Mein Besuch auf der Messe „Seitenwechsel“ am 8./9. November 2025 in Halle / Saale

von Roland Wuttke

Der Messebesuch hat sich gelohnt! Die positiven Erlebnisse überwiegen. Doch beginnen wir mit dem Schatten, der noch vor dem Start am 8. November um 10 Uhr auf die Veranstaltung geworfen wurde.

Knapp zwei Tage vor Messestart wurde zwei angemeldeten und bestätigten Verlagen von der Messegesellschaft „Impuls GmbH“ gekündigt: Dem Klosterhaus-Verlag aus Wesertal und dem Sturmzeichen-Verlag aus Dortmund. Derjenige, der diese Kündigung mit massivem Druck betrieben hat, war Dieter Stein, Herausgeber und Chefredakteur der „Jungen Freiheit“. Zunächst wandte er sich an die Veranstalterin Frau Susanne Dagen vom Dresdner Buchhaus Loschwitz. Doch Frau Dagen blieb dem Motto der Messe treu, wonach es keine Ausgrenzung und Zensur geben dürfe, und ließ sich nicht überreden. Danach wandte sich Stein an die Geschäftsleitung der „Impuls GmbH“ und drohte, nach eigener Aussage, mit dem Abzug seines Messestandes (dem zweitgrößten nach Compact), sofern der Sturmzeichen-Verlag teilnehmen dürfe. Dieser hätte „neonazistische“ Publikationen, die auf dieser Messe nichts zu suchen hätten. Die Geschäftsführung knickte ein und kündigte auch dem Klosterhaus-Verlag, der sich zusammen mit dem Sturmzeichen-Verlag angemeldet hatte. Ein Eilantrag auf eine Einstweilige Verfügung gegen den Ausschluß wurde am Nachmittag vor Messebeginn vom Amtsgericht Halle abgelehnt, da man „keine Eilbedürftigkeit“ sehe. Leider entscheiden die Richter der BRD zumeist zu Lasten der wirtschaftlich schwächeren Partei. Damit blieben die Stände SV18 und SV17 leer. Das überaus interessante Angebot der Verlage Klosterhaus und Sturmzeichen, mit vielen Neuerscheinungen, wurde den Besuchern vorenthalten.

Auf der Startseite zur Messe stand dann die Falschbehauptung:

Verlag „Sturmzeichen“ kein Aussteller der Büchermesse „Seitenwechsel“: Entgegen verschiedener Veröffentlichungen hatte der Verlag zu keiner Zeit eine Zulassung zur Messe. Er gelangte über eine unzulässige Datenmanipulation im Ausstellerportal eines Ausstellers kurzzeitig ins digitale Ausstellerverzeichnis. Die Messeleitung hat umgehend beide Unternehmen von der Messe ausgeschlossen.

Tatsächlich waren die beiden Verlage regulär angemeldet und hatten am 16.10.2025 ihre Zugangskarten erhalten. Die irrwitzige Behauptung einer „Datenmanipulation im Ausstellerportal“ würde ja erhebliche Datenschutzlücken der Messegesellschaft offenbaren. Die „Impuls GmbH“ löschte am 6. November die beiden Verlage aus dem Ausstellerverzeichnis.

Der Verursacher dieser Zensurmaßnahme, Dieter Stein, hatte noch im Oktober unter der Überschrift „Debatte statt Zensur“ die Buchmesse „Seitenwechsel“ als „zensurfreie Alternative“ und „prächtiges Signal für Privatinitiative und Selbstermächtigung von Bürgern, die politische Bevormundung leid sind“ dargestellt. Noch am 6. November 2025 schrieb Stein unter dem Titel „Meinungsfreiheit unter Druck“ in der Ausgabe 46/25 seiner Wochenzeitung:

Gegen Andersdenkende wird mit finanzieller, medialer und juristischer Härte vorgegangen – und kaum jemand stört sich daran. […] In Halle zeigt an diesem Wochenende die 100 Prozent privat finanzierte neue Buchmesse „Seitenwechsel“ mit über 60 Ausstellern, wie sich oppositionelle, abweichende Stimmen nicht mundtot machen lassen – und wie „bunt und vielfältig“ gelebte Meinungsfreiheit tatsächlich sein kann.

So geht Heuchelei! Stein hat sich offensichtlich zum Handlanger des herrschenden Regimes gemacht. 

Dieter Stein mußte sich dann am Abend des ersten Messetages vor laufender Kamera [ab 1 Std. 58 Min.] kritische Fragen anhören und beendete vorzeitig die Diskussion. Am Sonntagmorgen wurden vor dem Messe-Eingang dazu noch Flugblätter gegen seine Machenschaften verteilt. Auch von vielen Ausstellern wurde Stein kritisiert: „Ja der Stein, denn kennen wir schon als Spalter.“

Die Messegesellschaft „Impuls GmbH“ agierte nicht nur unseriös, sondern war offenbar auch mit der Organisation der Messe überfordert. Der Eingangsbereich war dem Andrang nicht gewachsen, zumal die Kasse und die Garderobe nicht getrennt waren. Ein Schild hatte die Inschrift „Hier können Sie Ihren Mantel oder Gepäck abgeben.“ Es hätte heißen sollen „… hier müssen Sie …“, denn am Einlaß, der ebenfalls zu eng war, wurden Rucksäcke vom unfreundlichen Messepersonal nicht durchgelassen. Also wieder zurück zum Menschengewühl vor der Garderobe. Auch die Besitzer einer Gästekarte mußten sich gleich nach der Eingangstür an einem einzigen Stand registrieren. Ergebnis: Eine 300 m lange Schlange vor der Halle bis zum Parkplatz, die sich erst nach zwei Stunden allmählich auflöste. Auch in der Halle herrschte drangvolle Enge. Die beiden Stände für Speisen und Getränke waren permanent überlastet, so daß sich ebenfalls lange Schlangen bildeten. Für einen Becher Kaffee mußte man 45 Minuten anstehen. Wenigstens ein Kaffee- oder Getränkeautomat hätte hier vieles entzerren können, aber der Messegesellschaft scheint es an Professionalität zu fehlen. Nun aber genug zu den negativen Punkten. Das Positive überwog!

