Historisches Kalenderblatt: 1.-16. August 1936 – XI. Olympische Sommerspiele in Berlin

Ich rufe die Jugend der Welt!

So stand es auf der „Olympia-Glocke“, welche zu den Feierlichkeiten der XI. Olympiade angefertigt wurde – und tatsächlich strömte die Jugend der Welt 1936 nach Berlin. Waren die Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen im Februar 1936 schon ein Riesenerfolg, wo viele Rekorde aufgestellt wurden [siehe Historisches Kalenderblatt in N.S. Heute #51], so übertrafen die Sommerspiele vom 1. bis 16. August 1936 alles bisher Dagewesene.

Boykottaufrufe im Vorfeld

Obwohl die Spiele bereits 1931 und damit noch zu Zeiten der Weimarer Republik nach Berlin vergeben worden waren, begannen die konkreten Vorbereitungen erst im Jahr 1933 – allerdings auch die Hetze und sogar Boykottrufe, als die Nationalsozialisten die neue Regierung im Deutschen Reich stellten. Insbesondere in den USA und in Kreisen linksradikaler Deutscher im Ausland wurde die Propaganda vorangetrieben. Allerdings setzten sich Ende 1935 moderate und deutschfreundliche Kreise in den USA durch und beschlossen die Teilnahme an den Spielen in Berlin, woraufhin sich auch andere Länder der Teilnahme anschlossen.

Lediglich die Sowjetunion, welche die Olympischen Spiele bereits seit dem Ende des Ersten Weltkrieges boykottierte, sowie Spanien, das zu dieser Zeit unter einer kommunistischen Regierung litt, verweigerten die Teilnahme. In Barcelona sollte sogar eine „Gegen-Olympiade“ durchgeführt werden, zu der im Juli 1936 mehrere hundert Kommunisten aus aller Welt anreisten. Allerdings wurde diese sogenannte „Volksolympiade“ kurzfristig abgesagt, weil der Spanische Bürgerkrieg ausbrach, der am Ende ein neues und freies Spanien unter Franco bedeutete.

Auch Irland nahm übrigens nicht an den Spielen teil – allerdings nicht aus Feindschaft gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland, sondern weil die Sportler aus dem englisch besetzten Nordirland nicht unter der irischen Fahne antreten durften. Der Protest richtete sich also gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) und nicht gegen Deutschland.

Größte Spiele ihrer Zeit

Letztendlich nahmen 49 Nationen mit fast 4.000 Athleten an den Sommerspielen in Berlin teil, darunter auch erstmals Länder wie Afghanistan, Bolivien oder Liechtenstein. Die größte Mannschaft stellte das Deutsche Reich (348 Sportler), dicht gefolgt von den USA (310) und an dritter Stelle Großbritannien (207). Mit dem Reichssportfeld und weiteren Infrastrukturmaßnahmen in und um Berlin wurden umfangreiche Mittel für das Gelingen der Spiele ein- und umgesetzt. Allein das Reichssportfeld mit dem Olympiastadion als Mittelpunkt kostete etwa 77 Millionen Reichsmark, was nach heutigem Wert etwa 400 Millionen € entspricht. Fast alle Bauten waren nachhaltig konzipiert, und nebenbei schaffte man dadurch auch für das deutsche Volk Arbeitsplätze in großer Zahl. Genau das wird heute in der etablierten Geschichtsschreibung oft kritisiert, was aber natürlich völlig absurd ist – vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass heutige sportliche Großveranstaltungen diese Ziele schon lange nicht mehr erreichen.

Neben den vielen Werbekampagnen für die Olympischen Sommerspiele im In- und Ausland erregte ein Ereignis besondere Aufmerksamkeit, das damals zum ersten Mal durchgeführt wurde und mittlerweile in die Tradition der Spiele eingegangen ist: der Olympische Fackellauf! Vielen Menschen ist heute nicht bewusst, dass der Fackellauf vom historischen Olympia in Griechenland zur jeweiligen Austragungsstätte erst seit 1936 existiert und unter anderem auf eine Idee von Carl Diem zurückgeht, der sie auch maßgeblich umsetzte. In einer meisterlich geplanten Aktion wurde die Olympische Flamme am 20. Juli 1936 in Olympia / Griechenland entfacht. 3.400 Fackelläufer transportierten die Flamme in einer Stafette über 3.075 Kilometer bis zum 1. August nach Berlin, wo sie schließlich durch den deutschen Leichtathleten Friedrich „Fritz“ Schilgen als Schlussläufer feierlich entzündet wurde.

