Rechte Literatur vom Kaiserreich bis heute – Klassiker, Geheimtipps und (Wieder-)Entdeckungen

Rechte Belletristik und Lyrik erleben in den letzten Jahren, nach jahrzehntelanger Durststrecke, wieder einen Aufschwung: die Hebung vergessener Schätze, zahlreiche Erstübersetzungen, aber auch einige zeitgenössische Autoren, die erstmals publizieren. Hier kann glücklicherweise von einer gesamt-rechten Entwicklung gesprochen werden, die Konservative, Neurechte bis Nationalisten erfasst.

Neben den bereits bekannten Autoren und Werken – sei es, weil sie zeitgenössisch sind oder in den letzten Jahren wiederentdeckt wurden –, gibt es noch immer zahlreiche Geheimtipps, denen die breitere Aufmerksamkeit bisher verwehrt blieb oder die im Nebel der Geschichte zurückblieben. Um den Artikel nicht ausufern zu lassen, wurde als Zeitraum grob der Beginn des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1871 gewählt. Der Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht, denn diese ist allein aus Platzgründen leider so wenig möglich wie die eingehende Behandlung aller Autoren und ihrer Werke. Lediglich Autoren, die nach 1945 erstmals publizierten, werden, sofern mir bekannt, vollständig genannt, da die meisten Namen in den letzten Jahren mit ihrem Schaffen begannen und sie zum Aufleben einer neuen Kultur wichtig sind. Neben deutschen Autoren werden sich auch rechte Autoren aus dem Ausland finden, sofern ihre Bücher ins Deutsche übersetzt wurden.

Die oftmals gegensätzlichen Meinungen zu Personen und Ereignissen der Geschichte sind hier ebenso wenig von Belang wie die persönliche Bewertung ihrer schriftstellerischen Qualität. Ersteres ist geistiges Schrebergartentum, letzteres oftmals individueller Geschmack. Der Artikel dient nicht der Wertung, sondern der kompakten Sammlung und soll die Leser möglichst unvoreingenommen selbst zum Entdecken animieren sowie ein Bewusstsein schaffen, wie viele Autoren, teilweise sehr bekannte, zum „rechten Bereich“ gehören.

Das Kaiserreich

Neben dem heute weit bekannteren Hermann Löns („Der Wehrwolf“), ist Walter Bloem der wohl älteste rechte Autor, der zumindest in unseren (das heißt „gesamtrechten“ Kreisen) etwas Bekanntheit besitzt. Im Kaiserreich machte ihn seine Trilogie über den Deutsch-Französischen Krieg („Das eiserne Jahr“, „Volk wider Volk“, „Die Schmiede der Zukunft“) zu einem der erfolgreichsten Autoren. In „Wir werden ein Volk“ griff er wenige Jahre vor dem Dritten Reich die Idee der Volksgemeinschaft anhand einer nationalistischen und einer kommunistischen Schulklasse auf, die auf einer Fahrt aufeinandertreffen. Nach 1933 und in der frühen BRD veröffentlichte er jedoch kaum noch.

Heute weitestgehend vergessen, ist noch die Vielschreiberin Clara Viebig zu nennen, deren Werke zu den meistgelesenen ihrer Zeit gehörten. Mit „Die Wacht am Rhein“ bediente sie den patriotischen Zeitgeist, aber übte auch Gesellschaftskritik, etwa über die Unfreiheit der Frau, ohne jedoch in kommunistische oder feministische Fahrwasser zu geraten.

