
In den heutigen Tagen, wo Begriffe wie „Demokratie“, „Menschenrechte“ und „Meinungsvielfalt“ wie Monstranzen vor jedem politischen Diskurs hergetragen werden, scheint die Wirklichkeit hinter diesen Worten zunehmend in sich zusammenzufallen. Wir erleben gerade eine Zeit, in der sich die eigene Wahrnehmung zur öffentlichen Weltanschauung und den benutzten Begriffen in einem Trugbild hervortut. Nicht dass diese Erkenntnis für uns neu wäre – aber der öffentliche Bewusstseinszustand unterzieht sich gegenwärtig einem Wandel, der verlauten lässt: Wir durchschauen langsam dieses verzerrte Spiegelbild der Wahrheit.
Wenn wir auf die heutige gesellschaftliche Debatte blicken, gleicht der Diskurs einem Spiegelkabinett, in dem nichts mehr so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Es sind oft die einfachsten Bilder, die am präzisesten beschreiben, was in der heutigen Gesellschaft aus dem Lot geraten ist. Nehmen wir einmal einen imaginären Spiegel zur Hand: Er zeigt nichts Neues, und doch verändert er alles. Je nach Winkel wirkt ein Gegenstand breiter oder schmaler, näher oder ferner, heller oder dunkler. Wer den Spiegel hält, kann die Wahrnehmung lenken – ohne die Wirklichkeit wirklich zu ändern. So ähnlich funktioniert heute ein Teil der politischen und medialen Debatte: Begriffe, die eigentlich Orientierung geben sollten, werden zu Reflexflächen, auf denen sich Macht über Deutung organisiert. Was „weiß“ ist, erscheint plötzlich „grau“. Was „schwarz“ ist, wird zum „dunklen Weiß“ erklärt. Schwarz ist nicht mehr schwarz, Weiß ist nicht mehr weiß, und die Farben dazwischen wurden längst durch den Schleier ideologischer Gleichsetzungen ersetzt. Die Wirklichkeit und deren Wahrnehmung unterlagen in diesen Veränderungen keinem natürlichen Wandel, es waren die Maßstäbe, die vom links-grünen Meinungsbündnis (Politik, Medien, „wehrhafte“ Zivilgesellschaft) verschoben wurden.
Die wohl erstaunlichste, aber auch bedrückendste Beobachtung unserer Tage ist das Paradoxon der Toleranz: Jene Kreise, die am lautesten für Offenheit, Diversität und den Schutz der demokratischen Grundwerte eintreten, sind gleichzeitig diejenigen, die den kleinsten Spielraum für abweichende Gedanken zulassen. Toleranz, so scheint es, gilt nur unter Vorbehalt: solange sie nicht tatsächlich divers oder pluralistisch wird, sondern die Vorgaben des Meinungsbündnisses in eine definierte Diskursrichtung bestätigt. Wir erleben eine seltsame Umkehrung der Verhältnisse. Wer heute das Wort „Vielfalt“ am stärksten im Munde führt, meint meist nur die Vielfalt der eigenen, bereits etablierten Überzeugungen. Diejenigen, die abweichen, werden nicht mehr als Teil eines normalen demokratischen Handelns betrachtet, sondern als Störfaktor – ein Risiko, das zur Verunreinigung der Debatte führt.
Nicht selten gefallen sich die Prediger der Vielfalt in kaum zu steigernder Einfalt. Sie treten für das Recht auf Andersartigkeit ein, bekämpfen aber jede von ihrer Ideologie abweichende Idee. Kaum jemand gebärdet sich so dogmatisch wie die Kämpfer der absoluten Offenheit. Nur wenige haben bei der Verunglimpfung politischer Gegner weniger Hemmungen zu unterdrücken als gerade jene, die vorgeben, sich für die Würde eines jeden Menschen einzusetzen. – Aus: Lothar Fritze – Kulturkampf
Echte Meinungsvielfalt – das Aufeinandertreffen widerstreitender, substanziell konservativer oder rechter Positionen – wird dementsprechend als Störung des „demokratischen“ Friedens empfunden, als ein „Nicht-Schwarz-oder-Weiß“-Moment, der die selbst geschaffene Ordnung bedroht. Diese erzeugte Meinungseinseitigkeit führt zu einer beispiellosen Blockade. Der Diskurs ist nicht mehr möglich, weil der Wortklang von seiner natürlichen Bedeutung entfremdet wurde. Das Ergebnis ist eine Denk- und Sprachverengung, die sich selbst für weltoffen hält, und ein Diskurs, der nicht mehr durch Argumentation gewonnen wird. Dieser wird nun durch ideologische Filter geregelt, die vorab aussieben, wer zur Debatte zugelassen wird, und wessen Worte bereits als unzumutbar vorverurteilt werden.
