
N.S. Heute: Hallo Enid! Wir sprechen mit Dir heute über unser Leitthema „Nationalismus und Erziehung“. Du bist jetzt 16 und kommst aus einem überzeugten nationalen Elternhaus. Wann hast Du zum ersten Mal gemerkt, dass Deine Eltern politisch anders eingestellt sind als die meisten anderen?
Enid: Ich wusste schon zu meiner Kindergartenzeit, dass meine Familie andere politische Überzeugungen hatte. Ich lehnte beispielsweise schon damals den Kontakt zu fremdländischen Kindern ab, und mir war bewusst, dass dies für die anderen deutschen Kinder um mich herum nicht galt. Ich glaube, ich war 5 Jahre alt, als ich meiner Nachbarin/Freundin erklärte, dass der „Führer Härte befohlen“ habe – und ich war wohl auch das einzige Kind in meinem Umfeld, das in dem Alter wusste, wer Adolf Hitler war.
N.S. Heute: Wie hast Du in der Schule reagiert, wenn Dir dort etwas völlig anderes erklärt wurde als das was Dir Deine Eltern beigebracht haben? Zum Beispiel in Bezug auf das Ausländer-Thema oder die deutsche Geschichte, insbesondere den historischen Nationalsozialismus?
Enid: Mit dem Ausländer-Thema kam ich schon sehr früh in der Grundschule in Kontakt, da in meiner damaligen Klasse von über 20 Schülern nur 6 deutscher Herkunft waren. Auf der Tagesordnung hatten wir ständig das Thema Integration und wie wir den „armen Flüchtlingen“ helfen könnten. Das in Kombination mit dem unausstehlichen Verhalten mancher ausländischen Kinder sorgte damals schon für viel Frust bei mir und führte gelegentlich zu verbalen aber auch körperlichen Auseinandersetzungen, bei denen ich am Ende als Deutsche natürlich die Schuldtragende war.
Das Thema hatte sich dann Gott sei Dank erledigt, als ich nach der 4. Klasse auf eine Privatschule wechselte und nur noch eine Ausländerin in der Klasse hatte. Dort wurde das Thema Nationalsozialismus tatsächlich auch erst in den letzten beiden Schuljahren behandelt. Dabei kann ich sagen, dass es mir wirklich nicht leichtfällt, einem Geschichtslehrer zuzuhören, der ständig immer wieder die gleichen Worte an die Klasse richtet, die meiner mittlerweile sehr gefestigten Meinung so widersprechen. Ventil für meine angestauten Worte ist dann meine beste Freundin, bei der ich all das rauslassen kann, was ich am liebsten vor der ganzen Klasse gesagt hätte.
N.S. Heute: Hattest Du auch Probleme dadurch, die Tochter von einem relativ bekannten „Nazi-Vater“ zu sein, zum Beispiel in der Schule oder in der Nachbarschaft? Man hört ja manchmal, dass Kinder von Nationalisten besonders gefährdet sind, zum Mobbing-Opfer zu werden, insbesondere bei einem hohen Ausländeranteil im Wohnumfeld.
Enid: Wirklich große Probleme hatte ich nicht. Meine Eltern haben damals schon sehr früh entschieden, dass ich den Nachnamen meiner Mutter bekommen sollte, damit man mich nicht unbedingt mit meinem Vater in Verbindung brachte. Es gab allerdings mal eine Situation in der Grundschule, bei der eine sehr linke Mutter, die Elternvertreterin war, dafür sorgte, dass ich als einziges Kind auf der Klassenfahrt kein Klassen-T-Shirt bekam, nachdem sie Wind davon bekommen hatte, wie meine Familie eingestellt ist. Und erst vor ein paar Jahren unterband die Mutter einer Freundin den Kontakt zu mir, weil meine Familie eine andere politische Meinung pflegt. Aber im großen Ganzen würde ich nicht sagen, dass ich darunter leide, dass mein Vater ein recht bekannter Nazi ist. Gemobbt oder ausgegrenzt wurde ich nie. Ich glaube, dazu haben meine Eltern mir einfach einen zu starken Charakter anerzogen.
N.S. Heute: Kannst Du uns einige Beispiele geben, wie sich Dein Leben als Kind von anderen Kindern unterschieden hat, die nicht in einem nationalen Elternhaus aufgewachsen sind?
