
Wisst Ihr noch wie es vor etwa 10 Jahren war, als große Demonstrationen gar nicht mal so selten waren? Etwas vernünftige Mobilisierung und schon waren einige hundert Aktivisten zusammengebracht, um irgendwo in der Republik Gesicht zu zeigen. Dass das alles so lief, waren die Früchte aus jahrelanger Vorarbeit und wurde getragen von Netzwerken, die sich über Jahre aufgebaut hatten. Rechts sein war gesellschaftlich betrachtet sicher kein Trend, aber im nationalen Spektrum gab es schon eine klare Richtung: einen Trend zum Straßenaktivismus. Wer nicht auf der Straße präsent war und lieber im Licht des heimischen Monitors nur von der Revolution träumte, war ziemlich irrelevant. Politik von rechts hatte zu der Zeit noch einen harten Kern von Aktivisten, die die Aktionen prägten, über die später im Netz diskutiert wurde.
Diese über viele Jahre aufgebaute Demonstrationskultur hatte ab 2020 deutlich an Energie verloren. Im Windschatten der Corona-Politik und den damit verbundenen Einschränkungen, schienen dann Bürgerproteste das Feld neu aufzurollen. Viele Aktivisten begrüßten das, weil sie das Gefühl hatten, dass endlich das Hamsterrad verlassen werden kann und man den Schulterschluss zu neuen Gesellschaftsschichten vollziehen könne. In Mitteldeutschland funktionierte das eine Zeitlang auch wirklich gut. Überall formierte sich Widerstand gegen die etablierte Politik, die die bürgerlichen Freiheiten immer weiter einzukassieren schien. In Westdeutschland wirkte das alles zwar schon damals nicht ganz so erfolgversprechend, aber auch im Westen gab es, wenn auch in bescheidenerem Ausmaß, Veranstaltungen von und mit Leuten, die man früher nie auf die Straße bekommen hätte. Getragen von dem Gefühl, dass man diese bürgerlicheren Kreise nicht sofort verschrecken möchte, beteiligten sich beinahe überall gestandene Aktivisten unauffällig an solchen Demonstrationen.
Wie der NW in seinen Dornröschenschlaf geriet
Heute sehen wir, wohin uns dieser Weg geführt hat. Straßenaktivismus von rechtsaußen war bis weit ins Jahr 2024 eine ziemliche Seltenheit geworden. Aus vielen Gesprächen mit langjährigen Kameraden weiß ich, dass die Frage, wie es dazu kommen konnte, vielen Kopfzerbrechen bereitet.
Zu offensichtlich ist, dass der herbeigesehnte Schulterschluss mit bürgerlichen Kräften nicht die erwünschten Folgen hatte und die früher aktiven regionalen Strukturen des Nationalen Widerstandes entweder komplett verschwunden sind oder sich zumindest in einer Art Dornröschenschlaf befinden. Woher das kommt? Fragt Ihr Euch das wirklich?
Erst buhlt Ihr um den Respekt von jedem kleinen Spießer und dann fragt Ihr Euch, wo danach die revolutionäre Energie geblieben ist? Ich bitte Euch! Denkt doch einfach mal nach: Das ist genau wie es der Energieerhaltungssatz in der Physik sagt, Energie wird weder erzeugt noch geht sie verloren, sie wechselt nur von einer Form in die andere.
Was ich Euch damit sagen will: Nicht Ihr habt die Spießer in Eure – in unsere – Welt geholt, sondern Ihr seid Teil ihrer Welt geworden. Ihr seid mitgeschwommen ohne eigene Akzente zu setzen und wundert Euch nun, dass die Leute, die Ihr missionieren wolltet, nicht automatisch bei Euch gelandet sind. Die meisten, die Ihr gewinnen wolltet, sind dafür im Umfeld einer Partei gelandet, die von den Medien im Moment gern „gesichert rechtsextrem“ genannt wird, von der Ihr aber genau wisst, dass das leider nicht der Wahrheit entspricht, sondern höchstens auf einzelne Funktionäre und ein paar Parteigliederungen zutrifft. Es wird Kameraden geben, die sich mit dem Satz „Besser als nichts“ dabei beruhigen, aber wie weit das von unserem Anspruch entfernt liegt, ist leider offensichtlich.
In Momenten, in denen Ihr nicht gerade ins Grübeln über solche Dinge verfallen seid, beruhigt Ihr Euch damit, dass man nun mit dem Nachbarn über die Wahlerfolge der AfD reden kann und die ganze Republik ein gutes Stück nach rechts gerückt ist. Fühlt sich alles ja auch nicht schlecht an, nicht wahr? Nicht ganz so gut wie das Gefühl, was man früher hatte, als man selbst noch versucht hat, Impulse zu setzen und den Karren aus dem Dreck zu ziehen, aber man ist ja auch älter geworden und da kann man das Feld (und den Ärger) ja auch mal anderen überlassen. Kennt Ihr solche Gedanken?

