Japan: Zu Besuch bei den Preußen Asiens (Teil 1/2)

Auf diese Reise hatten wir monatelang hingefiebert: Das ICEPICK-Festival bot zwar den Anlass für unseren Kultur- und Bildungsurlaub, doch uns war natürlich klar, wenn wir schon 10.000 Kilometer zurücklegen, um in das Land der aufgehenden Sonne zu reisen, dann wollen wir noch deutlich mehr erleben. Unsere achttätige Reise im September führte uns zu Tempeln und Schreinen, zum Berg Fuji und in das historische Zentrum der Samurai, in ruhige Parkanlagen, aber auch zur größten Fußgängerkreuzung der Welt und in den Sündenpfuhl Shinjuku. Wir lernten die Mentalität und Alltagskultur der Japaner kennen – doch ist dort wirklich alles noch so, wie man es aus den Ratgebern für Touristen gelernt hat?

Allein für die Anreise mussten wir anderthalb Tage veranschlagen. Der Sicherheit wegen flogen wir über Amsterdam – man weiß schließlich im freiesten Deutschland aller Zeiten nie, was einen bei der Passkontrolle erwartet, wenn man als Oppositioneller einfach nur in den Urlaub fliegen möchte. Doch das machte uns nichts aus, genauso wenig wie der lange Flug mit einem Umstieg in Hongkong, denn es obsiegte die Vorfreude auf das, was uns erwarten würde.

Als wir am späten Dienstagnachmittag endlich in Tokio ankommen und unsere Hotelzimmer beziehen können, inspizieren wir zunächst die nähere Umgebung, die – wie könnte es auch anders sein – von Restaurants und Kneipen gesäumt ist. Im ersten von uns frequentierten Lokal fragt uns ein Einheimischer, ob wir vom Militär seien – wahrscheinlich aufgrund des Eisernen Kreuzes, das ein Kamerad um den Hals trägt. Das erste richtige Gespräch mit einem Japaner verläuft jedenfalls direkt sehr freundlich, und der Satz „Das nächste Mal ohne Italien“ sorgt für allgemeine Erheiterung bei Deutschen und Japanern gleichermaßen. In einer anderen Bar führt ein sprachliches Missverständnis dazu, dass eine Gruppe Japaner glaubt, ein Kamerad unserer Reisegruppe wäre Besitzer einer großen deutschen Brauerei, was von den Einheimischen mit einer Runde Bier für alle beantwortet wird. Auch unser „Stammlokal“ für die nächsten Tage finden wir bereits am ersten Abend: Unweit unseres Hotels entdecken wir ein kleines Restaurant, das von einem freundlichen Chinesen geführt wird und wo wir am Ende unserer jeweiligen Tagesanstrengungen einkehren, um einen Absacker zu trinken.

Garten des Kaiserpalastes mit Koi-Teichen

Yasukuni-Schrein – ein einzigartiges Heiligtum zu Ehren gefallener Krieger

Schon morgens ist es sehr heiß und drückend, als wir unsere Führung durch die Gärten des Kaiserpalastes beginnen – vor allem an die hohe Luftfeuchtigkeit werden wir uns noch zu gewöhnen haben. Immerhin achtet Aska, ein kleines Emo-Mädchen, das sich als unsere Führerin vorstellt, darauf, dass wir die meiste Zeit im Schatten bleiben können. In dem weitläufigen Parkgelände befand sich in der Edo-Zeit (1603-1868) die Burg der herrschenden Shogune, von der heute nur noch einige Ruinen übrig sind. Beim Spaziergang erklärt uns Aska etwas über die Samurais als Garde und Beschützer des Palastes, sowie den Unterschied zu den Ninjas: Während die Samurai-Krieger nicht nur im Alltag, sondern auch im Kampf viel Wert auf ein ehrenhaftes Verhalten legten, wurden Ninjas auch als heimtückische Meuchelmörder eingesetzt. Etwas überrascht reagiert Aska, als wir ihr die nächste Station unserer Tagesplanung mitteilen, denn der Yasukuni-Schrein gehört offensichtlich nicht zu den Orten für typische europäische Touristen – doch solche sind wir schließlich auch nicht.

