
Seit einem halben Jahr besitze ich nun einen ausgebauten Bus. Gesucht habe ich die Freiheit, gefunden habe ich unendliche Ruhe und eine kleine heile Welt auf vier Rädern. Früher folgte ich den vielen Vanlife-Accounts bei YouTube und Instagram, alles immer in Pastell, zurückgenommen, unscheinbar, leise und schön. Im Grunde ist es aber ein wenig anders: Diese tollen Panoramablicke gibt es auch, aber eher selten, und wenn man an die Traumspots fährt, ist man da nicht unbedingt immer allein. Denn alles, was hipp ist, hat auch seine vielen Anhänger. Meine persönliche Freiheit finde ich im Kleinen. Bulli-Reisen sind nicht das, was Instagram uns zeigt, sondern das, was wir individuell daraus machen.
Woher stammt dieser Drang nach einem kleinen Raum, der sich schützend um uns legt, in dem wir sicher schlafen können, der unsere Persönlichkeit in der Gestaltung wiederfindet? Das kommt noch aus der Höhlenzeit, so interpretiere ich das. Die Suche nach Geborgenheit und Schutz vor den Elementen. Und woher kommt der Drang, immer weiterzufahren, Neues zu entdecken? Na, weil wir Jäger und Sammler sind und immer neue Territorien zum Erobern und Entdecken suchen.
Mit einem Bus lassen sich diese zwei Komponenten (Sicherheit und Entdeckerdrang) miteinander verbinden. Die Höhle ist immer dabei und alle Wege stehen einem offen. Das bedient den tief in uns verankerten germanischen Geist der Freiheit. Vanlife, mit dem Bus zu reisen, den Bus ausbauen, die Höhle gestalten nach eigenem Geschmack, irgendwo stehen, was anschauen und in fremden Gegenden herumstreifen ist kein Hipster-Ding! Wir Germanen sind Entdecker, und die motorisierte Individualreise ist das neue uns zur Verfügung stehende Mittel des Entdeckens. Es lebe der germanische Geist der Freiheit auf vier Rädern!
Pauschal oder doch lieber individuell reisen?
Unsere Vorfahren lebten in Bewegung, mussten flexibel bleiben und passten sich immer wieder den Gegebenheiten an. Sie eroberten neues Gebiet, schafften sich neue Räume. Dieser Drang ist nicht verlorengegangen, er lebt tief in uns drinnen. Zweimal im Jahr bricht der Durchschnittsdeutsche aus dem Trott aus und macht Urlaub. Und wo? Meistens da, wo einem auch wieder alles vorgekaut wird. Doch ist das erstrebenswert? Ist es erstrebenswert, sich in einen Frühstückssaal mit langweiligen Nicht-Individuen zu quetschen und Großküchenfraß in sich hineinzustopfen, um danach am Pool mit einem Animateur im Wasser herumzuhüpfen, um das zuvor Inhalierte wieder mit den anderen Paulschaltouristen abzutrainieren? Also ich kann mir Spannenderes vorstellen.

Der Bus fungiert als bewegliches Heim, das sich meinem Leben anpasst – nicht andersherum. Er ist eine moderne Manifestation von archaischen Bedürfnissen: Sicherheit, Mobilität und vor allem Autonomie. Das Reduzieren auf das Wesentliche wird zum Gewinn. Unterwegs braucht man nicht viel: Einen Gaskocher, eine Pressstempelkanne („French Press“) für guten Kaffee, eine 12-Volt-Kühlbox, eine gut beschichtete Pfanne die nach dem Durchwischen wieder blank ist, und fertig. Vielleicht brauche ich noch ein gutes Buch und ein Notebook-Ladegerät fürs Auto, damit ich von unterwegs arbeitsfähig bin.
Jemand der zeitweise so reist, lehnt nicht automatisch die Sesshaftigkeit ab. Manchmal sind es die kleinen Ausbrüche aus dem Hier und Jetzt, die neue Anreize im Leben setzen können und den Stress rausnehmen. Im Bus habe ich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, zuhause schon: Hausdurchsuchungen, Bullenterror und staatliche Bevormundung in den eigenen vier Wänden. So werden viele Kameraden automatisch um 6 Uhr morgens wach und sind genervt von diesem Hausdurchsuchungstrauma.
Wenn ich in den Bus steige und im besten Falle noch mein Handy weglasse, dann habe ich das nicht. Ich gehe schlafen, kann sofort einschlafen, durchschlafen und entspannt auch nach 6 Uhr aufwachen, ohne einmal an den Regimeterror zu denken. Und genau hier liegt der wahre Wert: Das Vanlife ist, wenn man die Instagram-Filter wegnimmt, kein weichgezeichnetes Märchen in Pastelltönen. Es ist eine perfekte Zeit mit sich selbst, ehrlich, unverfälscht und direkt. In der Ruhe der Natur, in der Abgeschiedenheit eines Parkplatzes, in der Ungebundenheit des nächsten Tages – weiterzufahren oder zu bleiben.
Immer auf der Jagd
Mit dem Bulli zu reisen ist immer auch die Suche nach dem nächsten Klo, dem nächsten Schwimmbad zum Duschen und die Jagd nach dem nächsten Imbiss, um durchzukommen. Es ist und bleibt spannend, Orte zu finden an denen du ungestört schlafen kannst, wo das vielleicht nicht so gerne gesehen wird. Aber bei so einem Bus weiß meist ohnehin niemand, ob da gerade jemand drin ist oder nicht. Von daher kannst du dir den Wald zur Schlafstätte machen, aber auch die nächste Hauptstraße mit Skyline-Blick auf Frankfurt. Alles ist möglich, du bestimmt die Richtung.
Ausprobieren lohnt sich. Einen ausgebauten Camper-Van könnt ihr euch hier mieten: https://roadsurfer.com. Macht einfach mal eine Woche Vanlife und testet, ob das was für euch ist. Gebrauchte Busse gibt es ausgebaut schon für um die 5.000 € – da ist dann aber wahrscheinlich noch ein wenig was zu werkeln. Modelle wie der T4, T5 oder ein Ford Transit eignen sich sehr gut für den Eigenausbau. Bei Kleinanzeigen gibt es eine große Auswahl an gebrauchten Bussen.
Vanlife oder auch kurzfristige Reisen auf vier Rädern sind vielleicht nicht die Antwort auf alles, aber es ist immer auch eine Reise zu dir und deinen Bedürfnissen. Hier ein passendes Klischee: Der Weg ist das Ziel!
Erstveröffentlichung in Nationaler Sozialismus Heute #49