N.S. Heute: Zwischen Bauchschmerzen und Provokation – Ein Dialog

Bildquelle: Junge Nationalisten / Symbolbild

Eigentlich sollte es ein entspannter Freitagabend werden: Man liegt locker zu Hause auf der Couch, schaut gedankenlos etwas Fernsehen und möchte den Tag gemütlich in Jogginghose ausklingen lassen. Plötzlich brummt das Telefon auf der Armlehne. Ich habe mir längst angewöhnt, mein Smartphone gänzlich auf Vibration zu stellen, denn die ständigen Klingeltöne aufgrund der Vielzahl von eingehenden Nachrichten haben einfach die zu große Angewohnheit, mich abzulenken oder zu nerven. Es ist diesmal eine WhatsApp-Nachricht von einem guten Freund: „Kommst du rum? Wir sitzen im Garten – eine kleine Runde unter Freunden.“ Natürlich folgen darauf die kurzen Absprachen mit der Frau, und nach unkomplizierter Familienberatung steht fest: Es geht dann wohl doch raus und ganz spontan folgt man der Einladung. Das Umziehen geht ziemlich schnell von der Hand und mit ein paar Handgriffen ist man frisch für den abendlichen Ausgang. Ab ins Auto und Musik an. Aus den Lautsprechern ertönte FLAK mit „Zeit, Feuer, Sturm“. Wenn ich heute darüber nachdenke, wollte der Zufall wohl genau diesen Abend einleiten. „Wenn du viel richtigmachst, erntest du Stolz und Hass, zerrt man uns vor Gericht, bricht unsere Treue nicht – ich weiß, wofür man ficht!“ Dieser musikalische Zufall und seine markante Liedzeile hätten den Moment und das, was kommen sollte, nicht besser einleiten können.

Bei meinem Freund angekommen, fühlt sich alles sehr vertraut an und die Stimmung wirkte dementsprechend locker und einladend. Im Schein des Gartenlichts hat sich eine lose Stuhlrunde gebildet. Es war ein Kreis aus alten und bekannten Gesichtern, die man teils seit Jahren, gar seit Jahrzehnten kennt. Es ist genau die Art von Kulisse, die eigentlich eine Atmosphäre für gewünschte Entspannung verspricht; ein Ort, an dem ich nach einem langen Tag abschalten kann und an dem ich für diesen Abend eher keine tiefgründige oder gar ernste Diskussion über das eigene Schaffen oder die persönliche Verantwortung erwartet hätte. Die Begrüßung ist so, wie sie unter echten Freunden immer ist: herzlich, unaufgeregt und direkt. Auch wenn ich lange nicht in dieser Runde war, brauchte es keine großen Worte oder Floskeln, um wieder zu den Jungs zu finden. In diesem Kreis herrscht quasi ein blindes Verständnis. Jeder auf seinem Stuhl weiß ganz genau, wer hier sitzt, was den Einzelnen bewegt und worauf man sich verlassen kann. Ich für mich selbst, begreife meine Freunde als einen festen Ankerplatz in einer unbeständigen Welt.

Wie das in solchen Runden üblich ist, kommen als Erstes die familiären Themen auf den Tisch. Man erzählt sich gegenseitig aus dem Alltag, berichtet stolz, wie gut sich die Kinder entwickeln und wie fleißig die eigene Frau das gemeinsame Leben im Hintergrund managt. Im Grunde folgt dieser Ablauf fast immer einem ungeschriebenen Gesetz: Erst kommt das Persönliche, dann irgendwann der Sport, und darauf folgt unweigerlich die Politik. Normalerweise ist Politik in meinem Freundeskreis ein Feld, auf dem wir strömungsartig gleichfließen sind; jeder hier in dieser Runde kennt die gemeinsame Richtung und teilt dieselben Grundüberzeugungen. Doch dieses Mal war da plötzlich etwas Reibung in der Luft. Ein bestimmtes Thema stand im Raum – und für einen meiner Freunde war es wohl ein absolutes Reizthema. Der Moment des Umschwungs kam für mich ziemlich unerwartet, als der Blick eines Freundes mich direkt fixierte.