Wer „progressiv“ ist, gilt als gut. Wer „konservativ“ ist, muss sich erst rechtfertigen. Und wer als „rechts“ markiert wird, steht unter Ablehnungshaltung im fortwährenden Generalverdacht – unabhängig davon, ob er rechtsstaatlich argumentiert, ob er friedlich bleibt, ob er schlicht eine andere Gewichtung von Ordnung, Tradition, Nation, Familie oder Verantwortung vertritt. Diese erzeugten Blockaden haben schon lange ihre politische Verwendung verlassen, sie sind in unserem Alltag angekommen: am Arbeitsplatz, in Vereinen, in Familien. Die Menschen lernten, all das links-grüne Meinungsgeschwätz zu schlucken – Themen werden gemieden und Fragen nicht mehr gestellt, denn wer die falschen Worte wählt, riskiert den sozialen Preis. Und so wird aus der stetig proklamierten Meinungsfreiheit eine verwaltete Freiheit: formal, eingeschränkt und stigmatisiert. Man wird nicht widerlegt, man wird geächtet. Die Mechanismen der sozialen Ausgrenzung wirken wie eine unsichtbare Mauer, die den geistigen Austausch in der Mitte der Gesellschaft auf ein Minimum reduziert haben. „Rechtsextrem“, „Klimaleugner“, „Menschenfeind“ – „undemokratisch“; wer kennt sie nicht, all diese Totschlagargumente, um die Debatte zu beenden, statt diese zu führen.
Die Konsequenz dieser Verengung ist fatal für ein echtes demokratisches Gefüge. Denn wirkliche Demokratie und Meinungsvielfalt definiert sich nicht durch die Abwesenheit von Konflikten oder durch eine erzwungene Konsenskultur, sondern durch das Streitgespräch um die beste Lösung für das Gemeinwohl. Doch wenn eine Seite von vornherein als moralisch delegitimiert markiert und damit ausgeschlossen wird, bricht die Statik der Demokratie zusammen. Wer den politischen Gegner entmenschlicht, statt ihn als legitimen Mitstreiter um die Wahrheit zu betrachten, beraubt sich selbst des demokratischen Gleichgewichts, welches jede freie Gesellschaft benötigt. Besonders perfide ist hierbei die Rolle der „Gerechten“. Diese selbsternannten Hüter der Menschenrechte, die Verteidiger „unserer“ Demokratie, die ihren Heiligenschein mit einer Selbstverständlichkeit tragen, der schon lange in Selbstgefälligkeit übergegangen ist, und ihnen gänzlich den Blick für die eigenen Geistesverzerrungen nicht mehr ermöglicht. Sie sehen in der Rechten ein Feindbild, das sie ständig neu konstruieren müssen, um ihre eigene moralische Überlegenheit zu zementieren. Doch die Wirklichkeit ist hartnäckig. Je mehr diese Gruppen versuchen, die Realität durch eine einseitige Sichtweise zu filtern, desto größer wird der Widerspruch zwischen der offiziellen Erzählung und den gelebten Erfahrungen der Bürger. Man kann die Wahrheit eine Zeitlang zudecken, man kann sie brandmarken oder gar – wie die jüngsten, erschütternden Entwicklungen im gesellschaftlichen Klima zeigen – physisch bekämpfen, aber man kann sie nicht dauerhaft auslöschen.
Die zu Boden getretene Wahrheit bleibt immer noch die Wahrheit. Sie wird wie ein Samenkorn wieder auferstehen. – Jefferson Finis Davis, erster und einziger Präsident der Konföderierten Staaten von Amerika
Was wir derzeit erleben, ist der stetig wachsende Vertrauensverlust in all diese Institutionen und Sprachrohre des links-grünen Meinungsbündnisses, das uns über Jahre hinweg erzählt hat, die Welt sei nur in seinem Sinne zu interpretieren. Doch der „Heiligenschein der Gerechten“ beginnt zu verblassen, weil er den eigenen Glanz der Wahrhaftigkeit verloren hat. Das Ergebnis wurde ein wachsendes Unbehagen in der Bevölkerung – ein Gefühl, dass die Dinge „nicht stimmen“, dass diese Erzählungen das Leben, die Heimat und die versprochenen Freiheiten nicht mehr abbilden.
