Rechte Literatur vom Kaiserreich bis heute – Teil 2: Bücherschau

von Robert Bürkle, Alexander Ernst und Sascha Krolzig

Die Übersicht rechter/nationaler Autoren vom Kaiserreich bis in die Gegenwart in N.S. Heute #51 hat erfreulicherweise großen Anklang gefunden. Einige Leser gaben uns die Anregung, als Ergänzung eine Bücherschau zusammenzustellen, welche Werke der genannten Autoren zu empfehlen sind – oder auch nicht. Genau wie die Autorenübersicht in der vorangegangenen Ausgabe erhebt auch die vorliegende Bücherschau natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist von den subjektiven Geschmäckern der beteiligten Autoren geprägt. Da wir die rechte Gegenwartsliteratur im ersten Teil schon recht umfassend aufgezählt hatten, beschränken wir uns in dieser Bücherschau auf Literaturklassiker, die zwischen 1900 und 1951 erschienen sind.

Der Hinweis auf die folgenden Buchtitel, deren Erwerb, Besitz und Lektüre nicht strafbar sind, und die alle über bekannte Buchhandelsplattformen wie „Booklooker“ und zum Teil über „Amazon“ erworben werden können, erfolgt zu rein dokumentarischen, wissenschaftlichen Zwecken. Die darin verbreiteten politischen sowie künstlerisch-belletristischen Inhalte machen wir uns in keiner Weise zu eigen, und für die Ziele der in den Büchern vorkommenden Organisationen und handelnden Personen wird ausdrücklich nicht geworben.

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Weltkrieg und Freikorps

Heute gilt „Der Wehrwolf“ (1910) von Hermann Löns vielen Nationalisten als ihr Lieblingsbuch. Etliche andere Löns’sche Erzählungen sind aus weltanschaulicher Sicht allerdings ebenso wertvoll, wie etwa die beiden 1912 entstandenen Erzählungen „Die rote Beeke“ und „Die zwei Höfe“.

Während die Kriegsschriften „In Stahlgewittern“ (1920) von Ernst Jünger und „Der Wanderer zwischen beiden Welten“ (1916) von Walter Flex heute zurecht als Pflichtlektüre gelten (trotz einiger homoerotischer Anwandlungen bei letzterem), wird Werner Beumelburg von einigen Lesern als recht langweilig empfunden. Sein wohl bekanntestes Werk ist „Sperrfeuer um Deutschland“ (1929), das auch in einer Jugendausgabe erhältlich ist. Sehr gut geschrieben ist Beumelburgs Roman „Mont Royal“ (1938), der zeitbedingt eine deutlich anti-französische Schlagseite hat.

Edwin Erich Dwinger hat gleich im ersten Werk seiner „Deutsche Passion“-Trilogie (auch als „Sibirische Trilogie“ bekannt), dem Nachkriegsroman „Die Armee hinter Stacheldraht“ (1929), ein erschütterndes Werk vorgelegt, das man keinem ganz jungen Kameraden zumuten sollte.

Man muss den ersten Band auch nicht zwingend gelesen haben, um den Nachfolger „Zwischen Weiß und Rot“ (1930) verstehen zu können, wenngleich es natürlich zu einem besseren Verständnis der Figuren hilft. Während der erste Band in der russischen Kriegsgefangenschaft spielt (und dabei auch Extreme wie die „Not-Homosexualität“ des Lagerlebens nicht außen vor lässt), behandelt der zweite Band den Kampf der deutschen – mal mehr, mal minder – freiwillig rekrutierten Soldaten auf Seiten der Weißen Armee im Russischen Bürgerkrieg. Für Dwinger üblich, kommt das Buch ohne Pathos aus und beschreibt schonungslos die Unzulänglichkeiten und Brutalität beider Seiten. Für Nationalisten ist das Buch deshalb so empfehlenswert, weil Dwinger kein ödes Schwarz-Weiß-Bild zeichnet, sondern trotz Antipathie gegenüber den Roten deren nachvollziehbaren Gründe darstellt, ohne sich zu ängstigen, bolschewistische Propaganda zu verfassen. Es ist kaum ein Roman bekannt, der so eindrücklich aufzeigt, wie es aussieht, wenn eine Welt untergeht, und was es vor allem für die Zivilbevölkerung und die Truppe bedeutet, wenn das, was man kennt, in einer Götterdämmerung verbrennt, verhungert, zerstückelt und an Seuchen zugrunde gerichtet wird. Ein beeindruckendes Buch nicht nur für Geschichtsinteressierte und Freunde guter Romane, sondern auch für jene, die vollmundig vom Krieg und Blutsaufen daherschwätzen, weil es in „Call of Duty“ und am Handybildschirm so sicher aussieht.