Die Weimarer Republik und das Dritte Reich

Der Erste Weltkrieg und die Kämpfe der Freikorps boten reichlich Stoff für Romane und Dramen; sei es zu Zwecken der psychologischen Verarbeitung, der Dokumentation oder schlicht der Propaganda. Neben Ernst Jünger („In Stahlgewittern“) und Walter Flex („Der Wanderer zwischen beiden Welten“), sind hier Werner Beumelburg und P.C. Ettighoffer zu nennen. In Ettighoffers Werken werden zu großen Teilen die Kämpfe an der Westfront behandelt, während Edwin Erich Dwinger in seiner zahlreich übersetzten und über Lagergrenzen hinweg (mit Ausnahme des dritten Bandes) gelobten „Deutsche Passion“-Trilogie („Die Armee hinter Stacheldraht“, „Zwischen Weiß und Rot“, „Wir rufen Deutschland“) weitestgehend unparteiisch und sehr schonungslos die russische Kriegsgefangenschaft und die apokalyptische Brutalität des Russischen Bürgerkriegs schilderte.

Da Weltkrieg, Freikorps und Kampfzeit bei vielen aktivistischen Männern oftmals ineinander übergingen, schlug sich die Erfahrung auch in ihren Werken nieder, so etwa bei Tüdel Weller, Thor Goote oder Hans Zöberlein.

Der bekannteste Freikorpsroman dürfte wohl „Die Geächteten“ von Ernst v. Salomon sein, eine lose Fortsetzung seiner stellenweise humoristischen Milieustudie „Die Kadetten“. Einen der ersten großen Nachkriegserfolge erfuhr er mit „Der Fragebogen“, eine mehrere hundert Seiten umfassende Persiflage auf die Entnazifizierungsbögen.

Obgleich die meisten Vertreter Männer waren, finden sich spektrenübergreifend auch Frauen. Von Konservativen wie Ricarda Huch, über Ina Seidel, die durch ihre Lyrik über Ostpreußen noch heute bekannte Agnes Miegel und Ursel Peter.

Selten sind zudem Autoren, die ungewöhnliche Einflüsse wie den Expressionismus in ihr Schaffen einfließen ließen, wie etwa der frühe Hanns Johst, der spätestens 1933 mit seinem Drama „Schlageter“ große Bekanntheit erlangte und im Nationalsozialismus hohe kulturelle Ämter bekleidete, oder „Michael“, dem einzigen veröffentlichten belletristischen Werk von Joseph Goebbels. Heute deutlich bekannter, dürfte Gottfried Benn sein, wenngleich seine kulturpolitische Betätigung marginal blieb und sich weitestgehend auf die frühen Jahre des Dritten Reichs beschränkte. Die eigenwilligste Persönlichkeit dürfte Arnolt Bronnen gewesen sein; unter anderem von Berthold Brecht gefeiert, fiel er in den späten 20ern wegen seiner Freikorpsromane bei den Linken in Ungnade.

Der Vollständigkeit halber seien weitere, teils heute noch gelesene, spektrenübergreifende Namen der 20er- und 30er-Jahre genannt: Hans Carossa, Werner Bergengruen, Hanns Heinz Ewers, Friedrich Georg Jünger (ein Bruder Ernst Jüngers), Johannes Linke, Horst Uden, Erhart Kästner (nicht zu verwechseln mit Erich Kästner), Franz Taut, Siegfried v. Vegesack (seine „Baltische Tragödie“ ist jedem zu empfehlen, der sich für die fast magische Parallelwelt des baltendeutschen Adels interessiert), Friedrich Griese, Jochen Klepper (sein Monumentalwerk „Der Vater“ galt als Pflichtlektüre des deutschen Offizierskorps), Horst Lange, Eberhard Wolfgang Moeller, Wilhelm v. Scholz, Waldemar Bonsels („Die Biene Maja“ stammt aus seiner Feder) sowie die Lyriker Gerd Schneider, Heinrich Anacker, Kurt Eggers und Gerhard Schumann. Die meisten der Genannten veröffentlichten von den 20er-Jahren bis in die Bundesrepublik hinein (sofern sie nicht, wie Kurt Eggers, im Krieg gefallen sind), allerdings mit sinkender Relevanz; ein Problem, das im nächsten Abschnitt ausgeführt wird.

