eines Nutzens ist, zudem hat die Natur bei uns auch einen kulturellen Wert. Der Begriff „Ökologie“ umfasst nicht nur die Wechselbeziehungen von Pflanzen und Tieren, sondern auch des Einzelnen zu seinem Volk und des Volkes zu seinem Lebensraum. Nationalismus wiederum ist die politische Übertragung des biologischen Weltbildes, und Ökologie die wissenschaftliche Erforschung dessen. So stehen Natur, Ökologie, Volk und Nationalismus also in Wechselbeziehungen.
Wolf geht der Frage nach, wie soziale Gerechtigkeit und ökologische Gerechtigkeit in Einklang zu bringen sind. Die Kernthese lautet, dass wir kein weiteres Wachstum brauchen, sondern eine qualitative Steigerung des Bestehenden und deshalb die kapitalistische Verwertungslogik bekämpfen. Ein weiteres Kapitel behandelt den ökologischen Gedanken der deutschen „Rechten“ von der Epoche der Romantik über frühe völkische Bewegungen, die Zeit des Nationalsozialismus und rechten Gruppen nach 1945. – In dieser Darstellung wäre übrigens das Magazin „Umwelt & Aktiv“ eine Erwähnung wert gewesen, die von 2007 bis 2019 vierteljährlich erschien, sowie das Nachfolgeprojekt „Die Kehre“, die seit 2020 erscheint und es seitdem auf 23 Ausgaben gebracht hat; schließlich haben sich beide Magazine ihre Verdienste in der rechten ökologischen Theoriearbeit erworben.
Richtig ist allerdings Wolfs Feststellung, dass es heute in Deutschland keine aktive rechte Ökologiegruppe gibt. Es gab zur Zeit der Autonomen Nationalisten in den 2000er-Jahren einige Versuche, das Thema aus nationaler Sicht aufzugreifen, sowie in den 2010er-Jahren das kurzlebige Projekt „Greenline Front Deutschland“. Ansonsten beschränkte sich die Bewegung im Wesentlichen auf einzelne Aspekte des Tierschutzes, beispielsweise indem man Zirkusbetreibern mit Flyer-Aktionen auf die Nerven ging.

Grundlagen der neuen Ordnung
Die zweite Schrift „Deutscher Sozialismus – Ein neues System, das Ökonomie und Ökologie in Einklang bringt“ ist in weiten Teilen eine Darstellung der globalen Umweltprobleme, in den Kapiteln 10 und 11 geht es dann schließlich um Lösungsansätze aus nationaler Sicht. Michael Mittel beschreibt den systemimmanenten Wachstumszwang als Grundübel des Kapitalismus, weshalb nun ein ökonomischer Rückbau vorgenommen werden muss. Ein Hauptproblem der Globalisierung wiederum ist es, dass durch sie fatale, globale ökologische Krisen entstehen, die zum Teil gar nicht mehr auf nationaler Ebene gelöst werden können. Neben Ausführungen zum Energiebedarf, der Abfallproblematik und dem Bevölkerungswachstum wird mit Spekulationen über die Möglichkeit einer Weltraumkolonisation auch ein eher abseitiges Thema behandelt.
Für theorieinteressierte Praktiker, die sich lieber mit Lösungsvorschlägen als mit den Problemen beschäftigen, werden die „Grundlagen der neuen Ordnung“ aus nationalrevolutionärer Sicht skizziert, von denen einige hier im Überblick dargestellt werden sollen:
- Leben in kleineren Gemeinschaften: Ballungsräume müssen schrumpfen, dafür soll der ländliche Raum wiederbelebt werden; es braucht die kleineren Gemeinschaften, in denen die Menschen einen Bezug zueinander haben.
- Raumgebundene Volkswirtschaft als Gegenstück zur globalisierten Wirtschaft: Nahezu alle Bedarfsgüter sollen im eigenen Land hergestellt werden; Verstaatlichung von Schlüsselindustrien und Betriebe der allgemeinen Daseinsvorsorge.
- Als weiterer wichtiger Baustein wird eine Art künstlicher Verknappung des Angebots ins Spiel gebracht, wodurch sich die Konsummöglichkeiten reduzieren (es wird allerdings nicht näher ausgeführt, was genau verknappt werden soll).
- Pro Atomenergie, Kernfusionsreaktoren und Wasserstoffforschung.

Streitbare Positionen zum „Klimaschutz“
Nun kommen in den beiden Texten allerdings auch einige Positionen vor, die man in einem nationalistischen Buch eher nicht erwarten würde und beim Schreiber dieser Zeilen Stirnrunzeln hervorgerufen haben. Laut Heinrich Wolf sei der individuelle Tourismus unökologisch und würde deshalb einmal mit der Frage nach Beschränkungen konfrontiert werden – ist die Reisefreiheit im nationalrevolutionären Deutschland also bald passé? Zudem wird die Frage aufgeworfen, ob es überhaupt rechtmäßig sei, dass Privatpersonen Eigentum an Wäldern und Feldern innehaben dürften, mit der Behauptung, Wälder könnten dadurch beliebig abgeholzt und Wiesen zu Bauland umdeklariert und versiegelt werden. Das ist allerdings falsch, denn auch nach den heutigen Gesetzen unterliegt die Umwandlung von Wald und landwirtschaftlichen Flächen strengen Regeln und bedarf einer behördlichen Genehmigung.
Wolf will zudem Parkplätze, die in Großstädten ohnehin viel zu wenig vorhanden sind, in Grünflächen umwandeln, und auch sonst schimmert immer wieder eine Abneigung gegen das Auto als Mittel des verdammungswürdigen „Individualverkehrs“ durch, stattdessen solle das Volk besser öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Solche Positionen findet man sonst nur auf der politischen Linken mit ihrem Narrativ vom „menschengemachten Klimawandel“. Auch wenn die beiden Autoren dem linken Klima-Fanatismus eine Absage erteilen, wird an mehreren Stellen immer wieder mit dem vermeintlichen „Klimaschutz“ argumentiert. Michael Mittel versteigt sich sogar zu der Aussage, außerhalb der „rechten“ Filterblase werde der menschengemachte Klimawandel überall als wissenschaftlicher Fakt angesehen – allerdings gibt es in der heutigen Zeit kein einziges Thema, das in der Wissenschaft dermaßen umstritten ist, und überall auf der Welt widersprechen namhafte Forscher und Wissenschaftler dem „menschengemachten Klimawandel“, ohne dabei irgendwelche politischen Ziele zu verfolgen.
Insgesamt ist „Nationalismus & Ökologie“ ein durchaus interessantes und streitbares Buch mit guten weltanschaulichen Grundlagen, aber auch einigen steilen Thesen, die zum Widerspruch hervorrufen und zurecht nicht die Mehrheitsmeinung im nationalen Lager darstellen.
Erstveröffentlichung in N.S. Heute #51