Die Eröffnungsfeier im Berliner Olympiastadion wurde von 100.000 Zuschauern im Stadion verfolgt, dazu kamen Millionen an den Radiogeräten im In- und Ausland. Während ausnahmslos jede Mannschaft von den Zuschauern im Olympiastadion herzlich begrüßt wurde, brandete immer dann besonders viel Jubel auf, wenn eine Mannschaft (geschlossen) die Zuschauer mit erhobenem rechten Arm grüßte, wie es zum Beispiel die französische Olympiamannschaft tat. Die Franzosen beteuerten übrigens, es habe sich dabei um den „Olympischen Gruß“ gehandelt, der ähnlich wie die Grußform im alten Rom sowie neuzeitlich im faschistischen Italien und im nationalsozialistischen Deutschland aussah. Um derartigen „Verwechslungen“ vorzubeugen, wurde der Gruß bei den ersten Nachkriegsspielen in London 1948 übrigens nicht mehr akzeptiert. Die offizielle Eröffnung wurde von Adolf Hitler als Staatsoberhaupt vorgenommen, die Olympische Eidesformel sprach der deutsche Gewichtheber Rudolf Ismayr, der in dieser Disziplin die Silbermedaille gewinnen sollte.

Frontansicht der Olympischen Goldmedaille 1936

Fest der Völker

Im Verlauf der Spiele wurden 129 Wettkämpfe in 25 Disziplinen ausgetragen. Am Ende konnte sich das Deutsche Reich Platz 1 im Medaillenspiegel sichern, mit insgesamt 89 Medaillen, davon 33 in Gold. Auf Platz 2 folgten die USA mit 56 Medaillen (24-mal Gold), Platz 3 belegte Ungarn mit 16 Medaillen (10-mal Gold). Erfolgreichste Einzelathleten waren der us-amerikanische Sprinter und Weitspringer Jesse Owens mit vier Goldmedaillen, der deutsche Turner Konrad Frey mit sechs Medaillen (3-mal Gold) und die Schwimmerin Hendrika Mastenbroek aus den Niederlanden mit vier Medaillen (3-mal Gold) – damals wie heute zählte bei den Ranglisten die Zahl der Goldmedaillen vor der Gesamtzahl der Medaillen. Neben den Medaillen bekamen alle Sieger der einzelnen Disziplinen eine Urkunde, einen Eichenkranz sowie einen Setzling der sogenannten „Olympia-Eiche“ [siehe hierzu den Artikel in N.S. Heute #44]. Unter Sammlern wird eine Goldmedaille von 1936 aktuell übrigens mit bis zu 45.000 € gehandelt. 

Die Olympischen Spiele 1936 gingen auch deshalb in die Geschichte ein, weil sie professionell und mit den damals modernsten Mitteln geplant waren. Hinzu kam die Begeisterung des deutschen Volkes für die Wettkämpfe, die das ganze Land umspannte. Bezeichnend für die damalige Atmosphäre dürfte die spätere Aussage des schwarzen us-amerikanischen Goldmedaillengewinners Jesse Owens sein, der sinngemäß sagte, niemals besser und gleichwertiger behandelt worden zu sein als bei den Olympischen Spielen in Berlin. Während Owens nach seinen Siegen in Berlin nämlich genau die gleiche Ehre zuteilwurde wie jedem anderen Gewinner auch, wurde er vom damaligen US-Präsidenten Roosevelt nie im Weißen Haus empfangen, er schickte nicht einmal ein Glückwunschtelegramm, Owens durfte bei einer Ehrengala in New York nicht durch den Haupteingang gehen und musste im Bus wieder hinten sitzen.

