
An Heiligabend 1980 fand die Polizei den 23-jährigen Nationalisten Frank Schubert im schweizerischen Grenzort Böttstein, Kanton Aargau, mit einem Schädeldurchschuss tot im Straßengraben. Neben ihm eine Pistole, Baujahr 1938, Kaliber 9 Millimeter, und 500 Schuss Munition. Nach offiziellen Angaben soll sich Schubert in aussichtsloser Lage selbst erschossen haben – doch ist diese Version haltbar?
Frank Schubert, Jahrgang 1957, wuchs in der DDR auf, wo er eine Lehre zum Koch absolvierte. 1977 flüchtete er über die Berliner Mauer in den Westen, in einer „wahrhaft soldatischen Aktion“, wie später ein Kripobeamter in einem Bericht vermerken sollte. Nach seiner Flucht landete er in Frankfurt am Main, wo er Mitglied von Friedhelm Busses „Volkssozialistischer Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit“ (VSBD/PdA, verboten seit 1981) wurde und Kontakte zur „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige“ (HNG, verboten seit 2011) knüpfte. Im Gärtnereibetrieb der HNG-Aktivisten Ursel und Curt Müller in Mainz-Gonsenheim arbeitete Schubert als Gehilfe.
Der junge Nationalsozialist, ein Karatekämpfer mit kräftiger, sportlicher Statur, war im „roten Frankfurt“ bei den Linken gefürchtet. Arndt-Heinz Marx erinnert sich an einen Infostand im Januar 1980 an der Frankfurter Katharinenkirche, wo er zusammen mit Schubert und anderen Aktivisten der VSBD erfolgreich einen Angriff der Kommune zurückschlagen konnte. Nach Polizeiangaben soll Schubert allein im Jahr 1980 fünfmal festgenommen worden sein, darunter einmal in Paris, wo er mit Hakenkreuz-Helm und Kampfjacke durch die Straßen der französischen Hauptstadt marschierte.
Wie der SPIEGEL Anfang 1981 schrieb, soll Schubert zusammen mit Walther Kexel am 22. Dezember 1980 in der Schweiz aufgetaucht sein, um bei einem erst 16-jährigen Kameraden Waffen und Munition in Empfang zu nehmen, die Schubert an Heiligabend mit einem Schlauchboot über den Rhein in die BRD schmuggeln wollte. Bei dem Versuch, in die BRD überzusetzen, soll er von dem Schweizer Grenzwachtgefreiten Josef Arnold beobachtet worden sein. Beim Festnahmeversuch habe Schubert sowohl Josef Arnold als auch den Kantonspolizisten Walter Werli erschossen. Im Anschluss habe sich Schubert, so das abschließende Untersuchungsergebnis der Polizei, mit einem Kopfschuss selbst getötet.
Doch es bleiben Zweifel, ob sich der 23-jährige Schubert tatsächlich selbst gerichtet hat, oder ob er nicht doch beim Feuergefecht mit den Schweizer Grenzern ums Leben gekommen ist, so wie es damalige Weggefährten von Frank Schubert vermuten.
Warum sollte sich der Mann selbst richten? Er hat doch den Übertritt in die BRD geschafft ohne erwischt zu werden. Und wie hat er dann den zweiten Schweizer Grenzer erschossen? Nach seinem Kopfschuss? Alles eher unwahrscheinlich.
Hallo zusammen,
als ehemaliger Insider und ex-Kamerad von Frank Schubert und Walther Kexel kann ich dazu sagen, dass Frank noch nicht wieder auf deutschem Gebiet angelangt war. Als er entdeckt wurde, erschoss er zuerst zwei Schweizer Beamte und verletzte einen weiteren schwer. Nach diesen furchtbaren Taten war ihm klar, dass er lebenslangen Knast zu erwarten und somit keine Perspektive mehr hatte, denn in den Knast wollte er unter keinen Umständen!
Ich selbst kannte Frank seit meiner Entlassung aus der ersten U-Haft am 6.2.1980 und beging mit ihm am 3.7.1980 meinen ersten Banküberfall „für die Bewegung“. Walther Kexel war bei diesem Versuch, Waffen aus der Schweiz nach Deutschland zu schmuggeln, im Umfeld von Frank unterstützend tätig. 1982/83 war ich mit Walther ständig unterwegs und erfuhr dabei aus erster Hand, was an Heiligabend 1980 an der Schweizer Grenze passiert war.
Frank war genau wie Walther ein Pfundskerl, ein Draufgänger ohne jede Angst bei der Aktion, aber ohne Zähigkeit, eine lange Haftstrafe auszuhalten, die man als Nationalrevolutionär aber haben muss.
Mein Rat: lasst Euch unter keinen Umständen zu irgendwelchen Straftaten hinreißen oder verführen, denn diese bringen außer Leid und Verlust mit Sicherheit nichts positives.
Odfried Hepp, Jg. 1958