Drei Schreintore passiert der Besucher, um zu diesem Heiligtum der ganz besonderen Art zu gelangen. In dem Shinto-Schrein (Shinto ist die tief in der japanischen Mythologie wurzelnde Nationalreligion des Landes) werden die Leistungen derer geehrt, die ihr Leben in Kriegen und nationalen Krisen für ihr Land gegeben haben. Das Heiligtum wurde nach dem „Boshin-Krieg“ 1868/69 errichtet, als die Tokugawa-Familie, die damals noch die Macht innehatte, von Anhängern des Kaisers gestürzt wurde. Die Amtszeit des Kaisers Meiji (1867-1912) war geprägt von einer staatlichen und gesellschaftlichen Modernisierung des Landes, weshalb diese Zeit auch als „Meiji-Restauration“ bezeichnet wird. Der „Tenno“, so der offizielle japanische Herrschertitel, gab dem Schrein schließlich den Namen „Yasukuni“, was in etwa bedeutet, den Frieden für die gesamte Nation zu bewahren.

Der Schrein birgt heute insgesamt 2.466.000 Seelen, die in den Konflikten seit 1853 ihr irdisches Leben verloren haben und nun als Gottheiten verehrt werden. Keineswegs handelt es sich dabei nur um die Geister der Soldaten: So werden etwa auch Frauen geehrt, die an Hilfsaktionen auf den Schlachtfeldern beteiligt waren; Schüler, die in Fabriken für kriegswichtige Produktion arbeiteten; Zivilisten, die in sibirischen Arbeitslagern starben, sowie explizit auch „diejenigen, die als Kriegsverbrecher gebrandmarkt und nach den Prozessen der Alliierten hingerichtet wurden“. Letzteres führt immer wieder dann zu Protestnoten beispielsweise der ehemaligen Kriegsgegner China und Korea, wenn hochrangige japanische Parlaments- und Regierungsmitglieder den Schrein besuchen. Seit 2005 befindet sich auf dem Gelände sogar ein Denkmal für den Richter Radha Binod Pal. Der Inder Dr. Pal war im sogenannten „Tokio-Tribunal“ (das japanische Äquivalent zu den Nürnberger Hauptprozessen) der einzige Richter, der alle Angeklagten für nicht schuldig befand.

Bereits die zum Yasukuni-Schrein führende Straße ist gesäumt von Denkmälern. Das neueste Denkmal wurde im Jahr 2020 errichtet und symbolisiert eine Abschiedsszene, in der sich die Eltern, die Frau und die Kinder eines Soldaten verabschieden, der in den Krieg ziehen muss. Wenn der Besucher die drei Eingangstore passiert hat, gelangt er frontal zu der Haupthalle („Haiden)“, wo er den Seelen die Ehrerbietung erweisen kann. Dies geschieht nach traditionellem Ritus dadurch, dass er sich zunächst an einem Becken die Hände und den Mund wäscht, eine Münze in einen Kasten wirft, zweimal in die Hände klatscht und sich anschließend verbeugt. Der „Honden“, der sich hinter der Haupthalle befindet und nicht öffentlich zugänglich ist, stellt das Hauptheiligtum des Schreins dar, in dem die Gottheiten residieren. Die Gefallenen gelten im Tode, unabhängig von ihrem Rang und ihrer sozialen Stellung zu Lebzeiten, als völlig gleichberechtigt. Nach traditionellem japanischem Glauben lassen sich Respekt und Ehrfurcht vor den Verstorbenen am besten dadurch ausdrücken, dass man die Toten so behandelt, als wären sie noch am Leben. Deshalb werden im Honden täglich Rituale durchgeführt, bei denen den Toten Mahlzeiten dargeboten und Worte der Anerkennung ausgesprochen werden.

Auf dem Rundgang entdeckt der Besucher eine Vielzahl verschiedener Denkmäler, etwa einen 1970 von einem Inspekteur der Deutschen Luftwaffe gepflanzten Baum, oder auch Statuen für die in den Kriegen „gefallenen“ Tiere. Die lebensgroßen Bronzestatuen zeigen ein edles Ross, um das Andenken der Pferde zu ehren, die dem Militär treu dienten, eine Brieftaube auf einem Globus für die Vögel, die in Kriegszeiten treue Boten waren, sowie einen Deutschen Schäferfund, der die geliebten tierischen Kameraden der Soldaten darstellt.

Am Ende unseres Besuches im Yasukuni-Schrein bleibt uns leider kaum noch Zeit für das Yushukan-Museum, das eine umfangreiche Sammlung von 100.000 Objekten zur japanischen Militärgeschichte beherbergt, darunter Gemälde, Skulpturen, Waffen und Rüstungen. Das Museum zeigt viele originale Uniformen aus den verschiedenen Kriegen sowie Bilder der Soldaten, die diese getragen haben. In großen Gedenkräumen sind zehntausende Soldaten mit Fotos und Namen verewigt. Die gesamte Ausstellung stellt den großen Stolz der japanischen Nation auf ihre Militärgeschichte und die Waffentaten ihrer Helden unter Beweis.

