
2026 – ein erneutes Superwahljahr steht an. Selten sind Landtagswahlen von solch grundsätzlicher Bedeutung wie die kommenden im Herbst dieses Jahres. Das politische Klima im Land ist geprägt von einer weitverbreiteten Unzufriedenheit mit der alten und der amtierenden Regierung. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten, die Migrationsdebatten (wenn es diese je wirklich gegeben hat?), aufgedrängte „Klimaverantwortung“, die Friedensfrage und das Bedürfnis nach Stabilität, als auch der Wunsch nach klaren Leitlinien werden diesen Wahlen ihr Stempel aufdrücken. Für die aktuelle politische Stimmungslage brisant – auch in den mitteldeutschen Bundesländern wird gewählt!
Sachsen-Anhalt, mein Heimatbundesland, sucht auch ein frisches Landesparlament und so richtet sich der Blick, aus dem links-grün besetzten Berlin, mit seinem angeschlossenen Meinungsbündnis, wieder einmal vorwurfsvoll Richtung Osten. Die Verwunderung in der allgemeinen Medienlandschaft ist doch arg groß: Warum wählt man dort „rechts“? Warum ist Mitteldeutschland widerspenstig gegenüber links-grüner Politik und seiner Heilsversprechen? So dominieren die erklärenden Narrative: Der „Osten“ wähle rechts, weil er „abgehängt“ sei, strukturschwach, traumatisiert von der DDR, und daraus resultierend ist man in Mitteldeutschland unzureichend demokratisiert. Doch all diese Erklärungsversuche greifen zu kurz. Es ist weder das beschworene „Abgehängtsein“, noch ist es eine angebliche demokratische Defiziterfahrung. Die wirklichen Gründe liegen tiefer und sie sind vor allem viel persönlicher, denn es geht um das eigene Identitätsbewusstsein und der dazugehörigen Selbstbestimmung.
Doch noch eines vorweg, die folgenden Zeilen dürfen nicht als Schimpftirade gegenüber Menschen erachtet werden, welche im Westen Deutschlands leben – so vermessen möchte ich nicht sein, denn auch mir ist bewusst, dass es auch in diesem Teil unseres Vaterlandes Deutsche gibt, die sich als das verstehen, was sie nun einmal sind: gute Deutsche, mit denen ich lieber das Brot breche statt den Bund der Volksgemeinschaft. So habe ich selbst im ganz tiefen Westen gute Freunde, denen ich im Jahr 2017 als Trauzeuge zur Seite stand – eine pauschale Sichtweise in dieser Hinsicht ist entsprechend meiner persönlichen Bindungen „nach drüben“ nicht mein Anliegen. Meine Worte zielen auf jene retardierten politischen Gesinnungen und Sichtweisen ab, die angeschlossen sind an den links-grünen Zeitgeist, die politische Agitation betreiben, die unserem Land und seiner Bevölkerung nicht dienlich sind. Politiker, linke Aktivisten, sogenannte „wehrhafte“ Zivilgesellschaft und vom Zeitgeist Verwirrte – alle jene, die vergessen haben oder verleugnen, wer sie wirklich sind. Es folgen Zeilen, deren Ziel Klarheit ist und die sich bewusst gegen Stumpfsinn, Verleugnung oder zu kurz gedachte Allgemeinerläuterungen stellen.