© Junge Nationalisten
Restauration der bürgerlichen Vernunft?
„Sven, metapolitisch ist das ein großer Wurf. Wer hätte das vor 10 Jahren gedacht, wo Deutschland heute steht?“ Niemand. Sicher hätte niemand gedacht, dass Aktivisten, die von der Symbiose aus Nationalismus und Sozialismus geträumt haben, für bürgerliche Politik applaudieren und Standpunkte, die CDU/CSU in den 1980er Jahren vertreten hätten, feiern. Merkt Ihr, worauf ich hinaus will?
Natürlich ist es enorm, was für eine Verschiebung des Meinungsspektrums in den letzten Jahren gesamtgesellschaftlich betrachtet vollzogen worden ist. Es wirkt wie die Rückkehr bürgerlicher Vernunft als Antwort auf einen falschen Zeitgeist, unter dessen Deckmantel das Hab und Gut des deutschen Volkes an die ganze Welt verteilt worden ist. Das Overton-Fenster – also der Rahmen an Ideen, die im öffentlichen Diskurs als politisch akzeptabel angesehen werden – hat sich verschoben und ist noch merklich in Bewegung. Wohin die Reise führt, ist dabei noch unklar. Natürlich ist der Schaden, der in den letzten Jahren angerichtet worden ist, noch lange nicht repariert und die dahinterstehenden Kräfte haben ihre Macht längst noch nicht verloren. Im Moment wirkt es aber so, als würde es auf eine Renaissance bürgerlichen Denkens hinauslaufen.
Das schadet – zumindest im Vergleich zur Politik der letzten 20 Jahre – sicher erst einmal nicht, aber rettet auch nicht unser Volk aus seiner Misere. Die Bundesrepublik war auch in den 1980er-Jahren weit davon entfernt, ein Ort zu sein, der als Ideal für den deutschen Menschen anzusehen gewesen wäre. Die 80er waren die Bühne, in der junge Idealisten wieder anfingen das Bild von der Symbiose aus Nationalismus und Sozialismus zu propagieren. Ihr erinnert Euch, das waren die Leute, die den Weg geebnet hatten, als Ihr in den Nationalen Widerstand gestartet seid. Wenn wir also auf eine Renaissance der bürgerlichen Gesellschaft zusteuern, nähern wir uns keinem Endziel, sondern höchstens einem bequemeren Startpunkt für fundamentale Gesellschaftskritik. Einen Frieden mit diesem System kann es nicht geben, wenn man es ernst meint mit dem Erhalt des deutschen Volkes.
Der neue Widerstand formiert sich
Es wirkt ein bisschen so, als würde ein neuer Zyklus des Widerstandes beginnen. Gruppen müssen wiederaufgebaut werden, damit man nicht nur die Restaurationsbemühungen konservativer Kräfte beklatschen kann. Es braucht Strukturen, über die aktiv politischer Widerstand organisiert werden kann und Impulse gesetzt werden können, um das Overton-Fenster auch jenseits bürgerlicher Tagträume weiter für echte Zukunftsvisionen zu öffnen. Für die Leser einer Zeitschrift wie der N.S. Heute klingt das in der Theorie wahrscheinlich alles erst einmal recht logisch und sicher auch nicht schlecht, schließlich hat sich das eigene Selbstverständnis trotz aller Lethargie noch nicht ins bürgerliche Leben verabschiedet.
Ihr fragt Euch, was das praktisch für uns bedeutet und ob so viele Worte nur zur Ermahnung nötig sind?
Nein, nur zur Ermahnung wären sie das sicher nicht. Wer in den letzten Monaten die Berichterstattung der etablierten Medien über nationale Demonstrationen und Gruppen verfolgt hat, weiß, dass sich bereits neuer Widerstand formiert. In so ziemlich jedem Artikel über nationale Demonstrationen findet man Formulierungen wie: „Auffallend waren wieder die sehr jungen Teilnehmer:innen, dies zeigte sich bereits bei ähnlichen Versammlungen in diesem Jahr.“
Der Tenor ist immer derselbe: Auffallend junge Deutsche zeigen offen, dass sie unzufrieden sind mit der Gesellschaft, in die sie hineingeboren wurden und haben kein Problem damit Gesicht zu zeigen. Dort wo die Medien sie „rechtsextrem“ nennen, fühlen sie sich nicht diffamiert, sondern bestärkt. Rechts sein scheint trotz aller Sanktionen in Schule, Studium und Beruf eine Art Trend zu werden. Das klingt doch toll, nicht wahr?
