Politische Justiz in Europa – Im Gespräch mit Henrik Ostendorf

Sascha Krolzig: Hallo Henrik! Du betreibst die Seite www.politische-gefangene.de mit einer Übersicht zu politischen Gefangenen weltweit und zu politisch Verfolgten, die sich im Exil befinden. Wir wollen uns mit Dir heute über einige Gefangene außerhalb des deutschen Sprachraums unterhalten.

Beginnen wollen wir mit Nikolaos Michaloliakos, dem Gründer und langjährigen Vorsitzenden der nationalistischen griechischen Partei „Chrysi Avgi“, zu Deutsch „Goldene Morgenröte“. „Chrysi Avgi“ war eine der erfolgreichsten nationalistischen Parteien in Europa im 21. Jahrhundert, zeitweise war sie in Griechenland drittstärkste politische Kraft und saß im Europaparlament. Wie ist es passiert, dass ihr Vorsitzender inhaftiert wurde?

Henrik Ostendorf: Hallo Sascha, mit den Antworten auf diese Frage, der Repression gegen die „Goldene Morgenröte“ und ihre Führer, könnte man ein Buch füllen. Sich damit auseinanderzusetzen ist sicherlich hilfreich, denn dieser Vorgang/Fall ist unter anderem ein Beispiel dafür, wie eine in mehreren Parlamenten sitzende Partei kriminalisiert und – als wählbare Alternative – ausgeschaltet wurde, und wie man Führungspersonen für die Taten von Anderen/Mitläufern verantwortlich macht.

Hier will ich es aber kurz machen, Michaloliakos und weitere Anführer wurden als „kriminelle Vereinigung“ verurteilt. Trotzdem existiert und lebt die Partei aber noch, denn nach griechischer Verfassung lässt sich eine Partei nicht verbieten. Auch ihre Jugendbewegung „Jugendfront“ ist aktiv.

Nikolaos Michaloliakos wurde nach einem Urteil, das ihn politisch mundtot machen sollte, für mehr als sieben Jahre eingesperrt

Sascha: Vor gut einem Jahr, im Januar 2025, verbreitete sich eine Meldung, dass Michaloliakos in der Haft gesundheitliche Probleme hat und Nationalisten aus ganz Griechenland jetzt Blut für seine Behandlung spenden. Weißt Du, wie es ihm heute geht?

Henrik: Hier gibt es eine gute Nachricht, denn Michaloliakos ist nach mehr als sieben Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen worden. Er war unter schlechten Bedingungen in einem Hochsicherheitsgefängnis untergebracht, zeitweise auch in wochenlanger Einzelhaft. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich und medizinische Hilfe wurde verweigert. Unser Kamerad war sehr krank, aber es geht ihm besser und er erholt sich nun daheim.

Dass dies kein Ausnahmefall im fernen Griechenland ist, zeigt der Umgang der deutschen Behörden mit dem im letzten Jahr verstorbenen Horst Mahler. Zwei ehemalige Mitglieder der „Goldenen Morgenröte“ sitzen immer noch im Gefängnis. Diese beiden haben aber die Partei verlassen.

Sascha: Gehen wir von Griechenland aus etwas weiter in den Norden, in die Slowakei. Hier saß seit geraumer Zeit der Kamerad Marián Magát im Gefängnis, der in seiner Heimat über einen großen Bekanntheitsgrad verfügt. Magát wurde wegen Meinungsdelikten zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt, was für ein mitteleuropäisches Land ein bemerkenswert hohes Strafmaß ist. Wie hat er es geschafft, einen solchen Hass der dortigen Machthaber auf sich zu ziehen?

Henrik: Auch hier gibt es gute Nachrichten, denn seit Ende Januar ist auch unser slowakischer Kamerad nach vier Jahren Haft entlassen worden. Fast drei Jahre davon saß Marián in Untersuchungshaft. Er hat keine Vergünstigungen bekommen und angenommen, und er hat bis auf den letzten Tag seine Strafe abgesessen. Marián wurde für seine Meinungsäußerungen – öffentlich und im Netz – bestraft, aber hauptsächlich wegen der Veröffentlichung seines Buches, das sich mit dem Einfluss einer bestimmten Personengruppe auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der Slowakei beschäftigt. Die Anklagepunkte finden ihr Pendant im deutschen Paragraph 130 (Volksverhetzung).

Aktivisten protestieren 2017 vor der deutschen Botschaft gegen die Auslieferung von Horst Mahler aus dem politischen Exil in Ungarn

Sascha: Eine weitere Person auf der Gefangenenliste sitzt im Londoner „His Majesty’s Prison Belmarsh“ ein, sein Name ist Robert Talland. Er wurde im September 2025 gemeinsam mit seinen erwachsenen Kindern Rosie und Stephen Talland verurteilt, weil sie auf Konzerten Musik gespielt und Tonträger über eine Produktionsfirma vertrieben haben. Während Rosie und Stephen Talland 18 beziehungsweise 24 Monate Haft bekamen, traf es Vater Robert am härtesten: Fünf Jahre soll er absitzen. Welche Anklagepunkte hatte die Justiz gegen ihn ins Feld geführt?