Der dritte Teil „Wir rufen Deutschland“ (1932) zeigt auf, wie ehemalige Weltkriegssoldaten und Freikorpskämpfer (vergeblich) versuchen, sich in der neuen Republik zurechtzufinden. Im Vergleich zu den beiden ersten Bänden der Trilogie geht es hier deutlich „ruhiger“ und leider auch langweiliger zu, dafür scheinen die politischen Ansichten des Autors deutlicher durch.

Von Ernst v. Salomon gehört „Die Geächteten“ (1930) zu den ganz wenigen Romanen, die man getrost auch mehrmals lesen kann. Ebenfalls in der Nachkriegszeit und den ersten Jahren der „Novemberrepublik“ angesiedelt, zeigt der damals kaum 30-jährige Autor mit seinem autobiographisch geprägten Erstlingswerk bereits eine Sprachvirtuosität, die kaum ein anderer Schriftsteller der damaligen Zeit erreichen konnte. Die Geschehnisse werden krass und emotional, aber nicht plump geschildert, und die Formulierungen sind so klasse und teilweise von Soldatenhumor geprägt, dass man sich immer wieder dabei ertappt, wieder zurückzublättern, um den Abschnitt ein weiteres Mal zu lesen. Salomons wohl bekanntestes und umfangreichstes Werk „Der Fragebogen“ (1951), eine gnadenlose Abrechnung mit den „Entnazifizierungen“ der Alliierten, finden viele Leser ebenfalls genial, andere jedoch recht langweilig.

Kampfzeit und Nationalsozialismus

Der wohl bekannteste „Kampfzeit“-Roman ist „Der Befehl des Gewissens“ (1937) von Hans Zöberlein, den manche als „stumpfen Wälzer“ empfinden, der andererseits jedoch so plastisch wie kaum ein anderes Werk die „Kampfzeit“ aus Sicht der damaligen nationalsozialistischen Bewegung darstellt, weshalb die Lektüre einiges dazu beitragen kann, das Selbstverständnis der radikal nationalistischen Kräfte der 1920er-Jahre zu ergründen. Der nicht weniger umfangreiche Weltkriegswälzer „Der Glaube an Deutschland“ (1931) ist nach hiesigem Kenntnisstand übrigens das einzige Buch eines fremden Autors, zu dem Adolf Hitler jemals das Vorwort beigesteuert hat.

Weitere bekannte Bücher der damaligen Zeit, die aus nationalsozialistischer Sicht geschrieben wurden und den Bogen vom Ersten Weltkrieg bis zum Erstarken beziehungsweise der Machtübernahme der NSDAP spannen, ist etwa Thor Gootes autobiographische Romantrilogie „Wir fahren den Tod“ (1930), „Wir tragen das Leben“ (1932) und „Die Fahne hoch!“ (1933), sowie von Tüdel Weller „Peter Mönkemann – Ein hohes Lied der Freikorpskämpfer an der Ruhr“ (1936), „Rabauken!“ (1939) und „Bonzen und Rebellen“ (1939). Alle genannten Werke haben einen starken politisch-agitatorischen Einschlag und bedienen sich einer einfachen, unkomplizierten Sprache, was sie für Freunde der Hohen Literatur eher unattraktiv macht.

Der christlich-konservative Schriftsteller Ernst Wiechert veröffentlichte 1939 sein Werk „Das einfache Leben“. Es ist ein meditatives Buch über die Schönheit des titelgebenden „einfachen Lebens“ und der Arbeit abseits vom Trubel der Massen, dem Streben nach Ruhm und dem Pathos vom „werktätig Schaffenden“. Ohne dabei in christlich-sklavische Weltentsagung abzudriften oder komplett in den Kitsch zu rutschen, begleiten wir den Protagonisten in sein selbstgewähltes ostpreußisches Exil, das von derart kauzigen wie sympathischen Charakteren bevölkert wird, dass sie nur in der einsamen Weite des Ostens lebensfähig scheinen, und die man nach der Lektüre schmerzlich vermissen wird. Bis auf die bewusst negativ dargestellte Ehefrau des Protagonisten freut man sich, jeden noch so kurz beschriebenen Nebencharakter im Buch wieder auftauchen zu sehen. Es ist ein so positiv wie nachdenkliches Buch für ruhige Stunden.

