Der Weg der Gefährtenschaft – Eine Reifeprüfung für das „rechte“ Lager

Bildquelle: Junge Nationalisten

Es gibt immer wieder diese Augenblicke im Leben, in denen das hektische und oft die Gesellschaftsthemen bestimmende Politikgeschäft unseren Alltag in den Stillstand drängt. Früher hat es den Menschen nicht so weitläufig bestimmt, aber heutzutage scheint die Politik allgegenwärtig. Genau in diese Art von neuem Alltagsgewäsch, in dem wieder eine tägliche Schlagzeile der Bildzeitung oder der aktuelle behördliche Verfassungsschutzbericht das Denken diktieren wollen, fallen meine jetzigen Gedanken. Die Rechte in Deutschland hat über die letzten drei Jahrzehnte einen erstaunlichen Weg zurückgelegt. Sie steht seit Jahren am Puls der Zeit, reagiert pünktlich auf Gegebenheiten und Politik, beherrscht und besetzt den aktuellen Kulturkampf auf modernen Wegen und wirkt anziehend auf die Jugend und das Alter im gleichen Maß. In der Sache – so sehe ich das – ist das „rechte“ Lager gemeinsam weit vorn. Und genau in dieser Sichtweise finde ich immer wieder einen tiefsitzenden Keil, der das eigene Lager trennt, denn sobald es um den internen und den eigenen Umgang, um Respekt und Anstand geht, offenbart sich ein Bild, das im menschlichen Miteinander doch ziemlich ausbaufähig ist.

Ich selbst bewege mich seit Jahrzehnten durch all die verschiedenen Strömungen des patriotischen und nationalistischen Lagers, und eines lässt sich generell festhalten: Das weltanschauliche Fundament ist bei allen geklärt. Man hat seine Standpunkte bezogen, hat seine eigenen Erfahrungen gesammelt und daraus unverrückbare Positionen aufgestellt. Diese lagerinternen und oft individuellen Sichtweisen wirken regelrecht unverhandelbar, was völlig in Ordnung ist, denn es sind Haltungen, die das eigene Wesen definieren, und diese Haltungen bestimmen das eigene Sein im Einzelnen, genauso wie in der Gruppe. Die eigenen Standpunkte sind das Ergebnis jahrelanger persönlicher Reifung, oft auch geprägt von persönlichen Weiterentwicklungen oder gar Rückschlägen, wie staatlicher Repression oder bewusster Isolation gegenüber der Einflussnahme aus Teilen des links-grünen Meinungsbündnisses (Politik, Medien und „wehrhafte“ Zivilgesellschaft). Zumeist haben wir es dadurch mit wirklichen Grundfesten in der Überzeugung zu tun, welche kein argumentatives Schnellfeuer, keine Stammtischdebatte oder, wie heute oft üblich, Meinungen im Internet kippen könnten.

So scheitert auch das „rechte“ Lager oft an sich selbst, denn wer fortwährend versucht, den anderen lagerübergreifend bis ins kleinste Detail seiner Weltanschauung auf die eigene Nuance umzupolen, der vergeudet wertvolle Energie im Kampf um unser Land und erntet am Ende nur den Widerstand und den Vorwurf der eigenen Rechthaberei oder Eitelkeit. Deshalb möchte ich auch gar nicht versuchen, die Frage nach einer einheitlichen Weltanschauung aufzugreifen – allein diese Idee wäre zu abstrakt, als dass ich jeden Punkt treffen könnte, den andere sich individuell aufgebaut haben – und stattdessen vielmehr die Fragestellung aufbringen: Können wir etwas erzeugen, dass der gegenseitige Respekt und der Anstand im Umgang miteinander ineinandergreifen, obwohl weltanschauliche Nuancen voneinander abweichen?

In meinen eigenen Schriftsätzen über Aktivismus und Gemeinschaft habe ich mich immer wieder auf ein Zitat aus Jean-Yves Le Gallous Handbuch „Die Dämonisierung durchbrechen“ aus dem Jungeuropa-Verlag berufen: „Beurteilen wir andere nach dem, was sie sind, was sie tun und was sie sagen, nicht nach der Karikatur, die ihre Gegner von ihnen zeichnen.“ Das Schöne für mich ist, dass ich in diesem Zitat eine Mehrfachanwendung finde, welche für unzählige Blickwinkel geeignet ist, die weit über die Dämonisierung des Einzelnen hinausgehen und keineswegs nur für den „verengten“ Blick des links-grünen Meinungsbündnisses auf uns gilt – es gilt vor allem auch für unseren eigenen Blick auf die vielen Weggefährten oder jene, die uns weltanschaulich näher sind als die politische Gegenseite. Viel zu oft erleben wir es im eigenen Lager, dass Mitstreiter nicht nach ihrem tatsächlichen Tun und Handeln beurteilt werden, sondern nach einer Karikatur, die man sich selbst im eigenen Kreis über die jeweils andere Nuance kreiert hat. Genau dieses trennende Lagerdenken hat ein breites Wachstum und eine vereinte Schlagkraft bisher verhindert.