Henrik: Der sympathische Aktivist „Ginger-Rob“, seit Jahrzehnten im musikalischen Widerstand des „White Rock’n‘Roll Resistance“, nicht nur in Engelland, wurde mit seinen Kindern wegen „Verschwörung zur Anstiftung zum Rassenhass“ und „Anstiftung zum Rassenhass“ für schuldig befunden. Bei Robert kam noch hinzu der „Besitz von rassistisch hetzerischen Materials“ und „Verbreitung terroristischer Publikationen“.

Verbote, die wir in Deutschland seit Jahrzehnten kennen, werden immer stärker auch bei unseren Nachbarn eingeführt und umgesetzt. Der Leiter der „Abteilung für Sonderkriminalität und Terrorismusbekämpfung“ bei der für die Familie Talland zuständigen Staatsanwaltschaft sagte: „Obwohl Menschen das Recht haben, ihre Meinung offen zu äußern und auszutauschen, auch wenn dies beleidigend sein kann, sind die Aufforderung zu terroristischen Handlungen und rassistische Beleidigungen Straftaten.“

So kann das Singen und Verbreiten von Liedern, der Verkauf von Büchern, das Zeigen von Symbolen und natürlich eine bestimmte Armbewegung auch unter Seiner Majestät König Charles strafbar sein. Seine Tochter wird wahrscheinlich im Mai entlassen werden.

Dank freundlich gesonnener Mitgefangener aus der Motorrad- und Fußballszene, ist der Aufenthalt für Rob halbwegs und „ungefährlich“ zu ertragen. Leider ist die Aushändigung von Post an ihn etwas willkürlich, denn es werden ihm nicht alle Briefe und/oder Karten zugestellt. Seine Haftanschrift lautet:

Robert Talland A8156FH
HMP Belmarsh
Western Way, Thamesmead
LONDON SE28 0EB
UNITED KINGDOM

Während der Corona-Diktatur fordern Aktivisten am Brandenburger Tor Freiheit für alle Querdenker – die Forderung ist immer noch aktuell, denn bis heute werden Mediziner für ihr mutiges Handeln vor Gericht gezerrt und inhaftiert

Sascha: Bleiben wir noch kurz in England: Nachdem im Sommer 2024 im englischen Southport ein Afrikaner drei Kinder brutal ermordet hatte, kam es zu wütenden Demonstrationen der einheimischen Bevölkerung gegen tödliche Migrantengewalt. Im Schnellverfahren wurden zahlreiche Demonstranten teilweise zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie es gewagt hatten, für den Schutz ihres Landes und ihrer Familien auf die Straße zu gehen. Die Betroffenen wurden durch den Sicherheitsapparat zusätzlich gedemütigt, indem Namen und Gesichter der Justizopfer verbreitet wurden. Ist Dir bekannt, ob es damals Solidaritäts-Kampagnen für die Betroffenen gegeben hat und inwiefern man sie und ihre Familien unterstützen konnte?

Henrik: Hierzu habe ich leider keine Informationen, aber die Erkenntnis, dass bei den von Dir genannten „wütenden Demonstrationen“ die britische Bulldogge oftmals ohne Verstand und Vorsicht wütete. Ich kenne unsere geschätzten heißblütigen Verwandten auf der Insel nun seit Jahrzehnten, aber auf die Idee, sich vor den zahlreichen Überwachungskameras – zusätzlich zu den Aufnahmen von Medien und Passanten – etwas bedeckter zu verhalten, kommen viele, nicht nur unsere Sportskameraden, bis heute nicht.

Der französische Historiker Vincent Reynouard, hier bei einer Besprechung mit deutschen Nationalisten im April 2024, wird in seiner Heimat aufgrund seiner revisionistischen Tätigkeiten verfolgt

Sascha: Schauen wir abschließend zu unseren Nachbarn im Süden: Der bekannte französische Historiker und Revisionist Vincent Reynouard, auf dessen Schicksal wir im Heft und auf nsheute.com immer wieder hingewiesen haben, ist momentan „ausnahmsweise“ nicht inhaftiert, allerdings stehen wieder mehrere Gerichtsprozesse gegen ihn bevor. Wie hat dieser kleine und unauffällig wirkende Mann mit der leisen Stimme es geschafft, in Frankreich praktisch zum Staatsfeind Nr. 1 zu werden?

Henrik: Gleich vorweg sage ich gerne, dass ich vor diesem Mann höchsten Respekt habe und ihm dankbar bin. Seine Vorfahren scheinen aus dem berühmten, von unbeugsamen Galliern bevölkerten Dorf zu stammen. Hervorzuheben ist bei Vincent, dass er alle Widrigkeiten ohne Zaubertrank angeht.

Wie wir wissen, gibt es bei der Geschichtsforschung einige Tabus. Wir kennen die Lieblingsthemen von vielen Revisionisten und wie sie dann zu politischen Gefangenen wurden. Bei Vincent liegt der Themenschwerpunkt nicht in Polen, sondern in seiner Heimat Frankreich. Seine Veröffentlichungen und sein Buch über die Geschehnisse in Oradour im Juni 1944 haben ihn in Frankreich leider zu einem „Staatsfeind Nr. 1“ gemacht.

Erstveröffentlichung in Nationaler Sozialismus Heute #52

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