Zuletzt mag man noch die Dichter Stefan George und Rainer Maria Rilke nennen, die zwar nicht direkt politisch in Erscheinung traten, aber deren Elitismus – und Rilkes in Briefen verbürgte Bewunderung Mussolinis – von so manchen liberalen Bücherfreunden gerne verschwiegen werden. Wir tun es nicht und gemeinden sie literarisch in unsere Reihen ein.

BRD

Die Zeitenwende ‘45 wirkte sich auf die gesamte Rechte auch kulturell verheerend aus. Bekannte Autoren der 20er und 30er wie Walther v. Molo („Wie sie das Leben zwangen“, „Ein Volk steht auf“) und Ernst Wiechert („Der Totenwolf“, „Das einfache Leben“) schrieben zwar auch noch in der frühen Bundesrepublik, galten aber allein schon durch ihr Alter und ihren Konservatismus als Vertreter einer vergangenen Zeit. Wer noch jung auf Seiten des Dritten Reiches publizierte, verstummte oder schrieb nur für die „alten Kameraden“, konnte jedoch an alte Erfolge nicht mehr anknüpfen. Auf die Fülle der Landser-Erzählungen, die seit den 50er-Jahren den westdeutschen Büchermarkt fluteten, soll an dieser Stelle jedoch nicht weiter eingegangen werden.

Die jungen Kreativen wurden von der Sogwirkung der 68er erfasst, die mehr zu bieten hatte als die Nostalgie von Kaiserreich und „Blut und Boden“. Der zusehende Niedergang der anfangs von Hans Grimm („Volk ohne Raum“) veranstalteten Lippoldsberger Dichtertage steht sinnbildlich hierfür. Zwar fanden diese noch bis in die 1980er statt, doch die Teilnehmerzahlen sanken stetig, und auch der Umstand, dass bekannte Namen wie Will Vesper und Börries v. Münchhausen zu ihren Teilnehmern zählten, änderte nichts daran, dass sie damals bereits zur Generation der Eltern oder Großeltern zählten.

Der erfolgreichste konservative Autor der frühen Bundesrepublik dürfte Gerd Gaiser gewesen sein, dessen Werk von Erzählungen des magischen Realismus („Gib acht in Domokosch“) über eine Kritik an der oberflächlich-spießbürgerlichen BRD („Abschlussball“) bis hin zum Luftwaffenroman „Die sterbende Jagd“ reichte, der bis in die 80er neu aufgelegt wurde. Einst als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt, wurde er von dem damals jungen Marcel Reich-Ranicki und den linken „Kulturrevolutionären“ vernichtend rezensiert; teils aus politischen Gründen, teils deshalb, weil man einem Günter Grass auch persönlich näherstand.

Im Umfeld der trockenen neurechten Theoriezirkel, verkopften nationalrevolutionären Kleinstgruppen, subkulturellen Skinheads und in Nostalgie schwebenden Braunhemden wollte keine neue literarische Kultur gedeihen. Lediglich Gerd Honsik und Rolf Schilling veröffentlichten eine Vielzahl an Gedichtbänden, während sich Hans Bergel vor allem mit seinen Romanen über die Deutschen in Siebenbürgen einen Namen machte.

Das erste konsequente Literaturprogramm legte der Verlag Antaios mit seiner „Edition Nordost“ vor, die etwa aus Übersetzungen von Jean Raspail, Laurent Obertone, dem CasaPound-Anwalt Domenico Di Tullio sowie Neuauflagen von Horst Lange und Joachim Fernau bestand. Nach dem belebenden Wendejahr 2015 erschien der dynamisch-humoreske „Fall und Aufstieg der Familie Gottmann“ von Rudolf Preyer, der erste neue Roman der Reihe. Die erste deutsche Neuveröffentlichung des Verlags war aber schon sieben Jahre früher erschienen: „Hirnhunde“, ein Politroman, der unter dem Pseudonym Raoul Thalheim veröffentlicht wurde und angeblich aus bekannter Feder stammen soll. Etwas später erschien dann der zweibändige Krimi-Thriller „Systemfehler“ von Rob Salzig. Mit der limitierten „Reihe Mäander“ sowie weiteren Romanreihen mit Nachdrucken seltener Werke und Erstübersetzungen wurde die Qualität deutlich gesteigert. Vertreten sind Hubert E. Gilbert, Albert Wass, Richard Hasemann, Roger Vercel und Helmut H. Schulz.

