
Die ersten Olympischen Winterspiele in Deutschland fanden vor 90 Jahren in Garmisch-Partenkirchen statt. Gab es die Olympischen Spiele der Neuzeit bereits seit 1896, so werden die Olympischen Winterspiele erst seit 1924 ausgetragen. Im Zuge der Vergabe der Olympischen Sommerspiele (1931) für das Jahr 1936 in Berlin, erhielt Deutschland auch das Vorzugsrecht, die Olympischen Winterspiele 1936 zu veranstalten.
Erst im Juni 1933 wurde die Vergabe der Spiele an Garmisch-Partenkirchen bekanntgegeben. Zuvor hatte sich im Deutschen Reich die bayerische Stadt unter anderem gegen Schreiberhau/Krummhüber in Schlesien, Oberhof in Thüringen und Braunlage/Schierke im Harz durchgesetzt. Übrigens wurden die Gemeinden Garmisch und Partenkirchen erst 1935 im Rahmen der Gemeindereform und des Gesetzes zur Gemeindeordnung (1935) zu der „Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen“ zusammengeschlossen, um auch die Organisation der Winterspiele zu vereinfachen. Das dürfte dann auch die Frage nach dem Bindestrich in dem Gemeindenamen erklären.

Noch bis kurz vor der Eröffnungsfeier war nicht wirklich klar, ob die Winterspiele durchgeführt werden könnten – denn es fehlte der Schnee! Die heute gebräuchlichen „Schneekanonen“ wurden erstmals 1964 im Odenwald eingesetzt und waren daher 1936 noch keine Option. Doch am 3. Februar 1936 konnte der Wetterdienst endlich Schneefall in Garmisch-Partenkirchen vermelden. Bereits am 4. Februar konnten 20 Zentimeter Neuschnee gemessen werden – die Spiele waren gerettet.
28 Nationen mit 646 Athleten marschierten am 6. Februar zur Eröffnungsfeier, bei Frost und starkem Schneefall, in das Olympia-Skistadion von Garmisch-Partenkirchen ein. Dies war zu diesem Zeitpunkt ein Teilnehmerrekord. Die Spiele wurden vom damaligen „Führer und Reichskanzler“ des Deutschen Reiches, Adolf Hitler, persönlich offiziell eröffnet. Den Olympischen Eid der Athleten sprach Wilhelm „Willy“ Bogner. Der Name Bogner dürfte auch heutigen Zeitgenossen ein Begriff sein: Zunächst durch die Mode- und Sportmarke „Willy Bogner“, welche bereits 1932 gegründet wurde, sowie dem 1942 geborenen Wilhelm „Willy“ Bogner junior, welcher nach eigenen sportlichen Erfolgen in Ski-Abfahrt und -Slalom im Jahre 1977 die von seinem Vater gegründete Firma übernahm. Des Weiteren erlangte Bogner junior wegen der Filmaufnahmen von diversen „James Bond“-Filmen Bekanntheit, wo er bereits 1969 in dem Bond-Film „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ spektakuläre Aufnahmen als Ski-Kameramann anfertigte.
Die Winterolympiade 1936 konnte mit einigen Rekorden und Besonderheiten aufwarten: Neben dem Teilnehmerrekord von Nationen und Athleten, gab es auch einen Zuschauerrekord von insgesamt 500.000 Besuchern, alleine 150.000 waren bei der Abschlussfeier. Ein eigens gegründeter Olympia-Rundfunksender strahlte bis zu 35 Sendungen am Tag über das olympische Geschehen aus – weltweit. Erstmals waren auch Frauen bei den Winterspielen zugelassen, ebenso neu waren die alpinen Abfahrten und Slalom-Wettbewerbe. Die „Millitärpatrouille“, heute als Biathlon bekannt, war 1936 als Demonstrationswettbewerb zugelassen.

© Ludwig Hohlwein, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Den Eishockey-Wettbewerb gewann Großbritannien. Das ist deshalb erwähnenswert, weil das Vereinigte Königreich zuvor einfach zehn ihrer zwölf Spieler aus Kanada eingebürgert hatte, allesamt natürlich absolute Weltklasse-Spieler. In der olympischen Gemeinde sorgte das verständlicherweise für starken Unmut. Im Medaillenspiegel belegte Norwegen vor Deutschland und Schweden den 1. Platz.
Reichsminister Dr. Joseph Goebbels notierte später in seinem Tagebuch: „Das haben wir gut gemacht. Viel Arbeit hat’s gekostet. Doch hat es sich gelohnt.“ Somit waren die Olympischen Winterspiele 1936 so erfolgreich und hinterließen beim Internationalen Olympischen Komitee einen derart guten Eindruck, dass es im Jahr 1939 die geplanten Olympischen Winterspiele 1940 wiederum an Deutschland und Garmisch-Partenkirchen vergab (nachdem Saporro wegen des Japanisch-Chinesischen Krieges zurückziehen musste und die Neuvergabe an St. Moritz wegen Differenzen mit dem Internationalen Olympischen Komitee rückgängig gemacht wurde). Wie wir aus der Geschichte wissen, kam es leider nicht zur Durchführung dieser Winterspiele, da das Deutsche Reich im September 1939 in den Krieg gezwungen wurde, der sich schon bald zum Zweiten Weltkrieg ausdehnen sollte. Es sollte daher noch bis 1964 dauern, als im österreichischen Innsbruck das erste Mal wieder Olympische Winterspiele auf deutschem Boden stattfanden, wenn auch nicht mehr in einem Deutschen Reich.
In der Geschichte der Olympischen Spiele der Neuzeit bleiben aber die Winterspiele 1936 als besonderes Highlight bis heute bestehen. Und das sollte sich auch für die folgenden Sommerspiele im August 1936 in Berlin bestätigen. Aber dazu werdet ihr zu gegebener Zeit noch lesen – hier im Historischen Kalenderblatt.

Erstveröffentlichung in Nationaler Sozialismus Heute #51