Nun habe ich kürzlich „Die Tiefe Rechte“ von Christian Illner gelesen und halte dieses Buch für eine Möglichkeit, die Rechte neu zu denken, denn Illner geht in seinem Buch von der tagespolitischen Getriebenheit ab und bietet uns aus stark philosophischer Sicht ein Denken an, das die Rechte in existenziellen Schichten teilt – flache, mittlere und tiefe Rechte –; für mich persönlich ein interessanter Ansatz, doch stellt sich mir die Frage, müssen wir die Rechte überhaupt neu denken? Vielmehr glaube ich, sollten wir über die Reife und den geistigen Charakter der Bewegung nachdenken und dementsprechend einer anderen Fragestellung folgen: Können wir unsere eigenen Befindlichkeiten abstreifen, um angebliche „alte“ oder „neue“ Hüllen zu überwinden?

Alexander Deptolla erzählte mir, wie seine Arbeit mit „Harz Verteidigen“ Brücken baut. Er ist dabei, einen Ort zu schaffen, wo Weltanschauung größer ist als das eigene Ich, und genau hier sollten wir auch lagerübergreifend ansetzen. Die Rechte muss nicht neu gedacht werden, zumindest nicht in ihrem Kern, aber ein paar kleine Sachen, die große Auswirkungen haben werden, schon. Christian Illner beschwört in seinem Buch den Weg der „Gefährtenschaft“, und diese Betrachtung gefällt mir persönlich wirklich gut. Denn die Gefährtenschaft ist etwas völlig anderes als ein Parteibuch oder ein Zweckbündnis auf Zeit; die Gefährten sind Menschen, die gemeinsam auf einem Weg unterwegs sind. Sie müssen nicht in jeder Lebensfrage exakt denselben Geschmack haben, sie müssen nicht denselben Lebensstil pflegen und sie müssen nicht einmal aus derselben politischen Strömung stammen, und dennoch wissen sie, dass sie demselben Ziel entgegengehen und dass das Überleben und Vorankommen des Einzelnen von dem Zusammenhalt der gesamten Wegbegleiter abhängen.

Die Gefährtenschaft setzt kein blindes Vertrauen voraus, aber sie fordert den gemeinsamen Willen ein, dem anderen den Rücken freizuhalten, wenn der Wind von vorne bläst – selbst wenn der ein oder andere Gefährte auf der Etappe einen anderen Schritt geht als man selbst. In dieser Sichtweise wird auch klar, warum man von einer „Bewegung“ spricht, wenn Menschen im politischen Strom gleich fließen. Dort, wo Christian Illner einen möglichen weltanschaulichen und philosophischen Rahmen zu der Gefährtenschaft absteckt, da liefert Benedikt Kaiser das alltagsfähige Leitprogramm in der politischen Handhabung. Benedikt Kaiser beruft sich seit Jahren auf eine Art „Kritische Solidarität“ – bestehend aus wechselseitiger Kritik, auch lagerübergreifend, und dem Zusammenhalt in der Sache. Das ist definitiv ein Denkansatz, den jeder mitgehen kann, der es mit der patriotischen Sache wirklich ehrlich meint. Kritische Solidarität verlangt kein Heucheln, sie verlangt auch nicht, dass man Mängel oder strategische Fehlentscheidungen leise unter den Teppich kehrt. Die Kritik sollte immer ehrlich und konstruktiv sein, dem gebührlichen Anstand entsprechen und stets dem gemeinsamen Ziel untergeordnet sein. Die Solidarität wiederum sollte bedingungslos geknüpft werden: Wenn ein „rechter“ Mitstreiter vom politischen Gegner angegriffen, verboten oder mundtot gemacht werden soll, gilt die Solidarität ohne Abstrich, die eigenen Differenzen müssen beiseitegeschoben werden.

Es gibt sie, die positiven Entwicklungen im Blick auf die Solidarität, wenn man die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit betrachtet. Als das verfassungswidrige Blitz-Verbot gegen das COMPACT-Magazin exekutiert wurde, formierte sich innerhalb von Stunden eine breite Welle der Hilfsbereitschaft quer durch alle politischen Strömungen, und ähnlich gelagert war der Fall um das Doxing des Netz-Analysten „Clownswelt“, wo Tausende spürten, dass hier ein Einzelner für die Gemeinschaft im Feuer stand und ihm sofort den Rücken stärkten. Ebenso und aktuell der Fall Hättasch, und nicht zu vergessen das unermüdliche Wirken des Netzwerks „EinProzent“: „Helfen tut man sich schon untereinander“, und diese Richtung ist auch verdammt gut so!

