Ein revolutionäres Herz – Zum 90. Geburtstag von Horst Mahler (23.01.1936 – 27.07.2025)

von Kevin Käther

Am 27. Juli 2025 verstarb mein langjähriger Freund Rechtsanwalt Horst Mahler nach langer Krankheit (Herzleiden, Niereninsuffizienz, Amputation beider Beine wegen mangelnder Behandlung während der 12-jährigen politischen Haft und Diabetes) an den Folgen eines Schlaganfalls. Die Meldungen in den Organen der Feindpropaganda überschlugen sich, und pietätlos wie eh und je schmähte man selbst noch einen Toten, was wohl an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten ist. Doch wird man dem aufrichtigen Menschen Horst Mahler tatsächlich gerecht, wenn man den Blick auf die primitive Hetze der Feindpropaganda richtet? Nein, das wird man nicht, denn einen Menschen wie Horst Mahler trifft man dieser Tage nur noch selten. Um den von mir so hochgeschätzten Freund tatsächlich gerecht zu werden, ist es unabdingbar, ihn grob zu porträtieren und einen kurzen Abriss seines Lebens zu zeichnen.

Horst Werner Dieter Mahler wurde am 23. Januar 1936 in Haynau in Niederschlesien geboren und verstarb am 27. Juli 2025 in Berlin. Er war ein prominenter deutscher Rechtsanwalt, ehemaliger Linksterrorist und bekannte sich 2005 offiziell zum Nationalsozialismus, den er mit aller Liebe und Konsequenz und unter Hinnahme aller sich daraus ergebenen Folgen verteidigte. Seine Lebensgeschichte scheint auf den ersten Blick den verworrenen Weg eines Mannes zu zeichnen, der von einem angesehenen Verteidiger für die Rechte von Studenten im Sozialistischen Anwaltskollektiv zu einem verurteilten „Volksverhetzer“ wurde, doch ist dies ein Trugschluss. In den zahllosen Gesprächen, die ich mit ihm im Laufe unserer fast 23 Jahre andauernden Freundschaft führen konnte, machte er mir immer wieder deutlich, dass er nicht die politische Richtung änderte, sondern diese nur zu Ende dachte, wohingegen andere seiner früheren Kampfgefährten auf der Stelle des Denkens stehenblieben und dort bis heute verharren.

Sein Lebensweg

Horst Mahler wurde 1936 als drittes von vier Kindern des Zahnarztes Willy Mahler und dessen Ehefrau Dorothea Nixdorf geboren. Sein Onkel, Reinhold Nixdorf, war SA-Sturmhauptführer. Obwohl dem jungen Horst Mahler eine behütete Erziehung durch seine Eltern zuteilwurde, welche glühende Nationalsozialisten waren, ließ er sich mit 13 Jahren, wahrscheinlich noch aus Opportunismus, zum Vorsitzenden der FDJ-Gruppe an seiner Schule wählen. Diese Entscheidung markierte den Beginn seines wechselvollen politischen Lebenslaufs.

Nach dem Zweiten Weltkrieg floh seine Familie vor den Abschlachtungsorgien der Roten Armee von Haynau/Schlesien nach Naumburg/Saale und zog 1949 weiter nach West-Berlin. Dort studierte der damals noch junge Mann unter Zuhilfenahme eines Stipendiums der „Studienstiftung des deutschen Volkes“ Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin und engagierte sich politisch. Nach dem Studium eröffnete er eine Anwaltskanzlei und erlangte Bekanntheit als erfolgreicher Anwalt.