Enid: Ich denke, die maßgeblichen Unterschiede waren zum einen, dass ich keine Freundschaften mit Ausländern führte. Im großen Ganzen wurde die ganze ausländische Kultur abgelehnt. Es wurde also auch nie Döner gegessen oder im türkischen Supermarkt eingekauft. Außerdem wurde ich nicht religiös erzogen. Ich entwickelte also früh eher eine Ablehnung gegen gängige Religionen. Und ein markanter Unterschied war definitiv, dass ich immer viel ausführlicher oder teilweise auch als einziges Kind über vergangene oder aktuelle politische Weltgeschehen informiert war.
N.S. Heute: Linke denken ja tatsächlich, Kinder von Nationalisten würden ohne Liebe, Gefühle und Fürsorge aufwachsen, sondern sie würden von Anfang an nur Härte, Drill und Gehorsam kennen. Was würdest Du aus Deinem eigenen Erleben dazu sagen?
Enid: Ich kann der Aussage nur widersprechen. Meine gesamte Kindheit und Jugend war von solcher Liebe und Fürsorge geprägt, wie ich es selten in anderen Familien erlebe. Meine Eltern waren und sind immer meine größten Unterstützer. Ich kann immer über alles mit ihnen reden und treffe immer auf offene Ohren. Härte und Gehorsam sind mir so nie begegnet. Ich hatte immer viele Freiheiten – und die Erwartungen, die meine Eltern an mich stellten, waren für mich immer sehr nachvollziehbar. Ich würde trotzdem sagen, dass die Erziehung und Strenge, die Eltern erbringen müssen, hauptsächlich vom Charakter des Kindes abhängt. Das sehe ich vor allem an meiner kleinen Schwester, die eigentlich immer genau das Gegenteil von dem macht, worum wir sie bitten. Da ist manchmal mehr Strenge nötig als es bei mir nötig war.
N.S. Heute: Bist Du auch selbst politisch aktiv oder hast es vor in der Zukunft zu werden?
Enid: Tief in mir hege ich schon seit Jahren den Wunsch, andere Leute von meinen Ansichten überzeugen zu können. Bei den ganzen Dingen, die in den letzten Jahren passiert sind, fiel es mir von Mal zu Mal immer schwerer, still in der Klasse zu sitzen, wenn 28 von 30 Mädchen in meiner Klasse ihre Meinung kundgaben und der Lehrer lächelte. Nur ich und meine beste Freundin mussten die Klappe halten, weil wir uns der Konsequenzen, die sonst folgen würden, genauestens bewusst waren. Da sammelt sich über die Jahre ganz schön viel Frustration und Wut an. Vor allem wenn ich sehe, dass mir die Zukunft in meinem eigenen Land gerade immer mehr zerstört wird.
Der Wunsch, meine Überzeugungen äußern und sogar etwas bewegen zu können, ist also definitiv da. Wie ich das Ganze am Ende umsetzen möchte, ist mir jedoch noch nicht ganz klar. Momentan denke ich, dass ich nur in der Anonymität aktiv werden kann, denn die Sorge vor sozialer Ächtung, wie sie mich in Schul- und Arbeitskreisen erwarten würde, ist groß. Doch nichts zu tun ist für mich absolut keine Option.
Erstveröffentlichung in N.S. Heute #47

Also alles schön und gut, doch das kommt sehr eingeimpft rüber. Das 16 jährige „Kind“ redet als wäre es 50. Sehr unglaubwürdig.
Jedes Kind lernt in seinem Leben dazu, doch das ein Kind mit 5 Jahren über den Werdegang des Führers spricht bzw. genauestens weis wer der Führer war, halte ich für sehr abstrus. Aber sei es drum, Ansichten natürlich nicht zu verachten und spiegelt das Bild eines NS überzeugten Menschen wieder. Dennoch hege ich Zweifel was den Gesprächspartner betrifft.
Danke für die Rückmeldung. Du kannst uns ruhig glauben, dass wir unseren Lesern keine fiktive Person präsentieren. Natürlich ist Enid eine „echte“ Person, die übrigens schon als 14-Jährige einen Beitrag für das Magazin geschrieben hat.
Also, mich hat das Interview mit Enid echt gepackt. 👍 Respekt für Enid und Danke an Euch. 🙏 Dagegen ist das Gespräch mit Lina in #48 nun wirklich leider etwas … tja, … sehr „formal“… 🤔 Aber letztlich ist natürlich jede junge Stimme wertvoll. 🌞