„Tannert, sag mal“, begann er, und sein Tonfall war plötzlich streng und fast schon belehrend, „warum schreibst du eigentlich für die N. S. Heute? Es war für mich ziemlich erschreckend, als du mir neulich einen Artikel gesendet hast. Ich habe nur diesen Schriftzug mit ‚N. S.‘ gesehen und hatte überhaupt keinen Bock mehr weiterzulesen.“ In der Runde wurde es nun stiller und er legte nach, die Stirn in Falten gelegt, getrieben von seinem Unverständnis: „Ist dir eigentlich gar nicht bewusst, dass du damit die Leute massiv abschreckst? Wenn selbst ich als dein Freund in dem Moment blockiere und keine Lust mehr auf einen Artikel habe, wie soll es dann erst anderen gehen?“ Es war eine Frage, die plötzlich wie ein Elefant im Raum stand und sie wurde direkt, ungeschönt und ohne Umschweife serviert zwischen Bierflaschen, Kaffee und Gartenstühlen. Eine Frage, die ich einem guten Freund aber gerne zugestehe, die dann aber auch keine Ausflüchte duldet und eine ehrliche Antwort einfordert.

Meine erste Begründung lag im gegenwärtigen Kulturkampf, schließlich muss ich den hier niemanden erklären, und in der schlichten Tatsache, dass ich für meine Worte auch den richtigen Leser benötige. Die N. S. Heute ist jung und dynamisch. Sie ist nah dran an der wirklichen Bewegung und in ihr finden wir genau den Geist, den es benötigt, um sich all den gesellschaftlichen Umwälzungen entschlossen entgegenzustellen. Mag sein, dass das Magazin nicht jedem Publikum gefällt, aber darum geht es mir auch gar nicht. Es geht darum, wo meine Worte hinpassen und welcher Geist diese am Ende aufnimmt. Wir alle bewegen uns selbst seit Jahrzehnten in diesem Umfeld, warum also nicht auch genau dafür schreiben?

Ich kam nicht einmal dazu, diesen Gedanken weiter auszuführen, als er mir direkt ins Wort fiel und seine Stimme immer lauter wurde, sie wirkte nun schon fast beschwörend: „Ja, aber N. S.! Der Nationalsozialismus war grausam und schrecklich!“ Ich nahm einen kräftigen Schluck aus meiner Kaffeetasse, ließ den Einwurf kurz sacken und sah ihn direkt an. „Ich verstehe deine Bauchschmerzen“, sagte ich ruhig. „Du fragst dich natürlich, warum man sich das Leben mit dieser Magazinauswahl so schwermacht. Warum kein unverfängliches Label? Warum nicht ‚Sezession‘, oder ‚Aufgewacht‘? Das würde den Normalbürger draußen und dich vielleicht nicht gleich verschrecken. Aber hier stellt sich doch auch die Frage: Muss man in diesem bestehenden Kulturkampf die Köpfe behutsam abholen? Der Titel ist vom Verleger Sascha Krolzig bewusst offensiv gewählt. Natürlich auch mit dem Gedanken der Provokation im Hinterkopf. Ich glaube, dass Sascha Krolzig sich eben nicht an den einfachen Wutbürger oder Querdenker richten wollte. Er schuf ein Magazin für Nationalisten.“

Es folgte der nächste kräftige Schluck von meinem Kaffee, heiß war dieser nun nicht mehr, aber er belebte noch. „Schau doch etwas genauer hin“, entgegnete ich, während ich mein Smartphone aus der Tasche holte, die Netzseite der N. S. Heute aufrief und anfing, jedes Wort zu betonen. „Der Unterschied beginnt schon in der reinen Ausdrucksform. Die Zeitschrift heißt N. S. Heute – mit zwei Punkten getrennt. Das steht für Nationaler Sozialismus Heute und eben nicht für Nationalsozialismus Heute. Schon hier liegt eine starke und bewusste Trennung vor, die man nicht einfach übersehen darf. Diese Trennung ist in der heutigen Zeit absolut stimmig und notwendig. Ein Nationalist kann sein Land und sein Volk nicht ohne die soziale Frage denken. National und sozial zu denken, ist kein Widerspruch in sich, denn das eine bedingt das andere!“  