Seine politische Radikalisierung begann Mitte der 1960er-Jahre, als er zahlreiche Aktivisten der Studentenbewegung, darunter spätere Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) vertrat. 1970 war er einer der Gründer der RAF, was zu seiner Verhaftung und Verurteilung zu 14 Jahren Haft wegen Bankraubes und Gefangenenbefreiung (Andreas Baader) führte. Während seiner Inhaftierung studierte er intensiv die Werke Hegels, welche ihn sein damaliger Freund Otto Schily (späterer Innenminister unter Schröder) ins Gefängnis brachte. Dadurch entwickelte er seine Weltanschauung, welche er im weiteren Verlauf seines Lebens ausbaute und ihn zu dem philosophischen Geist machte, den wir selbst oder auch nur am Rande erleben durften. 1980 wurde Horst Mahler durch das Engagement seines damaligen Rechtsanwaltes Gerhard Schröder (späterer Bundeskanzler) auf Bewährung entlassen und 1987 als Anwalt wieder zugelassen.

In den 1990er-Jahren begann er seine politischen Ansichten zu ändern und zu manifestieren. Am 1. Dezember 1997 hielt er eine Laudatio zu Ehren von Günter Rohrmoser, einem Sozialphilosophen, vor dessen Gästen. In dieser Rede forderte Mahler, Deutschland müsse sich von seiner „Schuldknechtschaft“ befreien und seine „nationale Identität“ wiedererlangen. Diese Rede wurde von vielen als Zeichen für Mahlers Hinwendung zum nationalen Lager gesehen. Er begann Artikel in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zu veröffentlichen und trat bei verschiedensten Veranstaltungen als Gastredner auf.

Mahler gründete auch die deutschnationale Bürgerbewegung „Für Unser Land“, die sich für die Erhaltung der deutschen Identität einsetzte. Er nahm an Montagsdemonstrationen teil, unter anderem gegen das Schandmal in Berlin. In den folgenden Jahren verstärkte er den Kontakt zu Mitgliedern der NPD und veröffentlichte zusammen mit Franz Schönhuber das Buch „Schluss mit dem deutschen Selbsthass“.

Obwohl Horst Mahler den Parlamentarismus kategorisch ablehnte, wandte er sich in den späten 1990er-Jahren endgültig der nationalen Bewegung zu und trat widerwillig im August 2000 der NPD bei, um diese als Rechtsanwalt vor dem Bundesverfassungsgericht vertreten zu können. Von 2001-2003 vertrat er diese dann zusammen mit Dr. Eisenecker im ersten Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht und gewann, nachdem er offengelegt hatte, dass sich Kollaborateure, sprich V-Leute, im Vorstand der NPD befanden. Noch während der Urteilsverkündung schob er dem damaligen Parteivorsitzenden Udo Voigt seinen Mitgliedsausweis über den Tisch und trat aus. Seinen Austritt begründete er damals mit folgenden Worten: „Die NPD ist eine am Parlamentarismus ausgerichtete Partei, deshalb unzeitgemäß und – wie das parlamentarische System selbst – zum Untergang verurteilt.“

Zur Ablehnung des Parlamentarismus bemerkte Mahler, dass das System als „Farce“, zum „Schein“ empfunden werden könne, wenn die „Herrschaft des Kapitals“ mächtiger sei. Horst vertrat die Auffassung, dass das Parteiensystem eine „Systematik der Volksverdummung“ sei und machte unmissverständlich klar: „Parteien sind keine Werkzeuge des Volkes, sondern Instrumente der Herrschenden, um die Massen ruhigzustellen.“ Er kritisierte die NPD und ähnliche Gruppen dafür, dass sie sich an Wahlen beteiligten, statt eine „Revolution“ anzustreben, was er wie folgt zum Ausdruck brachte: „Nationale Parteien, die im System mitspielen, sind zum Scheitern verurteilt, weil sie die eigentliche Systemfrage nicht stellen.“ Zur Systemüberwindung gab er den Rat: „Die Lösung liegt nicht in Wahlen, sondern in der Zerschlagung des Systems.“ Nur außerparlamentarische Kräfte könnten eine wirkliche Veränderung bringen, und er brandmarkte gewisse Formen der Demokratie als dem Finanzkapital genehm. Hierzu bemerkte er, diese Formen seien nur „Deckmäntel für die plutokratische Fremdherrschaft“.

