Die Gegangenen – Phänomen WEIMAR

Lemgo, im April 2025. Wer den Namen dieser 40.000-Einwohner-Stadt östlich von Bielefeld schon mal gehört hat, interessiert sich entweder für Handball oder ist Anhänger der Deutschrock-Band „Weimar“. Die vierköpfige Formation, die im Mainstream zumeist als „umstritten“ bezeichnet wird, hatte sich das Konzert in der Lemgoer „Phoenix Contact Arena“ zunächst vor dem Verwaltungsgericht Minden einklagen müssen. Der Kreis Lippe wollte das Konzert unter fadenscheinigen Gründen verbieten, doch ein Eilantrag hatte Mitte März Erfolg und der Auftritt konnte stattfinden.

Als wir nach zweistündiger Zugfahrt mit guter Unterhaltung durch zwei geistig behinderte Antifaschisten (nicht diffamierend gemeint, die waren tatsächlich kernbehindert!) an der Multifunktionshalle ankommen, wo auch der TBV Lemgo seine Spiele bestreitet, ist der Vorplatz bereits gut gefüllt. Wir treffen sogleich auf die ersten Kameraden und belustigen uns ein bisschen an der Mini-Gegenkundgebung, die mit „FCK AFD“-Fahnen und ähnlichem Unfug für Erheiterung sorgt, auch die beiden Mongos aus dem Zug haben es tatsächlich zur Kundgebung geschafft und wedeln glücklich mit ihren roten Fähnchen.

Am Bierstand schauen wir uns unter den Konzertgästen um. Die meisten würden auch zu einem Böhse Onkelz-Konzert passen, bemerke ich spontan. „Nein, hier haben die Leute definitiv mehr Zähne“, erwidert eine Kameradin neben mir. Tatsächlich sind nicht nur die Gebisse der angereisten Weimar-Fans von lobenswerter Vollständigkeit, es sollte an diesem Abend bis auf sehr wenige Ausnahmen auch keine volltrunkenen Totalausfälle geben. Alles geht ein bisschen gesitteter, ein bisschen familiärer zu als auf einem Onkelz-Event.

In der Halle machen wir es uns auf einem Sitzplatz gemütlich und haben so den perfekten Überblick auf das Gesamtgeschehen. Nach einer nicht weiter erwähnenswerten Vorband und Einheizmusik von Scooter betritt Weimar-Sänger Richard Wegnar die Bühne – und schon in den ersten Zeilen geht es darum, dass man die Springerstiefel langsam an den Nagel hängen könne…

Bereits der Tour-LKW zeigt, in welchen Dimensionen Weimar mittlerweile angekommen ist

Erstes Album „Auf Biegen & Brechen“

Wer ist diese undurchsichtige, widersprüchliche Kapelle, die bei vielen Nationalisten beliebt ist, von Antifaschisten als „Fascho-Band“ tituliert wird, aber die ihre Gegner selbst als „Faschos“ bezeichnet? Wer sind diese Leute, die gegen Corona-Zwangsmaßnahmen anschreien, gegen das globalistische System und die gekauften Marionetten von den Medien – und die zugleich in linksgrüner Propaganda-Diktion „Rassismus“, „Antisemitismus“ und „Homophobie“ den Kampf ansagen wollen?