Wir können derzeit beobachten, dass sich eine Lücke öffnet – ein Riss in der glatten Fassade der ideologischen Einheitsfront, und diese Lücke ist kein Zufall. Sie ist das Produkt einer beharrlichen, kulturellen Rückeroberung. Freigeschlagen durch ein modernes Netzwerk, dass dem Meinungsbündnis aus der Kontrolle entglitten ist. Alternative Medien, eine zeitgemäße Generation von Aktivisten und mutige Kulturschaffende haben das Monopol auf die Deutung der Welt längst aufgebrochen. Benedikt Kaiser beschreibt dies in seinem aktuellen Buch „Der Hegemonie entgegen“ treffend als eine notwendige Alltagsaufgabe: Es geht um die kleinteilige, aber unermüdliche Arbeit des Meinungsstreits, die in der Welt – digital und real – täglich neu geleistet werden muss. Wer dieses Wagnis des offenen Kulturkampfs annimmt, der leistet unerbittlichen Widerstand gegen diese geistige links-grüne Einöde. Diese Praxis – das aktive und beharrliche Verbreiten lebensechter, konservativer und rechter Perspektiven – hat diese Lücke in der Ideologie-Fassade ermöglicht und sie zu dem gemacht, was sie heute ist: ein reales Einfallstor für die Wahrheit.
Essenzielle Wahrheiten, die lange als rückwärtsgewandt oder gar als gefährlich verschrien waren, drängen wieder an die Oberfläche. Konservative Betrachtungen und „rechte“ Sichtweisen sind keineswegs Relikte einer vergangenen Zeit, sie sind das notwendige Fundament, auf dem jede stabile Gesellschaft fußt. Familie, Volk und Vaterland fordern eine ganzheitliche Eigenverantwortung, die Anerkennung biologischer und historischer Wirklichkeiten, den Schutz der eigenen kulturellen Identität und eine realistische Einschätzung dessen, was eine funktionierende Ordnung ausmacht. Politische Positionen und Haltungen, die im links-grünen Meinungsbündnis einen reflexartigen Würgereiz hervorrufen, kehren in den aktuellen Diskurs zurück und werden salonfähig. In intellektuellen Kreisen würde man sagen: „Der gegenwärtig geführte Kulturkampf versetzt der linken Hegemonie den Dolchstoß!“
Die „rechte“ Lebensphilosophie erweckt in vielen Menschen ein tiefes Vertrauen in gewachsene Strukturen (Umgangsformen, Sitte und Recht), sie fördert den Respekt für die eigenen Traditionen und wirft einen nüchternen Blick auf die Natur des Menschen. Der Spiegel zeigt nun nicht mehr, was sein soll, sondern etwas, dass das links-grüne Meinungsbündnis beruhigt – er zeigt wieder das, was wirklich sein kann. Weiß wird langsam wieder weiß und schwarz wird langsam wieder schwarz – mit dem „rechten“ Blickwinkel haben wir die Wirklichkeit wieder vor Augen.
Der Weg durch diese Lücke ist jedoch noch lang und steinig. Er erfordert weiterhin Mut, denn er bedeutet, den öffentlichen Vorwurf des Außenseiters auszuhalten. Er erfordert vor allem eine Klarheit, die sich nicht von den Spiegelungen derer täuschen lässt, die „Toleranz und Vielfalt“ nur fordern, solange sie ihnen selbst nützt. Wir stehen heute an einem Punkt, an dem wir selbst entscheiden können, ob wir in der Lähmung der Empörungskultur verharren oder ob wir den Diskurs aktiv zurückgewinnen wollen. Diese Lücke, die sich uns allen aufgetan hat, muss weiter gefüllt werden – nicht mit blindem Trotz, sondern mit Argumenten und mit einer Sprache, die wieder an die Dinge anknüpft; eine Sprache, in der man mit Standhaftigkeit den eigenen Normen und Werten treu bleibt, auch wenn diese vom Meinungsbündnis als „falsch“ gebrandmarkt werden.
Du kannst die Hindernisse, die dir begegnen, wegschaffen oder sie verwenden, um das Feuer deiner Entschlossenheit zu schüren. – Marc Aurel, römischer Kaiser und Philosoph –
Lassen wir uns nicht länger vom trügerischen Spiegelbild und dessen künstlich produzierter Spaltung sowie Brandmarkung in ein fiktives Gut und ein geächtetes Böse blenden. Die Wirklichkeit ist komplexer und ehrlicher als das, was uns in den glatten Spiegeln des Meinungsbündnisses vorgegaukelt wird. Unsere „rechte“ Nüchternheit wird uns gegenüber links-grünen Utopien die benötigte Erdung geben. Es beginnt die Zeit des Umbruchs; es ist unsere gemeinsame Chance, das Fundament für eine echte, streitbare und freiheitliche Debattenkultur neu zu legen. Nutzen wir sie – besonnen, bestimmt und mit dem festen Willen, Familie, Volk und Vaterland zu ihrem angedachten Recht zu verhelfen.