Auch nach seinem Austritt aus der NPD blieb Horst Mahler eine prominente Person in unseren Kreisen und engagierte sich fortwährend im Deutschen Kolleg, in welchem er regelmäßig referierte und Seminare abhielt. Am 9. November 2003 gründete er zusammen mit Ursula Haverbeck und weiteren Kämpfern für die Meinungsfreiheit den „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ (VRBHV), welcher zum Ziel hatte, „durch organisierte Anstrengungen die bisher vorherrschende Vereinzelung der Verfolgten aufzuheben, ihrem Kampf um Gerechtigkeit die notwendige Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu gewährleisten und die finanziellen Mittel für einen erfolgreichen Rechtskampf bereitzustellen“, wie es vonseiten des Vereins hieß. Der Verein, welchem ich ebenfalls angehörte, war also eine Institution, welche die Dissidenten im Rechtskampf um die freie Rede unterstützte. Der VRBHV wurde 2008 durch Innenminister Schäuble verboten.

Horst Mahler war ein Mensch, dem seine Überzeugung mehr galt als seiner eigenen Karriere und seinem persönlichen Wohlstand, und so führten seine revisionistischen Aktivitäten zu zahlreichen Verurteilungen wegen „Volksverhetzung“. Mehrere Gefängnisstrafen, die von 2006 bis 2020 mit einer Unterbrechung verbunden waren, prägten die letzten Jahrzehnte seines kämpferischen Lebens. Trotz schwerster gesundheitlicher Probleme, welche auf die unsittliche Behandlung eines alten Mannes durch die Justiz zurückzuführen sind, setzte er seine Aktivitäten fort und blieb seinen Idealen, seiner Weltanschauung und seinem Volke treu.

Der „politische“ Horst Mahler – „Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig“ (Hegel)

In nationalen Kreisen galt Horst Mahler zu Beginn seiner Aktivitäten als umstrittene Person. Nicht zuletzt, weil er eine untypische Vita vom „Linksterroristen“ zum nationalen Vordenker aufwies. In offensichtlicher Unkenntnis seiner eigenen Weiterentwicklung als Mensch tat man ihm Unrecht, denn es sollte sich herausstellen, dass er vielen unserer Aktivisten weit voraus war. Sein analytisches und zukunftsorientiertes Denken sowie die konsequente Verfolgung seiner Zielsetzungen ließen seine Handlungen oft als selbstvernichtend und „halsbrecherisch“ aussehen, doch dem war nicht so. Mit der Verteidigung von Frank Rennicke wegen sogenannter „Volksverhetzung“ war Horst Mahler gezwungen, sich mit den Argumenten des Revisionismus auseinanderzusetzen, und so kam er schnell zu dem Ergebnis, dass die gesamte Nachkriegsordnung auf dem Geschichtsbild der Sieger fußte. Horst Mahler, der sich immer als „revolutionärer Geist“ verstand, setzte sich deshalb zum Ziel, dieses Fundament zu zerstören. Diese Überzeugung formte den Horst Mahler, den wir heute kennen. Frei nach der Maxime von Luther: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“

Ich lernte Horst Mahler in Vlotho kurz nach der Gründung des VRBHV kennen und besuchte ab Februar 2004 seinen damaligen „Judaismusprozess“ am Landgericht Berlin in ganzer Länge. Bereits einige Monate nach Beginn des Prozesses entwickelte sich daraus ein engeres Verhältnis und er vertraute mir die Organisation seiner politischen Stammtische an. Im Laufe unserer politischen Zusammenarbeit entwickelte sich daraus eine Freundschaft, die es mir ermöglicht, heute diesen Nachruf zu schreiben.