Ich hielt kurz zu meinen Ausführungen ein, einmal für mich, um die eigenen Gedanken zu sortieren und um meinem Freund Zeit zu geben, das Gesagte sacken zu lassen, bevor ich dann doch begann meine Gedanken fortzuführen. „Die N. S. Heute ist keine verbrannte Asche – sie ist metaphorisch gesprochen ein Wachrütteln. Natürlich spielt der Titel ganz bewusst mit diesem Bezug, aber eben auch nur primär, um überhaupt erst einmal Aufmerksamkeit zu erzwingen. In der heutigen Reizflut musst du die Leute erst einmal emotional packen. Wer den Schriftzug der N. S. Heute sieht, der hat im Grunde zwei Möglichkeiten: Entweder er dreht sich ab und schaut weg, oder es erweckt genau dadurch das benötigte Interesse, um einmal tiefer graben zu wollen. So funktioniert das Ringen um Aufmerksamkeit nun mal. Man muss das Ganze mal abseits des historischen Kontextes und aus Sicht der reinen Provokation betrachten. Es geht schließlich auch darum, einen klaren Bruch zu erzeugen. Wer bereit ist, diesen ersten Impuls zu überwinden und den Text tatsächlich liest, der erkennt auch den Unterschied zwischen dem erzeugten Schockeffekt und der Arbeit, die alle für das Magazin leisten. Frei nach Kubitscheks Worten: „Wage den Sprung!“

Ich blickte in die Runde, strich mit der Hand über das Bild auf meiner Kaffeetasse und wechselte zu mir selbst. „Und genau da kommen wir zu meinen Texten“, fuhr ich fort, und meine Stimme wurde noch ein Stück persönlicher. „Ich selbst finde das Konzept dieses Magazins schlichtweg gut. Die Dreiteilung in Weltanschauung, Bewegung und Leben – das ist genau der Raum, den ich brauche, um mich zu entfalten. In diesen drei Bereichen finde ich den perfekten Rahmen, meine Texte genau so zu verfassen, wie ich es für richtig halte. Mir macht diese Arbeit nicht nur unheimlich Spaß, sondern sie bedeutet für mich auch eine echte persönliche Entwicklung, in der ich mich verwirklichen kann. Ich bekomme die Freiheit, meine Gedanken auszuformulieren und sie am Ende mit euch allen, mit unserer Gemeinschaft und einer breiten Leserschaft zu teilen. Ich sehe beim besten Willen nichts Schlechtes darin, für dieses Magazin zu schreiben. Im Gegenteil: Die N. S. Heute ist der richtige Ort, um das zu Papier zu bringen, was uns alle hier im Kern bewegt. Trau dich doch einfach mal, die N. S. Heute zu lesen!“

Die Diskussion ebbte irgendwann langsam im Gesprächsverlauf ab, während das gedämpfte Licht des Gartens die Runde einhüllte und mein Freund merkte, dass meine Widerworte und meine Erläuterungen auch von der Runde getragen wurden. Die N. S. Heute hatte an diesem Abend im Kleinen genau das getan, was sie auch da draußen mit jedem Betrachter tut: Sie wirkt einfach in zwei Richtungen. Auf der einen Seite erhielt ich Anerkennung und Lob für mein Tun, und auf der anderen Seite entstand ein tiefes Missverständnis. Es ist der ewige Kontrast, der uns ohnehin im Leben begleitet – Licht und Schatten gehören nun einmal zusammen. Aber letztendlich ist mir das irgendwie auch schnuppe. Ich habe meine publizistische Heimat gefunden und bin fest davon überzeugt, das Richtige zu tun. Wer schreibt, der muss auch damit leben können, dass seine Schriftsätze und seine Arbeit mal anecken. Vielleicht ist das gar meine eigene bewusst erzeugte Provokation.

Die kleine, freundschaftliche Runde fand an diesem Abend jedoch ganz von selbst wieder in ihre gewohnte und lockere Stimmung zurück. Das Themenfeld um die N. S. Heute war besprochen, die Fronten waren nun geklärt, und der bittere Geschmack vom kalten Kaffee längst verflogen. Zum Abschied blickte ich noch einmal stolz in die Runde, und mir wurde wieder einmal klar: Selbst mit den unterschiedlichsten Ansichten – wir alle sind Deutsche, die deutsch denken und deutsch handeln, und alle hier wissen ganz genau, dass man dafür in der heutigen Zeit eben nicht immer nur Applaus bekommt. Was hier aber zählt, ist die Treue zu sich selbst und die Aufrichtigkeit zu den Freunden in dieser Runde.

„Werde dir bewusst darüber, in welchen Morast du waten musst. Straffe dich und strecke dich. Bilde – für den Moment, für den Tag, für eine Spanne – den Grund, auf dem man in all dem Sumpf, der uns umgibt, festen Stand gewinnen kann. Sei eine Widerstandsinsel, richte dich auf, werde zum Zeiger, zum Wegweiser für diejenigen, die etwas vom Anders-Sein ahnen. Wage den Sprung!“ – Götz Kubitschek, Kaplaken 6, „Provokation“

Schreibe einen Kommentar