Ein Leben als afrikaanischer Nationalist – Zum 85. Geburtstag von Eugène Terre’Blanche

von Gastautor Martin Müller

Eugène Terre’Blanche (Französisch für „weiße Erde“ – der Name ist Programm?!) wurde am 31. Januar 1941 auf einem Bauernhof in der Nähe von Ventersdorp in der damaligen Provinz Transvaal im Nordosten Südafrikas geboren. Einer seiner Vorfahren war Estienne Terre’Blanche, ein französischer Hugenotte aus der Region Toulon, der 1704 nach Südafrika ausgewandert war. Sein Großvater Étienne Terre’Blanche hat im Zweiten Burenkrieg gegen die Briten gekämpft, und sein im Jahr 1985 verstorbenen Vater, De Villebois Mareuil Terre’Blanche, war Oberstleutnant in der südafrikanischen Armee.

Schon seit früh an vermittelten ihm seine Eltern bäuerliche Werte wie Disziplin, Respekt vor harter Arbeit und eine enge Bindung an die Gemeinschaft. 1962 schloss er die Sekundarschule in Potchefstroom ab. Er galt als fleißiger Schüler mit Sinn für Ordnung und klaren Prinzipien, und zeigte schon früh ein ausgeprägtes Interesse an der Geschichte der Buren und ihrem Kampf um Selbstbehauptung. Bereits als Schüler gründete er die Jong Afrikanerharte, eine Bewegung, die sich für die Interessen der jungen Afrikaaner (wie sich die Buren zumeist selbst bezeichnen) einsetzte. Nach der Schule folgte er dem traditionellen Weg vieler Afrikaaner seiner Zeit und schrieb sich bei der Polizei ein. Später wurde er aktives Mitglied der Herstigte Nasionale Party, welche von radikalen Ex-Mitgliedern der regierenden Nasionale Party gegründet wurde.

Gründung der Afrikaner Weerstandsbeweging

Obwohl das Apartheid-System erst 1994 abgeschafft werden würde, erkannte Terre’Blanche in den Reformbestrebungen der 70er-Jahre bereits früh die ersten Anzeichen für das schleichende Ende der Apartheid, was von ihm als Gefahr für die Lebensumstände und das biologische Fortbestehen der Weißen in Südafrika wahrgenommen wurde. Insbesondere der wachsende Einfluss des Kommunismus und der aus seiner Sicht zu liberale Kurs des Ministerpräsidenten Vorster (dessen Leibwächter er zeitweise war) waren ihm ein Dorn im Auge. Deswegen gründeten Terre’Blanche und sechs weitere Buren im Jahr 1973 die Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB) mit dem Ziel, den afrikaanischen Nationalismus zu fördern und einen eigenständigen burischen Volkstaat (Boerestaat) zu schaffen.

Terre’Blanche nutzte seine charismatische Persönlichkeit, um Anhänger für die Bewegung zu gewinnen. Er wetterte gegen die Aufhebung vieler sogenannter „kleiner Apartheidgesetze“, wie zum Beispiel den „Race Relations Act“, der Beischlaf und Ehen zwischen verschiedenen Rassen verbot, oder den „Group Areas Act“, der die Zuweisung eigener Wohn- und Geschäftsgebiete an die jeweiligen Rassen regelte. Genauso kritisch sah er die Gewährung begrenzter politischer Rechte für Inder und Farbige.

Mit seinem großen Organisationstalent und seiner Führungsstärke schaffte er es auch, viele Aktionen und Aufmärsche zu organisieren. Die Schlacht von Ventersdorp 1991, das gewaltsame Eindringen ins World Trade Center Kempton Park 1993 und einige Bombenattentate gehören zu den bekanntesten Aktionen der AWB.

Die Schlacht von Ventersdorp fand am 9. August 1991 statt, als Anhänger der AWB während eines Besuchs von Präsident De Klerk (welcher kurz zuvor den Afrikanischen Nationalkongress anerkannt und Nelson Mandela freigelassen hatte) mit der südafrikanischen Polizei und Sicherheitskräften zusammenstießen. Der Konflikt eskalierte, als einige AWB-Mitglieder auf die Polizei schossen, die daraufhin das Feuer erwiderte, was zum Tod von drei AWB-Mitgliedern und einem Passanten sowie zu dutzenden Verletzten führte. Es war der erste größere Einsatz tödlicher Gewalt durch südafrikanische Behörden gegen weiße rechte Demonstranten seit 1948.

Paramilitärische Aktivisten der AWB bei einer Kundgebung in Pretoria, 1990
© Anton Raath from Leuven, Belgium, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Fast zwei Jahre später, am 25. Juni 1993, drangen tausende nationalistische afrikaanische Aktivisten, nicht nur von der AWB, sondern auch aus anderen Gruppen, in den World Trade Center-Komplex in Kempton Park in der Nähe von Johannesburg ein, wo gerade Mehrparteien-Verhandlungen zur Beendigung der Apartheid stattfanden. Mit einem gepanzerten Fahrzeug schafften es die Aktivisten, die Glasfenster des Gebäudes zu durchbrechen, sodass sie in das Gebäude eindringen konnten. Einmal drinnen, konnten sie sofort die Kontrolle über das Gebäude übernehmen, während sich die Delegierten in Besprechungsräumen verstecken mussten. Eine Eskalation blieb jedoch aus: Nach Verhandlungen mit der Polizei konnten die AWB-Aktivisten vereinbaren, dass niemand festgenommen wird.

Obwohl die Gruppe hochmotiviert war, gelang es ihnen nicht, einen wirklich bedeutsamen Einfluss auszuüben. Ein Versuch, die Wahlen im Jahr 1994 aufzuhalten, scheiterte. Während die Bewegung in den 1980er-Jahren zeitweise über mehrere zehntausende Mitglieder verfügte, sank die Zahl nach dem Ende der Apartheid erheblich, und die Organisation geriet zunehmend ins politische Abseits. Terre’Blanche blieb jedoch der bekannteste Führer der AWB.

Grausames Ableben

Eugène Terre’Blanche, der sich seit dem Niedergang seiner Organisation teilweise ins Privatleben zurückgezogen hatte, wurde am 3. April 2010 auf seinem Bauernhof Villana außerhalb von Ventersdorp im Schlaf brutal von zwei schwarzen Angestellten seiner Farm mit Eisenrohren und Macheten geschlagen und zu Tode gehackt. Später fand man seine Leiche mit schweren Gesichts- und Körperverletzungen auf seinem Bett.

Der Mord reiht sich in die vielen anderen „Plaasmoorde“ ein, denen weiße Bauern in Südafrika seit dem Ende der Apartheid-Regierung zum Opfer gefallen sind. Einer der Angeklagten des Mordes an Terre‘Blanche, der damals 28-jährige Chris Mahlangu, wurde von einem Gericht in Ventersdorp verurteilt. Sein Mitangeklagter, der zum Tatzeitpunkt minderjährige Patrick Ndlovu, wurde vom Vorwurf des Mordes freigesprochen, wegen Einbruchs aber für schuldig befunden. Terre’Blanche hinterließ seine Gattin Martie Terre’Blanche und eine Tochter. Nachfolger der AWB wurde Steyn von Rönge, heute soll die AWB noch über einige tausend Mitglieder verfügen.

Erstveröffentlichung in Nationaler Sozialismus Heute #51

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