Doch genau in dieser Betrachtung zur „Kritischen Solidarität“ gibt es immer wieder den gravierenden Gegenpol – Teile des rechten Lagers, wo man immer wieder das Gefühl hat, diese möchten in ihren Haltungen nicht abweichen. Und es gibt sie zuhauf, diese Akteure, die ihren Selbstwert primär daraus ziehen, sich stetig abzugrenzen von dem, der fünf bis zehn Prozent anders denkt als sie selbst. So haben im letzten Jahr Sascha Krolzig und sein Sturmzeichen-Verlag zwar Solidarität und Geschlossenheit ihm gegenüber erfahren können, als sein Ausschluss von der Büchermesse „SeitenWechsel“ vollzogen wurde, aber dennoch war ersichtlich, dass es eben jene gibt, die nicht über ihren eigenen Schatten springen können. Da wurde dann wohl doch im Hintergrund gemunkelt, gar finanziell abgewogen und vielleicht auch schadenfroh belächelt, statt geschlossen Kante gegen diesen Ausschluss zu zeigen.

Leider gibt es viele prominente Beispiele für den menschlichen Spaltkeil, welche ich heute aber nicht aufzählen oder bewerten möchte. Fakt ist aber, dass genau in diesem realen Widerspruch der Wegweiser steckt, der uns darauf hinweist, dass wir etwas tun müssen, um uns als eine echte Bewegung / Gefährtenschaft zu verstehen. Es muss doch noch mehr möglich sein als nur lagerübergreifende Begriffe (Volksaustausch, Remigration etc.)! Es reicht eben nicht mehr aus, wenn wir uns auf abstrakter Ebene darauf einigen, dass wir ein „Mosaik“ oder ein „Flügel“ sind, weil wir nämlich schon so weit sind, dass die Solidarität zum lagerfremden Mitstreiter vorhanden ist – und warum sollten wir dann noch auf Respekt und Anstand gegenüber dem Tun und Handeln im Miteinander, egal wie weit von der eigenen Nuance der Weltanschauung entfernt, verzichten?

Denn wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, liegt die eigentliche Herausforderung nicht mehr darin, gegenseitig die sofortige Notfallhilfe zu organisieren, wenn der staatliche Repressions-Hammer erneut auf den Nationalen Widerstand beziehungsweise die „rechte“ Opposition niederfährt. Das hat das „rechte“ Lager bewiesen, das belegen all die aufgezählten Fälle um das COMPACT-Magazin, Clownswelt oder Hättasch eindrucksvoll. Die wahre Härteprobe liegt dementsprechend im lagerübergreifenden Miteinander – an den vielen Tagen, an denen keine staatliche Repression droht, keine öffentliche Ächtung in Funk, Fernsehen oder Schmierblatt ausgerufen wird, sondern im schlichten Alltag, wo die persönliche Eitelkeit und der eigene sture Kopf den Blickwinkel verengt haben.

In den kommenden Jahren stehen wir vor gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüchen. Der Druck von „heimatfeindlicher“ Politik, den angeschlossenen Systemmedien und der „wehrhaften“ Zivilgesellschaft auf uns alle wird nicht nachlassen – er wird vermutlich gar zunehmen, und bei diesen negativen Aussichten können wir es uns schlichtweg nicht mehr leisten, wertvolle Energien in internen Grabenkämpfen, Zersplitterung oder Besserwisserei zu verbrennen. Wir sollten den Weg der Gefährtenschaft nach Christian Illner nicht nur als ein theoretisches Konzept in seinem Buch lesen, sondern es als Maßstab unseres eigenen Handelns für uns ergreifen.

Das verlangt als Erstes den Vorrang der gemeinsamen Sache vor der eigenen Eitelkeit, und das bedeutet zweitens die ehrliche Anerkennung des Tuns eines jeden Mitstreiters an seinem jeweiligen Platz, selbst wenn sein Stil auf dem „rechten Weg“ nicht der unsere ist. Und das verlangt drittens den Mut, auch dem anderen mal in die Augen zu schauen und im direkten Gespräch das Trennende zu beseitigen. Wenn uns diese Schritte gelingen, dann wird aus den einzelnen politischen Strömungen des „rechten“ Lagers eine Gefährtenschaft – eine Bewegung. Die Weltanschauung steht, die Fundamente sind lagerübergreifend gesetzt. Nun liegt es an uns allen, auch die menschliche Reife und den Charakter zu beweisen, den eine wirkliche „rechte“ Gefährtenschaft einfordert.

Wenn wir es nicht schaffen, eine Schicksalsgemeinschaft zu werden, dann ist die Schicksalslosigkeit unser Schicksal (…). Von außen wird keine Rettung erfolgen.
Christian Illner, Die Tiefe Rechte, Kaplaken 104

1 Kommentar zu „Der Weg der Gefährtenschaft – Eine Reifeprüfung für das „rechte“ Lager“

  1. interessant, ich hoffe alle finden sich zusammen! Compact wurde von vielen unterstützt, hat es geholfen? wie ist der Verlag durchgekommen? unterstützt er andere? es gibt bestimmt einige, die sich nicht trauen in die Öffentlichkeit zu gehen.

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