Abonnenten der „Sezession“ erhalten zudem die unregelmäßig erscheinende Beigabe „Phonophor“, ein Kleinstmagazin, das ausgewählte literarische Einsendungen von Lesern sammelt.

Das Schaffen von Oliver Ritter, der unter anderem die beiden schmalen Bände „Fiume oder der Tod“ und „Ein Tag im Leben des Julius Evola“ vorlegte, erfuhr leider durch seinen Tod in einem Streit sein frühes Ende. Im Arnshaugk-Verlag erschien der dystopische Roman „Mister“ von Alex Kurtagić, der genauso wie die „Thule-Trilogie“ von Wilhelm Landig vor allem das Interesse politischer Esoteriker auf sich zog.

Im nationalistischen Beritt erschienen einige klassische Aktivistenromanen wie „Rebellische Herzen“ und „Fackeln in deutscher Nacht“ aus der „Kulturrevolutionären Schriftenreihe“ vom III. Weg. Im Sturmzeichen-Verlag erschienen die Polit-Thriller „Hermann muss fallen“ von Steve Lizek und „Blutreben“ von Wolfram L. Vierthaler sowie die „Fränkischen Novellen“ von Jürgen Schwab. Als weitere zeitgenössische belletristische Werke wären etwa zu nennen „Helmel“ von Johannes Scharf, „Was wir lieben mussten“ von Werner Bräuninger und „Marla, die Wunderheilerin“ von Sascha v. Aichfriede.

Als Vertreter rechter Lyrik nach 1945 seien stellvertretend Erich Limpach, Renate Schütte und Fritz Stüber genannt. Mit dem Sammelband „Flammendes Wort“ vom III. Weg bot man zuletzt vor allem jungen Dichtern die Möglichkeit, erstmals in Erscheinung zu treten. Doch auch „Schwarzmond“ von Daniel Schnell sowie die Gedichtsammlung „Triage“ des Rechtsanwalts Björn Clemens, der auch als Autor des Justizromans „Pascal Ormunait“ auftrat, sind auf dem Feld der Lyrik vertreten.

Besonders verdient macht sich der Jungeuropa-Verlag mit zahlreichen Übersetzungen und Neuauflagen. Bisher erschienen unter anderem Werke von Derek Turner, Guillaume Faye, Viljo Saraja sowie die Werke von John Hoewer und Volker Zierke.

Peripher zur Rechten gehörig, lassen sich als bekanntester vertretener Autor Uwe Tellkamp nennen, sowie das BuchHaus Loschwitz und die darin erscheinende „Exil“-Reihe. Ob und wie weit sich die dort vertretenen Autoren weiter als (liberal)konservativ einordnen lassen, ist mir nicht bekannt, doch ein Blick in das Programm schadet nicht.

Autoren, die leider noch keine physischen Werke vorweisen und bislang nur im Netz schreiben, sind Roland R. Maxwell (der aktuell an einem „Alternative History“-Roman im postapokalyptischen Deutschland der 1920er arbeitet), der Autor „Alpenaffe“, der auf seinem Substack unter anderem futuristische Gedichte veröffentlicht, sowie der X/Twitter-Nutzer „Spartabube“.

Die aktuellste mir bekannte Neuerscheinung ist der heidnische Lyrikband „Glücksgedichte“ von „Iwobrand“.