Unmittelbar im Anschluss an den Berliner Judaismusprozess erfolgte die Auslieferung des Kämpfers für die Meinungsfreiheit – Ernst Zündel –, der durch die BRD-Justiz aus den USA nach Mannheim verschleppt wurde, nachdem er zuvor in zweijähriger Isolationshaft in Kanada wie ein Tier festgehalten worden war. Im Rahmen des Scheingerichtsverfahrens gegen Ernst Zündel und dessen Verurteilung zu fünf Jahren Kerkerhaft wegen gewaltfreier Meinungsäußerungen, kam der von Horst Mahler ausgerufene „Feldzug“ zum Tragen: Wir zeigten uns selbst an, nachdem wir ein Buch des Revisionisten Germar Rudolf verbreitet hatten. Mit der Ausrufung dieses „Feldzuges“ bezweckte Horst nicht, wie von vielen vorgeworfen, dass er die Kameraden „verheizen“ würde, sondern vielmehr unternahmen wir damit den Versuch, den unseligen „Volksverhetzungs“-Paragraphen zu kippen. Aufgrund der Tatsache, dass dies freiwillig geschah, kann von einem „Verheizen“ nicht die Rede sein. Sogar das Gegenteil ist der Fall, denn Horst Mahler verlor zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Wort, welches einen seiner Mitstreiter hätte in Bedrängnis bringen können. Er war stets kameradschaftlich und loyal.

Als politischer Mensch war er sehr zielstrebig, oft provokativ und tabu-brechend, analytisch präzise, voraussehend, konsequent und äußerst korrekt gegenüber Freund und Feind. Oft versuchte die Feindpropaganda ein Bild des unbelehrbaren „Antisemiten“ und „Judenhassers“, des Menschenfeindes und „Holocaustleugners“ zu zeichnen. Doch auch dies lief bei genauerer Betrachtung ins Leere, denn spätestens mit seinem letzten großen Buch ist von ihm klar herausgearbeitet worden, dass er die Juden als „sittliche Wesen“ ansieht, „indem sie ihr Handeln am Willen ihres Gottes Jahwe ausrichten“. Weiterhin unterstrich er immer wieder, dass den Juden nicht „ein Haar zu krümmen“ sei und dass er sich lediglich eine Abwendung von der jüdischen Religion wünsche, weil er diese als menschenfeindlich betrachtete.

Horst Mahler einige Monate vor seinem Tod mit der Tochter des Autors Kevin Käther

Der „private“ Horst Mahler

Als jahrelanger Wegbegleiter hatte ich das Privileg, den Privatmenschen Horst Mahler kennenlernen zu dürfen. Ob es nun auf den Touren mit dem Wohnmobil quer durch die Republik gewesen ist oder aber bei gegenseitigen Besuchen daheim: Horst Mahler war stets ein sehr angenehmer Zeitgenosse, welcher gerne die Natur genoss, wenn es die Zeit zuließ; der sich nach dem Befinden der Kinder und Haustiere seiner Wegbegleiter erkundigte; der gutes Essen liebte und der die Einfachheit der Dekadenz vorzog. Als Privatmensch war er äußerst bescheiden und sparte sich seine zur Verfügung stehenden Ressourcen für die politische Arbeit auf, anstatt sie sinnlos zu vergeuden. Er war stets sehr herzlich, höflich und aufmerksam. Auch nahm er sich die Zeit, um mit den Kindern am Kaffeetisch zu basteln oder ihnen Geschichten zu erzählen. Er genoss die Gespräche mit Kameraden, da dafür oft viel zu wenig Zeit blieb. Er stellte sich regelmäßig hinten an und ließ seinen Kameraden und Wegbegleitern den Vortritt. Erst kam das Wohl seiner „Mannschaft“ und dann er selbst! Selbstverständlich war er auch fordernd, wenn es das politische Geschehen verlangte, aber als Privatmensch war er äußerst angenehm und zuvorkommend.

Mit Horst Mahler geht uns ein revolutionärer Geist und Vordenker verloren, dessen politisches Wirken und Einsatz der Grundstein für die kommenden Generationen sein wird. Seine Feinde können zwar seinen Tod bejubeln, aber nicht mehr verhindern, dass wir uns seiner Ideen bemächtigen und sie weitertragen, denn der Geist lebt fort! Sein unerschütterlicher Einsatz soll uns ein Vorbild in einem zukünftigen freien Deutschen Reich sein.

Es war mir eine Ehre!

Erstveröffentlichung in Nationaler Sozialismus Heute #49

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