Die Messe „Seitenwechsel“ war für die Besucher und Aussteller ein großartiges Erlebnis und ein voller Erfolg. An den großen Ständen tummelte sich das Publikum und an den Kassen bildeten sich Schlangen, was für eine gute Kauflaune der Kunden spricht. Die Vielfalt der Angebote war enorm. Jede Menge Neuerscheinungen, viele gute Gespräche mit Autoren und Redakteuren, Anregungen, antiquarische Bücher, Zeitschriften, Tonträger, Sticker. Die alternativen Medien sind zu einer festen Größe geworden. Das Interesse an Informationen jenseits von Global- und Konzerninteressen ist größer denn je. Eigentlich gehört die Messe in eine größere Halle. Vielleicht hat Frau Dagen, die diese Messe ins Leben gerufen hat, nicht mit dem Ansturm gerechnet. Offenbar ist das Interesse in den letzten Wochen vor dem 8. November schlagartig angewachsen.

Stark besucht waren auch die Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen. Im Stundentakt fanden an den zwei Messetagen nicht weniger als 70 Veranstaltungen in vier Sälen und auf einer großen Bühne statt. Hier nur die bekanntesten Namen der Referenten: Michael Meyen, Gloria v. Thurn und Taxis, Roger Köppel, Helmut Roewer, Cora Stephan, Dieter Dehm, Frits Hoevels, Erik Lehnert, Björn Clemens, Peter Feist, Michael Wolski, Max Stadler, Volker Zierke, Stefan Scheil, Alexander Wendt, Thor Kunkel, Vera Lengsfeld, Matthias Matussek, Uwe Steimle, Uwe Tellkamp, Michael Klonovsky, Hans-Georg Maaßen, Benedikt Kaiser, Ulrich Vosgerau, Günter Scholdt, Arne Schimmer, Götz Kubitschek, Martin Lichtmesz, Walter Post. Der Schweizer „Kontrafunk“ führte seine vielbeachtete Sonntagsrunde auf der großen Bühne auf. 

Bei jedem Rundgang fiel einem etwas Neues ins Auge. Ein „DeutscherFriedensrat.eu“ fordert zur Kriegsdienstverweigerung auf, eine Psychologin wirft mit ihrem Buch „Ich bin Marcella“ den Blick auf das Thema Kindesmißbrauch, dazu gab es zwei zeitkritische Romane mit dem Titel „Morodkins Ausweg“ und „Der Koch und seine Toten“. Ich kaufe mir die dramatische Dokumentation des jungen Tschechen Jiri Padevet „Blutiger Sommer 1945“ mit der Beschreibung der „wilden Vertreibung“ der Deutschen aus Böhmen, Mähren und dem Sudetenland. Das antiquarische Büchlein von 1943 „Deutsche Haltung vor Fremden“ des österreichischen Schriftstellers Bruno Brehm findet ebenfalls meine Aufmerksamkeit. Ein längeres Gespräch mit der Autorin des Buches „Bildung ohne Schule kann gelingen“ handelt vom zunehmenden Versagen des Bildungssystems in der späten BRD.

Auf dem großen Stand des Dresdner Buchhauses Loschwitz sticht unter der Vielzahl des Buchangebots eine ganze Abteilung mit lieblichen Kinderbüchern hervor. Die Bücher erinnern an die schönen bebilderten Lesebücher, die es noch vor 60 Jahren gab. Ein junger Politologe hat sich mit der Buchreihe „Machtübergabe“ Gedanken über die Neugestaltung des Staates und seiner Politik gemacht. Und ein Oldtimertools-Verlag bietet schöne Wiederauflagen alter Bücher, die ursprünglich in Frakturschrift vorlagen. Es herrscht allenthalben der Wille zur Veränderung und zur Überwindung des herrschenden Regimes. Wenn die Messe sich von kleingeistigen, selbsternannten Zensurwächtern emanzipieren kann, wird sie eine große Zukunft haben.

2 Gedanken zu „Mein Besuch auf der Messe „Seitenwechsel“ am 8./9. November 2025 in Halle / Saale“

  1. Ganz genau Roland !!
    Wir Systemgegner kennen diesen Systemling STEIN schon lange. Ein Typ unter „grauer“ Flagge. Ein Spaltpilz und Gegner eines wirklich freien Deutschlands. Infiziert und zerfressen vom Liberalismus und Zeitgeistumerziehung in seiner Jugend. EGAL was er vorgaukelt…..
    Ich denke das die neuen Medienmöglichkeiten auch solche Verlogenheit breiter bekannt machen als es mir damals möglich war als ich ihm was ‚auf sein freches hetzendes Schandmaul‘ angeboten hatte !!!
    Mit unserem Gruss
    Thomas-STEINER -Wulff

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