Gelebte Völkerverständigung: Der ägyptische Basketballspieler Mohamed Rashad Shafshak im olympischen Dorf mit deutschen Helfern

Informatives und Kurioses

Niemals zuvor gab es von einer sportlichen Großveranstaltung eine so umfangreiche Berichterstattung wie bei den Olympischen Sommerspielen 1936. Neben Zeitungen und Radiostationen, die wie bereits bei den Winterspielen 1936 in die ganze Welt ausstrahlten, gab es erstmal in der Geschichte Livebilder im Fernsehen. Ein Berliner Fernsehsender übertrug in seinen Fernsehsälen zum Beispiel rund 19 Stunden Echtzeitbilder von den Wettkämpfen. Besonders innovativ waren die ersten Unterwasserbilder von den Schwimmwettbewerben. Insgesamt waren etwa 1.800 Journalisten für die Sommerspiele akkreditiert, davon allein 700 Ausländer aus 58 Staaten. 117 Fotografen konnten erstmals den neuen Farbfilm von Agfacolor einsetzen, und Leni Riefenstahl drehte ihren zweiteiligen Olympia-Erfolgsfilm, der bis heute unter Filmfreunden große Beachtung findet.

Die jüngste Athletin war 1936 gerade einmal 12 Jahre jung und trat für Dänemark im Schwimmen an, während der älteste Teilnehmer stolze 72 Lenze zählte und für Österreich beim Reiten antrat. Als Demonstrationssportarten gab es Baseball und Segelfliegen. Der Wettbewerb im Basketball wurde unter freien Himmel auf Tennisplätzen ausgetragen. Das verregnete Finale entschieden die USA gegen Kanada für sich und errangen somit die Goldmedaille. Beim Olympischen Fußballturnier schied Deutschland bereits in der Zwischenrunde gegen Norwegen aus. Ebenfalls in der Zwischenrunde kam es zum Spiel Österreich gegen Peru. Als es nach Verlängerung in der 119. Spielminute 4:2 für Peru stand, kam es kurz vor Spielende zu Ausschreitungen von peruanischen Zuschauern (hier ist nicht bekannt, ob Peru damit als Erfinder der „3. Halbzeit“ gilt), sodass eine Wiederholung des Spiels angesetzt wurde, zu welchem die peruanische Mannschaft aber aus unbekannten Gründen nicht angetreten ist und somit ausschied. Im Finale unterlag Österreich schließlich dem Königreich Italien mit 1:2.

Es gäbe noch viele Geschichten zu Olympia 1936 zu erzählen, was aber an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde. Festzuhalten gilt jedenfalls: Die Sommerspiele 1936 waren nicht nur am Gedanken der Nachhaltigkeit orientiert (im Berliner Olympiastadion wird heute immer noch gespielt), sondern finanziell sogar gewinnbringend für Deutschland, da allein eine halbe Milliarde Reichsmark an Devisen eingenommen wurde. Nie wieder gab es so viele Innovationen wie damals, wofür exemplarisch der erstmalige Fackellauf und die Echtzeitbilder im Fernsehen stehen. Das Konzept der staatlichen Unterstützung für Spitzensportler (zum Beispiel „Sportsoldaten“) wurde ebenfalls erstmals für die Spiele in Berlin umgesetzt.

Jesse Owens gewann nicht nur in drei Sprintwettbewerben, sondern auch im Weitsprung die Goldmedaille – während seines Deutschland-Aufenthaltes fühlte er sich übrigens sehr wohl, wie er auch später immer wieder beteuerte
Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 183-R96374, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Olympischen Spiele als Fest der Völkerverständigung und des sportlichen Wettkampfes fanden niemals wieder einen so großen Ausdruck und Nachhall wie im Deutschland des Jahres 1936, auch wenn interessierte Kreise und gekaufte „Historiker“ dies heute negieren wollen. „Ich rufe die Jugend der Welt!“ war das Motto dieser Spiele – und Deutschland war ein guter Gastgeber für die Völker der Welt, die sich im ehrenhaften sportlichen Wettstreit messen konnten.

Aktuell bewirbt sich Berlin übrigens für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2036, obwohl immer mehr politische Beobachter davon ausgehen, dass das heutige politische System bis dahin gar nicht mehr überleben wird. Wiederholt sich Geschichte manchmal eben doch?

Erstveröffentlichung in Nationaler Sozialismus Heute #54

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