Alles begann im Sommer 2021 mit der Veröffentlichung von ersten Singles über YouTube, gefolgt vom Debütalbum „Auf Biegen & Brechen“, das im Mai 2022 bis auf Platz 5 der Albumcharts klettern konnte. Die Musik klang brachial, eine Mischung aus Rock/Metal mit Sprechgesang-Anteilen und Ähnlichkeiten zur „Neuen Deutschen Härte“. Die Texte zeigten das aus dem Deutschrock altbekannte Schema: Man will sich irgendwie mit alles und jedem anlegen, scheißt auf den Mainstream und freut sich über die große Anzahl seiner Feinde, andererseits bleibt man mit seinen Hasstiraden aber so vage, dass die Interpretation des Liedes dem Zuhörer überlassen bleibt. Jedenfalls will man anders als die anderen sein und wie ein freier Vogel fliegen – alles schon zu Genüge von Bands wie Frei.Wild und Krawallbrüder durchgekaut. Doch genau wie diese galten Weimar im musikalischen Mainstream schnell als verdächtig: Nicht deshalb, weil sie so offensiv mit dem Rambo-Image spielten, sondern weil sie ihr verbales Revoluzzertum nicht mit einer betont linken Ideologie verbanden. Trotzdem durften sie zunächst im Musikgeschäft mitmachen – nicht zuletzt deshalb, weil sie immerhin beim weltgrößten Plattenlabel Universal Music unter Vertrag standen.

Eine Besonderheit der Band besteht darin, dass alle Musiker unter Pseudonymen auftreten und ihre Gesichter hinter schwarz-weißen, reptilienartigen Masken verbergen. Der Mummenschanz, der bei Bands wie Slipknot oder Lordi rein künstlerisch-ästhetische Gründe haben mag, hatte bei Weimar aber offensichtlich einen ganz anderen Grund – und einige Zeit später platzte die Bombe…

Die Masken sind gefallen

Im Februar 2023 behauptete das linksgrüne Propagandablättchen „Der Spiegel“, mehrere Bandmitglieder würden aus nationalistischen Zusammenhängen in Thüringen stammen. Der Sänger der Band, Richard Wegnar, heiße in Wirklichkeit Christian P. In den 2000er-Jahren wäre er Aktivist beim „Nationalen Widerstand Weimar“ gewesen und hätte unter dem Namen „Murder Squad“ eine CD mit expliziten, nach BRD-Recht strafrechtlich relevanten Texten aufgenommen. Auch der unter dem Künstlernamen Till Schneider auftretende Konstantin P. solle in den 90er-Jahren bei der Gruppe „Dragoner“ Rechtsrock gespielt haben.

Die Plattenfirma Universal, die angeblich von nichts gewusst haben will, zeigte sich erwartungsgemäß schockiert und machte Tabula rasa: Noch am selben Tag wurden sämtliche Songs und Videos der Band von allen offiziellen Plattformen wie Spotify, YouTube usw. gelöscht, der Online-Shop wurde vom Netz genommen, alle Tour- und Festival-Konzerte wurden abgesagt.

Weimar selbst brauchte ein paar Tage, um sich zu einer Stellungnahme durchzuringen. „Konstantin und Christian“, die hier im Zusammenhang mit der Band erstmals ihre richtigen Vornamen benutzten, erklärten darin, „ein Teil der rechtsextremen Szene in Thüringen“ gewesen zu sein, einer bis Ende der 90er und der andere bis ca. 2008. Weder sie noch ihr Umfeld seien aber nach wie vor in der „rechtsextremen Szene“ aktiv, und es tue ihnen leid, dass sie ihre Vergangenheit nicht klar gegenüber Fans und Geschäftspartnern kommuniziert hätten. Im allseits bekannten linken Duktus distanzierte sich die Band „ausdrücklich von Gewalt, Extremismus jedweder Form, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Homophobie und dem fatalen, sich bis heute zu wiederholen scheinenden Irrglauben der Geschichte, dass manche Menschen besser seien als andere“. Das Lied „Von Wölfen & Ratten“, dem von linker Seite ein versteckter Antisemitismus unterstellt wird, sei in Wirklichkeit ein „Lied gegen Faschismus, Antisemitismus, Gewalt und Homophobie“, und überhaupt setze sich die Band doch „seit Tag 1 ihres Bestehens für Vielfalt und Toleranz“ ein und helfe zum Beispiel Erdbebenopfern in der Türkei und in Syrien.