Einige weitere Literaturempfehlungen seien kurz erwähnt: „Die Pfeiferstube“ (1929) von Paul Alverdes – das hohe Lied der Frontkameradschaft! Arnold Kriegers „Mann ohne Volk“ (1934) schildert packend den Überlebenskampf der Buren in Südafrika. Gottfried Rothackers „Das Dorf an der Grenze“ (1936), einer der Erfolgsromane aus der Zeit des Drittes Reiches, schildert den verzweifelten Kampf um das Deutschtum in Böhmen. „Bewährung der Herzen“ (1937) von Erhard Wittek, der unter dem Pseudonym Fritz Steuben auch die Indianer-Romane um den Häuptling „Tecumseh“ verfasste, ist eine spannende, aber auch humorvolle Geschichte eines deutschen Kriegsgefangenen.

Literaturklassiker aus dem Ausland

Am italienischen Faschismus-Pionier Gabriele D’Annunzio scheiden sich die Geister, doch sein extrem ästhetisierender und symbolistischer Stil wird von vielen als störend empfunden. Wenn ihr Lust habt, versucht euch einfach mal an „Das Feuer“ (1900) – Glückwunsch, wenn ihr mehr als eine Doppelseite schafft! Sehenswert ist allerdings sein Altersruhesitz am Gardasee, der heute noch ein Museum und einen phantastischen Park beherbergt – was in deutschen Reiseführern gerne unerwähnt bleibt.

Da die italienischen Heldensagen bekanntermaßen zu den dünnsten Büchern der Welt gehören, widmen wir uns lieber den Franzmännern, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen reichen Literaturschatz an nationalistischen/faschistischen Werken hervorgebracht haben. Nach der Meinung vieler Bücherliebhaber wird deren bekanntester Protagonist Pierre Drieu la Rochelle allerdings überschätzt, sowohl was sein langatmiges Hauptwerk „Die Unzulänglichen“ (1939) und dessen unspektakulären Epilog „Der falsche Belgier“ betrifft, als auch „Die Strohhunde“ (1944), durch die sich viele mehr schlecht als recht durchquälen.

Die „Reise ans Ende der Nacht“ (1932) von Louis-Ferdinand Céline ist die sprachgewaltige und schonungslose wie unflätige Abrechnung mit dem Bürgertum und dem Geist des frühen 20. Jahrhunderts. Die menschlichen Unzulänglichkeiten, Militarismus und Kolonialismus bekommen schonungslos ihr Fett weg; wer sich angesprochen fühlt, hat – nach André Breton – „den Wanst selber ständig in Schusshöhe“. Céline ist nicht so billig, dass er sich als das strahlende Ideal über der Jauche der Welt darstellt. Er beziehungsweise der Protagonist wissen um ihre eigene Niederträchtigkeit, und etwa am Beispiel des Kolonialbeamten zeigt sich später: Die Person, die zunächst als dicke und schwitzende Witzfigur verspottet wird, ist ein Beispiel der Liebe und Selbstaufopferung. Zugegeben, der Schreibstil kann anstrengend sein, aber wer der Reise eine Chance gibt und sie nicht aus simpler Lust am Krawall liest, entdeckt in den Zwischentönen ein Werk, das nicht umsonst als einer der größten Romane des 20. Jahrhunderts gilt. Wichtig: Bitte nicht die verstümmelte Übersetzung aus den 30ern lesen, sondern nur die authentische Neuübersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel, die ab 2003 erschienen ist.

„Ein Leben lang“ (1937) ist der stärkste ins Deutsche übersetzte Roman von Robert Brasillach, des „James Dean des Faschismus“, und gilt als dessen Hauptwerk. Das Buch macht verständlich, warum selbst Kommunisten gegen sein Todesurteil 1945 sturmliefen. Zwei Waisenkinder und Freunde wachsen in paradiesischen Verhältnissen auf einer Insel auf, bis sie schließlich aufs französische Festland und damit in die Tristesse der damaligen Moderne geschickt werden. Zwei zueinanderstrebende Herzen, die sich immer wieder verlieren und finden, und das alles ohne kitschig oder überladen zu sein. Männer wie Frauen werden an diesem Hohelied der Schönheit und Liebe ihre Freude haben. Eine Warnung an die Betschwestern und knöchernen Brüder: Am Fuße des Alcázar kommt es zu einer geschmackvollen und ästhetischen Sexszene; wer sich daran stört, ist des Romans nicht würdig.