Ist es auch. Von solchen Ansätzen und solchem Zulauf von unorganisierten Jugendlichen auf Veranstaltungen konnten wir vor 10 Jahren nur träumen. Natürlich ist dort, wo so viel Licht ist, auch viel Schatten zu finden – und das ist leider auch ein Punkt, den wir uns erst einmal selbst ankreiden müssen. Die Welle an jungen Leuten ist heute meist nicht deshalb auf der Straße, weil sie in ihrer Heimatstadt auf arbeitende nationale Strukturen gestoßen wäre. Die Welle junger Leute schwappt aus sozialen Netzwerken wie TikTok und Instagram in unsere Reihen. Radikalisiert haben sie sich selbst aus dem Gefühl heraus, dass in ihrer Heimat etwas nicht stimmt. Wer einmal anfängt, sich in eine Richtung zu informieren, bekommt von Algorithmen, die darauf ausgelegt sind, dass Menschen möglichst viel Zeit in der jeweiligen App verbringen, immer mehr Inhalte geliefert, die die Interessen widerspiegeln und das vorherrschende Gefühl unterstützen. Was die Firmen hinter diesen Netzwerken aus kommerziellen Gründen so angelegt haben, ist also durchaus in der Lage, gesellschaftliche Entwicklungen auch in unserem Sinne zu verstärken. Das, was wir heute sehen, ist genau das Resultat davon.
Ansporn der Jugend ist Verpflichtung für erfahrene Aktivisten
Es sind Jugendliche, die sich intensiv in diese stark visuell geprägten Netzwerke einbringen und darüber auch Ansätze eines Weltbildes für sich zusammengesetzt haben. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Weltbild, was über Videoschnipsel, die oft kaum länger als eine Minute sind, geformt wird, einige Mängel aufweisen wird.
Anders ist es auch kaum zu erklären, was wir über die letzten Monate beobachten konnten. Es gibt inzwischen unzählige Gruppen, die sich über TikTok und andere Netzwerke gegründet haben und nun versuchen, auch im echten Leben präsent zu werden. Manche Aktion ist dabei vielleicht sogar nur getrieben von der Gier nach Aufmerksamkeit und Klicks in der eigenen Bezugsgruppe, aber die Richtung, in die diese jungen Gruppen starten, ist ohne Frage richtig und wird wieder andere mitziehen. Wenn man sie dabei allein lässt, läuft es automatisch darauf hinaus, dass viele Lektionen, die wir in den vielen Jahren des Straßenaktivismus lernen mussten, erneut gemacht werden müssen.
Wer ehrlich zu sich selbst ist, weiß, dass das keine gute Zukunftsaussicht sein kann. Jeder von uns erinnert sich, wie viele Aktivisten durch Repression verloren gegangen sind. Manchmal trennte sich dabei die Spreu vom Weizen, aber viele sind auch einfach auf der Strecke geblieben, weil sie im jugendlichen Überschwang Dummheiten machten, die weder ihnen noch Deutschland geholfen haben.
Wir stehen nun vor einer neuen Generation, die in die Öffentlichkeit drängt. Ob uns das Bild, was dabei entstehen wird, gefällt oder nicht, liegt stark an uns. Wenn wir sie allein laufen lassen, verlieren wir das Recht darüber zu schimpfen, wenn Aktionen aus dem Ruder laufen oder ein desolates Bild abgegeben wird.
Beispiele davon wie Veranstaltungen nicht aussehen dürfen, haben wir speziell mit den Veranstaltungen, die in den letzten Monaten in Berlin von einer diabolischen Figur mit türkischen Wurzeln veranstaltet worden sind, bekommen. Wenn ein gut klingendes Motto reicht, um als volksfremder Selbstdarsteller hunderte junge Deutsche anzuziehen und am Ende dabei Bilder produziert werden, die konträr zu unserem Weltbild sind, dann ist etwas entschieden falsch gelaufen. Nicht nur bei den jungen, führungslosen Teilnehmern, sondern auch bei uns. Bei den Leuten, die nicht eingegriffen haben, bei den Leuten, die keine Verantwortung übernommen haben, weil es bequemer war auf dem heimischen Sofa zu bleiben und sich im Nachhinein aufzuregen.
Wir können im Nachhinein darüber klagen und auch sagen, dass es so etwas vor 10 Jahren nicht gegeben hätte, aber jeder, der das tut, ist damit auf dem Niveau des Stammtischpatrioten angekommen. Auf dem Niveau derjenigen, die nur klagen und nicht mehr kämpfen.
Ich halte das für falsch und hoffe, dass die Leute, die über lange Zeit gute Aktivisten waren, ihre Verantwortung erkennen und endlich anfangen daran mitzuarbeiten, dass der Trend nach rechts eine Form bekommt, die auch in der Außendarstellung unserem Weltbild entspricht. Unser Weltbild, unsere Ideale sind genau das, was diese jungen Aktivisten suchen. Wir müssen es ihnen nur nahebringen. Eine Jugend ohne Vorbilder wäre gezwungen, ihre Erfahrungen allein zu machen. Das kann nicht in unserem Sinne sein!
Erstveröffentlichung in N.S. Heute #48