Ausland

Italien

Bei der über 20-jährigen faschistischen Herrschaft in Italien liegt die Vermutung nahe, dass es eine Fülle entsprechender Literatur gegeben hätte und einiges davon im Dritten Reich übersetzt wurde, doch die Auswahl ist recht mager: Lediglich „Die Lichter des Dorfes“, eine Kurzgeschichtensammlung des faschistischen Kulturministers Alessandro Pavolini, die vom Verlag Antaios neu aufgelegt wurde, sowie „Die Ablösung“, ein Entwicklungsroman eines Jungen mit den für sein Alter üblichen Problemen von Romolo Moizo gelten bislang als bekannt. Im Gegensatz zur einschlägigen nationalsozialistischen Belletristik der Zeit, halten sich die Bücher politisch weniger eindeutig und vermitteln vielmehr ein Lebensgefühl oder eine Ästhetik des Faschismus. Selbst der gewöhnungsbedürftige Gründer des Futurismus Filippo Tommaso Marinetti liegt kaum in deutscher Übersetzung vor. Dafür ist der Kriegs- und Frauenheld Gabriele D‘Annnunzio mit einer Vielzahl übersetzter Romane, Dramen und Novellen vertreten. Diese erschienen bereits im Kaiserreich und sind teilweise antiquarisch nur schwer zu finden.

Frankreich

Der wohl älteste rechte französische Autor dürfte Maurice Barrès sein, der – obwohl antideutsch – bis in die 1920er einige Übersetzungen der politisch unverfänglichen Werke erlebte und dessen „Vom Blute, von Wollust und vom Tode“ angeblich Ernst Jünger nachhaltig beeinflusste.

Die faschistischen französischen Autoren wurden in weiten Teilen erst nach dem Zweiten Weltkrieg ins Deutsche übersetzt; kurioserweise kaum von rechten Verlagen. Von Lucien Rebatet schaffte es nur der 1000-Seiten-Wälzer „Weder Gott noch Teufel“ ins Deutsche, während Robert Brasillach, Louis-Ferdinand Céline und Pierre Drieu la Rochelle, der durch den Jungeuropa-Verlag eine Renaissance in Deutschland erlebte, mit einigen Übersetzungen vertreten sind.

Zu den Raritäten zählen weiterhin Jacques Chardonne (der als großer Einfluss für die in den 50ern entstandene konservative Literatengruppe „Les Hussards“ gilt) und André Fraigneau, während die Werke von Marcel Jouhandeau schon leichter zu erwerben sind. Inwieweit man Jean Cocteau zur Rechten zählen kann, ist strittig; zwar machte er sich nicht mit der Vichy-Regierung gemein, blieb jedoch dem deutschen Botschafter Otto Abetz und Arno Breker während der Besatzung öffentlich freundschaftlich verbunden.

Englischsprachiger Raum

Die bekanntesten Autoren der Anglosphere, deren Rechtssein mehr christlich-konservativ begründet ist, dürften J.R.R. Tolkien, der Schöpfer von „Der Herr der Ringe“, und C.S. Lewis mit seinen Fantasy-Werken über Narnia sein. Ebenso wie H.P. Lovecraft, bekannt durch den Cthulu-Mythos, waren die „großen Drei“ im Mainstream wohl zu beliebt, um sie zu canceln. Anderseits fielen die Genannten auch nicht durch politische Zusammenarbeit mit rechten Gruppen auf, anders als beispielsweise der trotzdem auch heute noch bekannte und geschätzte Dichter Ezra Pound, der während des Zweiten Weltkriegs mit den Italienern zusammenarbeitete, oder der irische Dichter William Butler Yeats, der politisch den faschistischen „Blueshirts“ nahestand.

Heute weitestgehend vergessen, ist dennoch Philipp Gibbs zu nennen. Selbst Teilnehmer im Ersten Weltkrieg, beschwor er in seinem 1937 erschienenen Roman „Verwandte Welten“ die Ähnlichkeit der Briten mit den Deutschen anhand zweier Freunde, die sich im Ersten Weltkrieg gegenüberstehen mussten und die im neuen Deutschland hofften, dass „ihre Söhne sich nun nie mehr als Feinde gegenüberstehen werden“.