Zur Einstimmung in Brasillachs Werk empfehlen wir aber natürlich die Novelle „Die Kadetten des Alcázar“ (1936), die Brasillach zusammen mit Co-Autor Henri Massis verfasst hat. Spannend und emotional wird die erfolgreiche Verteidigung des Alcázar von Toledo während des Spanischen Bürgerkriegs geschildert.

Vom ebenfalls französischen Autor Jacques Benoist-Méchinwurde 1941 das Werk „La moisson de quarante“ veröffentlicht, ein Jahr später erschien es unter „Ernte 40 – Tagebuch eines Kriegsgefangenen“ in deutscher Sprache bei der Hanseatischen Verlagsanstalt. Der Ich-Erzähler befindet sich zusammen mit hunderten anderer französischer Kriegsgefangener in einer ehemaligen Düngemittelfabrik im Herzen der Grande Nation. Zunächst macht sich völlige Ernüchterung und derbe Niedergeschlagenheit breit, doch dann wird ganz vielen von ihnen bewusst, dass eigentlich die Erntezeit angebrochen ist. Da die Mehrzahl von ihnen als Bauer oder Hilfskraft in der Landwirtschaft tätig ist, sehen sie sich mit der wissenden Ohnmacht konfrontiert, dass das eigene Feld in der Heimat wohl nicht abgeerntet werden wird und die Frucht eines ganzen Jahres an den Halmen oder auf den Feldern dem Verderb preisgegeben ist.

Doch wird diese Erkenntnis schließlich auch den „bösen“ deutschen Bewachern vermittelt und diese zeigen – für die Franzosen völlig überraschend – plötzlich ganz viel Menschlichkeit und Kooperationsbereitschaft. Also kommt es nach einigen Tagen des gegenseitigen Beschnupperns zu einer herrlichen Zusammenarbeit mit Höhen und Tiefen, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Über allem steht der gemeinsame Kampf von Freund und Feind zur Bewältigung einer schier unlösbaren Aufgabe, die dem Allgemeinwohl dient. Schade, dass dieses Buch (noch) nicht verfilmt worden ist. Es wäre ein schöner Beitrag zur Aussöhnung unserer beiden Brudervölker gewesen. Im Kieler Arndt-Verlag wurde es 1983 noch einmal herausgebracht, und allein schon deshalb ist es antiquarisch, wie auch die Originalausgabe, zu einem günstigen Preis zu erstehen. Der Historiker, Schriftsteller und Politiker Benoist-Méchin schrieb außerdem Biographien über Kleopatra, Alexander den Großen oder Friedrich II. v. Hohenstaufen.

Widmen wir uns abschließend noch einer Geschichte aus dem hohen Norden, aus Finnland: Im Jahre 1942 kamen auf Deutsch die „Waffenbrüder“ des Lehrers Viljo Saraja heraus (finnischer Originaltitel „Lunastettu maa“ = „Erlöstes Land“). Der als Sanitäter tätige Autor schildert eine schnörkellose, packende Darstellung des Russisch-Finnischen Winterkrieges aus der Sicht eines 25-jährigen Finnen. Vom amerikanischen Verlag Prentice-Hall war das Buch 1940 als beste Beschreibung dieses Kriegsschauplatzes ausgezeichnet worden. Allerdings gab es auch Stimmen, die Parallelen zu dem Antikriegs-Machwerk „Im Westen nichts Neues“ erkennen wollten. Wir lesen über die verzweifelten, mit äußerster Härte vorgetragenen Angriffe auf sowjetische Stellungen genauso wie über das schreckliche Leid in den Feldlazaretten oder die Not der von Bombenangriffen erschütternden Zivilbevölkerung. Auch die brutalen Folgen des Krieges wie Tote, lebenslange Verstümmelungen oder durchgedrehte Kameraden werden nicht verschwiegen. Ein hartes, ehrliches Buch, das teilweise etwa pathetisch klingt, aber genau dieses Pathos hat überhaupt den Abwehrkampf gegen hundertfache Übermacht möglich gemacht! Wer das Büchlein einmal angefangen hat, wird es nur ungern aus der Hand legen, da es einfach zu spannend geschrieben ist. Deshalb kann man es durchaus an zwei Abenden durchlesen und beim Widerstandswillen der Finnen mitzittern.

Erstveröffentlichung in Nationaler Sozialismus Heute #52

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