Während des Rundgangs hört man von den deutschen Kameraden immer wieder den Satz „So etwas wäre bei uns nicht möglich…“, und tatsächlich wird das Fehlen einer deutschen Erinnerungskultur immer dann umso schmerzlicher bewusst, wenn man sich in einem Land aufhält, in dem eine solche selbstverständlich ist. Was könnten militärhistorische Museen in Deutschland für Heldengeschichten erzählen, wie einfach könnte man der deutschen Jugend den Stolz auf die eigene Nation und Geschichte näherbringen! Obwohl Japan ebenfalls zu den Verlierern des letzten großen Völkerringens zählte, ist die Gedenkkultur dort eine vollkommen andere als bei uns. So wäre es in Japan zum Beispiel vollkommen undenkbar – selbst für Kommunisten –, dass irgendjemand auf die Idee kommen könnte, die Bombardierungen von Hiroshima und Nagasaki zu rechtfertigen. Das Feiern allliierter Kriegsverbrechen und Massenmorde ist eine psychotische Krankheit, deren geographische Ausbreitung als Folge jahrzehntelanger Gehirn- und Charakterwäsche auf Deutschland beschränkt bleibt. 

Das Daiichi-Tor weist den Weg zum Yasukuni-Schrein

Statue des Soldatenabschiedes

Im Yasukuni-Schrein werden sogar die in Kriegszeiten „gefallenen“ Tiere geehrt, wie hier der Deutsche Schäferhund

Ehrengalerie der gefallenen Soldaten im Yushukan-Museum

Schwarze Eier und Quellwasser aus dem Fuji

Nachdem wir am Vortag viel fußläufig unterwegs waren, genießen wir am Donnerstag eine Tagestour mit dem Reisebus, die uns über mehrere Stationen in die Nähe des Berges Fuji außerhalb Tokios führt. Wir haben dabei wirklich Glück, dass der Fuji (die in Deutschland geläufige Bezeichnung „Fujiyama“ ist wahrscheinlich die Folge eines Übersetzungsfehlers eines japanischen Schriftzeichens) an diesem Tag nicht, wie so oft, in dichten Nebel getaucht ist, sodass wir immer wieder einen sehr guten Blick auf den 3.776 Meter hohen Berg haben. – Das nächste Mal ist dann wohl eine Wanderung auf den Fuji-Gipfel fällig.

Vor dem Besuch des Hakone-Schreins lernen wir den Unterschied zwischen Tempeln und Schreinen: Während die Tempel für den Buddhismus oft mit Buddha-Statuen, Pagoden und Räucherstäbchen assoziiert werden, gehören die Schreine zur Shinto-Religion, die durch das rote Eingangstor gekennzeichnet sind und der Verehrung der shintoistischen Kami-Götter dienen. In einem Schrein werden allerdings nicht nur Gottheiten verehrt, sondern der Besucher ehrt auch die Geister seiner Vorfahren, betet für seine Familie und für sich selbst. Sowohl Shintoismus als auch Buddhismus werden von etwa 65-70 Prozent der Bevölkerung ausgeübt, was sich dadurch erklärt, dass beide Religionen oft parallel zueinander praktiziert werden.

Während dieser Tagestour, die wir jedem Japan-Touristen sehr empfehlen können, unternehmen wir auch eine Fahrt mit dem Piratenschiff auf dem Ashi-See und fahren mit der Seilbahn in das Tal Owakudani, wo als Spezialität „schwarze Eier“ verköstigt werden, die in vulkanischem Quellwasser gekocht werden. Man sagt, ein solches Ei zu essen, verlängere das Leben um sieben Jahre – was die Wahrscheinlichkeit, dass wir die politische Wende in Deutschland noch miterleben, jedenfalls deutlich zu steigern vermag. Zum Abschluss trinken wir in dem malerischen Ort Oshino Hakkai eine Flasche Quellwasser aus dem Fuji und haben damit an diesem Tag unbestreitbar einiges für unsere Gesundheit getan.

Der Abend führt uns schließlich in den berühmten Sündenpfuhl Shinjuku, das Amüsierviertel Tokios, wo am Sonnabend auch das ICEPICK stattfindet. Über Lautsprecher wird man in englischer Sprache davor gewarnt, sich von Touristenfängern mit falschen Versprechungen in teure Nachtlokale locken zu lassen. Wir haben ohnehin kein Interesse an irgendwelchen Tittenbars und lassen den Abend lieber im sympathischen „Cafe 88“ ausklingen…

Die „schwarzen Eier“ sind eine regionale Spezialität und sollen ein langes Leben garantieren – sie schmecken allerdings ganz normal

Rotlicht- und Amüsiermeile in Shinjuku

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Erstveröffentlichung in Nationaler Sozialismus Heute #50

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