Gegangene Irrwege

Doch am Ende half es den Musikern doch nichts, die komplette linke Begriffsklaviatur gespielt zu haben: Die Plattenfirma ließ sie fallen, und von heute auf morgen stand ihre Karriere vor dem Nichts. Die Linken feierten unverhohlen und selbst wohlwollende Beobachter prognostizierten das baldige Ende der Band. Aber – und das muss man Weimar lassen – sie haben sich wieder aufgerappelt und waren bereits nach einigen Monaten erfolgreicher als je zuvor. Die Band gründete ein eigenes Label und veröffentlichte im August 2023 das Debütalbum in einer erweiterten Re-Edition. Die Neuauflage stieg auf Platz 2 der Albumcharts und war damit sogar besser platziert als die Erstveröffentlichung.

Am 27. September 2024 erschien das zweite Studioalbum „1331“, das aus dem Stand die Spitze der Albumcharts erreichte. Dieser bemerkenswerte Erfolg zeigt, dass Musiker in der heutigen Zeit keine große Plattenfirma mehr brauchen, wenn sie bereits über eine gewisse Anhängerschaft verfügen und ihre Reichweite über soziale Medien generieren können.

In „1331“ (die Bedeutung dieser Zahlenkombination bleibt unklar) verarbeitet die Band ihre „Enttarnung“ durch die Medien, denen Gratismut, Intoleranz und Feigheit vorgeworfen wird. Im dreiteiligen „Manifest“ am Ende des Albums wird im Sprechgesang die Bandgeschichte rekapituliert. Der Text ist durchaus pointiert – insbesondere der Part, in dem „Berufs-Aussteiger“ Philip Schlaffer verbal fertiggemacht, ist sehr erfrischend. Die Medienkampagne nach ihrer Enttarnung hätte ihn aber sehr mitgenommen, so Richard Wegnar, er hätte wenig geschlafen und in 14 Tagen 10 Kilo verloren. – Aber mal ehrlich, was hat er denn erwartet? Dass die Medienmeute Verständnis dafür zeigt, dass er als ehemaliger Neonazi jetzt anonym im Musikgeschäft Karriere machen will, ohne zuvor mit offenen Karten gespielt zu haben? Und das auch noch im Deutschrock-Bereich, der im linken Mainstream ja sowieso unter rechten Generalverdacht gestellt wird?

Im 3. Teil des „Manifests“ geht es dann um die Band selbst und ihre heutige Positionierung. Zu ihrer Abwendung vom Nationalismus heißt es dort: „Doch im Unterschied zu diesen ekelhaften Soziopathen / Sind wir einfach gegangen, ohne jemand zu verraten“. Nun stellt sich natürlich die Frage, inwiefern das „Gehen“ einen Unterschied zum „Aussteigen“ macht. Das Ergebnis ist jedenfalls dasselbe: hinterher ist man raus. Der Sänger gibt zu, im „Exit“-Aussteigerprogramm gewesen zu sein, will dort aber niemanden denunziert haben. Rassismus halte er für „ziemlich dumm und total überflüssig“, aber er lasse sich von niemandem instrumentalisieren und will sich schon gar nicht von „Faschos“ (damit meint er wohl die Medien) als „Faschisten“ titulieren lassen. Außerdem sei er „cool“ mit den linken Sängern Sebastian Madsen und Matthias Engst, die sich voller Inbrunst gegen „rechts“ einsetzen und bei Auftritten gerne „Nazis raus“ brüllen.

Gefrustet von ihrem Misserfolg ließen kriminelle Linkextremisten ihren Hass an Fahrzeugen mutmaßlicher Konzertgäste aus

Einfach über alles hinwegsehen?

„Nazis raus“ hört man an diesem Abend in Lemgo jedenfalls nicht, und auch sonst hält sich Richard Wegnar mit politischen Aussagen weitgehend zurück. Nur einmal spielt er auf die prekäre Lage der Meinungsfreiheit an, nämlich an der Stelle, wo es um die Band selbst geht: „Im freiesten Deutschland aller Zeiten braucht man Gerichtsurteile, um Konzerte spielen zu können“, sagt er im Hinblick darauf, dass das Konzert juristisch einige Zeit auf der Kippe stand. – Nun ja, immerhin konnte Weimar hinterher ungehindert in einer Konzerthalle spielen, während tatsächlich oppositionelle Bands nur kleine, konspirativ organisierte Gigs spielen können oder ins Ausland ausweichen müssen.