Unter weißen Nationalisten weltweit bekannt sind die Romane des us-amerikanischen Schriftstellers William Luther Pierce (unter dem Pseudonym Andrew MacDonald), die mangels literarischen Anspruchs allerdings eher als Trivialliteratur anzusehen sind.

Norwegen, Japan, Russland, Kroatien

Ebenfalls zu groß, um gecancelt zu werden, ist Knut Hamsun. Trotz ausbleibender Reue über seine Sympathie für Hitler, erlebt der Literaturnobelpreisträger weiterhin Auflagen in Deutschland. Das liegt nicht nur an seinem unbestreitbaren schriftstellerischen Talent, sondern auch am Ausbleiben direkter politischer Aussagen in seinem umfassenden Werk.

Schließen wir mit den drei „exotischsten“ Vertretern: Über Yukio Mishima, dessen Werke vor kurzem noch neue Auflagen erfuhren, muss aufgrund seiner Bekanntheit nichts gesagt werden.

Dass die Werke von Pjotr Krasnow in Deutschland erschienen, bleibt seiner Flucht nach Deutschland zu verdanken. Selbst Teilnehmer im Russischen Bürgerkrieg, kämpfte er als Ataman der Don-Kosaken zeitweise mit den Deutschen gegen die noch junge Rote Armee. Seine Romane wie „Vom Zarenadler zur Roten Fahne“ behandeln erwartungsgemäß genau diese Zeit, sparen jedoch nicht mit Kritik an der Weißen Armee, zum Beispiel am Standesdünkel der höheren Ränge oder der mangelnden Disziplin in Teilen der Truppe. Mit Mile Budak bildet ein Kroate der Ustascha den Abschluss unserer Exkursion. Bis auf seinen fast 1000-seitigen Roman „Herdfeuer“ wurden Übersetzungen seines Werkes während des Dritten Reiches weit verstreut in Zeitschriften oder Sammelbänden mit verschiedenen Autoren abgedruckt.

Wem das alles noch nicht reicht, der wird mit dem Literaturlexikon „Die Gegenwartsdichtung der europäischen Völker“ glücklich werden, das 1939 von Kurt Wais herausgegeben wurde und nicht nur Beiträge zu den jeweiligen Völkern, sondern auch ein sehr umfassendes Verzeichnis übersetzter Werke bietet. Laut dem Vorwort wurde bei der Auswahl großer Wert auf das Zusammenspiel von sichtbarem Wirken der Volksseele, literarischer Qualität und einer abseits von Trends und Tagespolitik liegenden Dauerhaftigkeit der Werke gelegt.

Nachwort

Das Feld der rechten Literatur ist weitestgehend verschüttet, aber reich und braucht sich nicht vor den bekannten linken und liberalen Namen zu verstecken. Es strotzt von verschiedenen Ansichten und Stilen und erstreckt sich über Romane, Novellen, Erzählungen, Kurzgeschichten, Gedichte bis hin zu Theaterstücken. Es mag auf den ersten Blick erschlagend wirken, doch Kulturarbeit ist nun mal Arbeit, und abseits der politischen „Nutzbarmachung“ finden sich sehr viele Werke, die schlicht und ergreifend zu schön und aussagekräftig sind, um vergessen zu werden.

Über Booklooker, Bookbot und selbst Medimops lassen sich die meisten Autoren leicht und preiswert finden, und ihr mal politisches, mal natürliches Absinken in die Vergessenheit hat zumindest den Vorteil, dass die eigene Bibliothek leicht mit einem breiten Angebot aus Büchern über Politik, Liebe, Krieg, Tragödien, Abenteuer oder den Banalitäten des Alltags gefüllt werden kann. Vielleicht findet der ein oder andere ja dort Inspiration, die selbst zum Schreiben verleitet, und er reiht sich ein in die Namen der Genannten und jener, die noch ihrer (Wieder-)Entdeckung harren.

Erstveröffentlichung in N.S. Heute #51

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