Wir hier in Mitteldeutschland kennen politische Umbrüche wie kaum ein anderer Teil unseres Landes, und die dazugehörigen persönlichen Identitätsumbrüche waren stetig an all diese Umwälzungen gebunden. Kaum eine Region Europas hat in so kurzer Zeit derart fundamentale politische Umwälzungen erlebt wie die Mitte Deutschlands. Innerhalb weniger Generationen wechselten Staatlichkeit und Gesellschaftsordnung. Viele Mitteldeutsche haben in ihrem Leben, im Verständnis zum Lebensraum, mehr als einen Staat erlebt: geboren als Bürger des Deutschen Reiches oder dessen Nachfolgerealität, aufgewachsen in der DDR und nun, seit dem Oktober 1990, Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland. Diese Identitätsumbrüche waren nicht nur politisch oder administrativ – sie waren ein Teil von Veränderungen im Selbstverständnis um den Menschen, die mit realen Auswirkungen auf soziale und wirtschaftliche Bedingungen in verschiedenster Form an Umwälzungen einhergingen. Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Was bleibt, wenn sich alles um mich herum ändert? Diese Fragestellungen finden wir immer wieder, denn die kleinste politische Veränderung kann große Auswirkungen auf den Bundesbürger haben – im Osten wie im Westen. Während man im Westen des Landes durch die Wiedervereinigung ein Teil Deutschlands zurückgewonnen hat und man seine eigene nationale Identität eher erweiterte bzw. stabilisierte, wurde man in Mitteldeutschland eher angeschlossen an die Bundesrepublik. Die Menschen mussten ihre alte nationale Identität ablegen und demensprechend eine neue annehmen. Mit der Wiedervereinigung wurde den Menschen in Mitteldeutschland erneut eine Veränderung im eigenen Identitätsbewusstsein abverlangt – für viele bedeutet dies bereits der zweite oder gar der dritte Identitätsumbruch in ihrem Leben. Der Mitteldeutsche ist seither sensibel in seinem Bewusstsein zur eigenen Identität und blickt von daher, mit Bedacht auf all jene Einflüsse, die eine Wirkkraft auf diese entfalten können.
Ich bekenne mich dazu, Deutschland als mein Vaterland begriffen zu haben und bezeichne mich als Deutscher. Nicht aus Floskelhaftigkeit oder den Vorgaben der Genetik, viel mehr aus tiefgründiger Geisteshaltung heraus. Die mir auferlegte Ersatzidentität, die des Bundesbürgers innerhalb der Republik, empfand ich nie als Last, da diese Veränderung die Unbeschwertheit meiner Kindheit mit sich trug. Ich habe von Anfang an verstanden, dass meine regionale Heimat – mein Dorf, im Landkreis Harz, befindlich im westlichen Teil von Sachsen-Anhalt – ein untrennbarer Teil meines (neuen) Vaterlandes ist: Familie, Landschaft, Geschichte, lokale Gemeinschaft. All das, was die „Rechte“ in meinem eigenen Verständnis mit den drei Säulen der nationalen Identität, als Familie, Volk und Vaterland verinnerlicht hat. Meine regionale Identität ist eingebettet in eine nationale. Eine logische Schlussfolgerung, die man sogar der Kartographie um Deutschland und seine Bundesländer entnehmen kann; das wäre dann wohl die kürzeste Form der Erläuterung.
Meine Verwurzelung mit Deutschland beginnt aber in meiner Kindheit. In einem Staat, den es heute nicht mehr gibt, dessen Alltagserinnerungen aber geblieben sind. Ich kenne all die Geschichten meiner Eltern und Großeltern: vom Zusammenhalt, vom Misstrauen, vom freundlichen Nachbarn und von dem Spitzel. Zwischen „Früher war nicht alles schlecht“ und „Der war bei der Stasi“ liegen oft ganze Lebenswelten – die dennoch eine einheitliche soziale Wirkung verband, deren Auswirkung eine gut eingeschworene Gemeinschaft (gerade im ländlichen Raum) bewirkt haben. Meine eigenen Bilder, die eines Kindes, enthalten den Brummkreisel, Nudeln mit Tomatensoße und Jägerschnitzel (panierte Jagdwurstscheibe), oder Brötchen für fünf Pfennig; vor allem aber blieben die Maimärsche in meinen Erinnerungen. Der 1. Mai war Pflicht – Schuluniform, Halstuch, rote Nelke. Landesfahnen an Schulen, Rathäusern, Bahnhöfen, selbst an den Wohnhäusern. Als Kind war ich beeindruckt