Wie sollte man aus nationalistischer Sicht nun mit dem Phänomen Weimar umgehen? Eigentlich müssten die Fronten ja ausreichend geklärt sein: Die Band will keine rechten Fans in ihrem „Weimar-Kollektiv“ (so nennen sie ihre Anhängerschaft), und warum sollten Nationalisten jemanden unterstützen, der seine früheren Ideale dermaßen verraten hat? Nun kommen an dieser Stelle gerne die Beschwichtigungen, sie „müssten“ sich ja von ihrer Vergangenheit distanzieren, weil sie ansonsten niemals dorthin gekommen wären, wo sie heute sind. Aber ist eine solche Einstellung nicht genau das, was wir allen Feiglingen und Opportunisten immer vorwerfen? Dass sie nicht geradlinig und ehrlich sind, dass sie sich distanzieren, für Geld und einen zweifelhaften Erfolg im Mainstream?

Natürlich fordert niemand, dass Kameraden nur Bands aus unserem politischen Bereich hören dürfen, ich selbst höre zu 90 % „unpolitische“ Musik. Doch es macht schon einen Unterschied, ob man eine bestimmte Musik einfach deshalb hört, weil sie jemandem gefällt, oder ob man den Musikern bei Konzerten zujubelt, ihnen mit Werbeartikeln Geld zusteckt, Lieder in sozialen Netzwerken teilt usw. Wie kann sich ein Nationalist als Teil des Weimar-Kollektivs verstehen, wohlwissend, dass die Band nichts mit ihnen zu tun haben will? Reichen ein paar hübsch verpackte Texte schon aus, um über weltanschauliche Prinzipien hinwegzusehen?

Stelle Dir nur einmal vor, jemand würde Dir gegenüberstehen, und er würde sich aus vollster Überzeugung gegen Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie aussprechen, aber dafür das Fähnchen für Vielfalt und Toleranz hochhalten. Er sagt Dir, dass er auf seine rechte Vergangenheit nicht stolz ist und deshalb beim Aussteigerprogramm war, und heute ist er cool mit Leuten, die „Nazis raus“ schreien und Konzerte gegen Rechts spielen. – Würdest Du sagen, so jemand ist ein guter Mann, oder würdest Du ihn mit Verachtung strafen?

Erstveröffentlichung in N.S. Heute #48

2 Gedanken zu „Die Gegangenen – Phänomen WEIMAR“

  1. Muß jeder selber wissen, was er/sie hört. Manchmal ist es halt nur Musik zum Abschalten.
    Wenn Deine erwähnten 90% unpolitische Musiker/Bands auch richtig gefragt werden würden, würden die meisten auch klar gegen Rechts/Nazis sein.
    Nebenbei, bei der Bedeutung von 1331 tippe ich darauf, daß das Lied Manifest insgesamt 13:31min geht.

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  2. Wer nicht für uns ist der ist gegen uns so einfach ist das. Und wenn jemand mal so ein mitläufer war und heute sowas von sich gibt dann ist er nichts anderes als eine Zecke…. Wohl jeder kennt Kameraden die nicht mehr Aktivposten sind wegen Familie alter oder sowas aber diese Leute sind immer noch Kameraden die haben nie ihre Weltanschauung hinterfragt geleugnet oder gar abgelegt als wäre es ein alter Mantel…. Aber diese Leute von Weimar haben ganz klar Stellung bezogen und somit sind das Verräter….. Oder würde heute noch jemand sagen das zb die böhse Onkelz die ja das selbe gemacht haben heute gute Jungs sind???

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