von dieser Inszenierung des Staates, von der sichtbaren Gemeinschaft, von dem öffentlichen Bekenntnis zum eigenen Land. Ein Tagm an dem die DDR-Fahne überpräsent war – fast jedes Gebäude, jeder Fahnenmast und selbst das Papierfähnchen in der Hand spiegelten diesen Nationalstolz wider. Ob produziert oder aus Überzeugung, Haltung wächst auch in der Massenbewegung. Heute weiß ich um diese ideologisch produzierte Vereinnahmung – aber jene patriotische Prägung, die ist tief in mir geblieben. Stolz auf sein Land zu sein, wurde mir dementsprechend früh vermittelt. Denn so ideologisch repressiv sich der Staat auch gab, so verstand er es doch, sich als hochgradig kollektivistisch und national zu inszenieren. Das war keine produzierte Selbstüberhöhung gegenüber anderen Nationen, so wie man es gerne und fälschlicherweise dem heutigen Nationalisten vorwirft, es war der gelungene Aufbau um ein positives Selbstverständnis, welches das eigene Identitätsbewusstsein mit dem Nationalstaat zusammengefügt hat. Gemeinschaft und Zugehörigkeit wuchsen in dem Menschen nicht durch die staatliche Ideologie, sie wurden durch die gemeinsam erlebte Wirklichkeit vermittelt. Stolz auf sein Land zu sein, das gehörte zur DDR dazu, dies lebte man vor, dies konnte man spürbar erleben – der Stolz auf sein Land ist ein positives Lebensgefühl, und dies hat der Staat seinen Staatsbürgern vermittelt.
Die friedliche Revolution ist in meiner Erinnerung nur schemenhaft präsent. Doch mit ihren Folgen bin ich aufgewachsen. Die Grenze öffnete sich, die DDR verschwand, ein neues Deutschland entstand. Ein geeintes Deutschland, das ein verändertes Identitätsbewusstsein verlangte. Die ersten Fahrten in den Westen – mit dem Trabant nach Goslar, überfüllte Grenzübergänge, Menschen mit Beuteln und Hoffnungen – waren geprägt von Aufbruchstimmung und Zuversicht. Dieses neue Vaterland schürte die Wünsche nach Chancen, Freiheit und Zukunft – und genau diese Zuversicht begleitete ständig den sogenannten Blick „nach drüben“. In diesen Entwicklungen liegt der Schlüssel zum Wahlverhalten im „Osten“. Wir haben gelernt, dass Identität eben nicht selbstverständlich ist. Dass sie verlorengehen kann und dass sie verteidigt werden muss. Deshalb stellen sich heute viele Mitteldeutsche entschieden gegen links-grüne Ideologien, jene die nationale Identität relativieren, auflösen oder moralisch kleinreden und als falsch verklären. Es ist kein Trotz, der den Mitteldeutschen „rechts“ wählen lässt, es sind die gezogenen Lehren aus seinen persönlichen Geschichten und den dazugehörigen politischen Umwälzungen, die in ihm den Drang zur Selbstbehauptung und den Ruf zur Selbstbestimmung wecken.
Der Geschmack von Freiheit, den viele Mitteldeutsche mit der Wiedervereinigung erstmals gekostet haben, hatte seinen Preis. Gesetze wurden ersetzt, Industrien abgewickelt oder neu ausgerichtet, die Landwirtschaft umgekrempelt und die Währung getauscht. Staatliche Strukturen und persönliche Biographien brachen in sich zusammen, all die gewohnten Sicherheiten verschwanden. Wir Mitteldeutsche gaben viel auf, um dort zu stehen, wo wir heute sind. Wer allgegenwärtig noch vom „abgehängten Osten“ spricht, der erkennt nicht die Leistungen, die harten Wege und Arbeiten oder ihren Preis – aber wie will man es jemanden verdenken, wenn man solche persönlichen Erfahrungen nie gemacht hat? Der „Osten“ heute ist kein Opfer dieser Umwälzungen, er wurde durch diese zum selbstbewussten Erfahrungsträger, den heute das Verteidigen des Eigenen antreibt. Kaum eine andere Region in Deutschland weiß so genau, was das Gefühl von Freiheit bedeutet, weil sie auch nicht deren Abwesenheit kennen. Keine Region hat erlebt, wie schnell Demokratie zur bloßen Fassade werden kann, wenn sie von oben verordnet, moralisch aufgedrückt und ideologisch verengt wird – es sei denn, man wuchs als Mensch auf, der seit 1945 mental gelähmt und geistig verwaschen wurde, um als Gleicher unter Gleichen in der Welt zu wandeln und endlich erwacht ist (Matrix-Effekt).
Der Mitteldeutsche weiß um den Wert des eigenen Autos (Diesel und Benziner), um die Wärme einer Gasheizung im Winter und um sogenannte technische Vernunft – er weiß, dass all diese Freiheiten von realen Menschen gelebt werden, von biologisch und wissenschaftlich belegten Individuen, von realen Frauen und Männern (Allgemeinbildung)! Das Wissen um all die Vorzüge der Freiheit und das Anerkennen der Realität sind die wirklichen Antworten zu dem gegenwärtigen Konflikt mit dem links-grünen Zeitgeist. Dieser wagt es, moralische Absolutheitsansprüche zu erheben, definiert Sprache neu und setzt politische Ziele oft entgegen ökonomischen und sozialen Realitäten durch. Was vom gegenwärtigen politischen Zeitgeist als Fortschritt etikettiert wird, erscheint uns in Mitteldeutschland als erneute Bevormundung – als Politik von oben, die wenig Interesse an regionaler Wirklichkeit, historischer Sensibilität und seiner eigenen nationalen Identität zeigt. Moralische Erziehungsansprüche statt gewachsener Identitäten, aufgedrängte kollektive Narrative statt individueller Selbstbestimmung und Realitätsverweigerung statt Wirklichkeit – an politischer Umerziehung besteht hier wahrlich kein Interesse.
Wir wollen keinen weiteren Identitätswechsel. Keine erneute Umerziehung. Keine Abkehr von dem, was wir uns nach 1990 unter erschwerten Bedingungen aufgebaut haben. Wir verstehen uns als Deutsche – und wir wollen auch dementsprechend leben. Mit einem positiven Verhältnis zu unserer Nation, ihrer Geschichte und den dazugehörigen Kulturgepflogenheiten. Der Mitteldeutsche nimmt sich das Recht, stolz auf das eigene Land zu sein, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Wir wollen nicht, dass unsere nationale Identität relativiert wird, dass man uns unsere Geschichte primär als Schuldgeschichte erzählt oder unsere kulturelle Selbstbehauptung als rückwärtsgewandt oder rechtsextrem verklärt. Der „Osten“ bildet nicht den Widerstand gegen die „demokratische“ Ordnung, er fordert diese ein! Wir in Mitteldeutschland ticken anders, weil wir gelernt haben, dass politische Experimente immer ihren Preis haben. Weil wir wissen, wie es ist, wenn über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wird. Unsere Identität und unsere Lebensweisen werden nicht auf Theoriestühlen oder im Parlament verhandelt, sie werden der Realität und deren Ursprüngen entnommen. Es ist der Drang zur Selbstbehauptung, der Kampf um das Eigene – Familie, Volk, Vaterland –, der sich an den kommenden Wahlurnen präsentieren wird. Der „Osten“ wählt „rechts“, weil er weiß, wer er ist und wer er nicht sein will. Das Kreuz auf dem Wahlzettel ist kein „Ressentiment“, wie es heute so schön genannt wird, sondern es ist eine klare Botschaft gegen die aktuelle Politik und dessen Wirrungen aus dem links-grünen Zeitgeist: Wir wissen, wer wir sind – und wir wollen es bleiben!
