
„Uwe Leichsenring war seit vielen Jahren einer der führenden Aktivisten der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands. Weit über die Grenzen der Partei und seiner Region hinaus genoss er in hohem Maße politische Anerkennung und persönliche Sympathien. (…) Wir haben mit Uwe Leichsenring einen unserer besten Politiker und Kameraden verloren. Die NPD-Fraktion fordert eine rückhaltlose Aufklärung der genauen Umstände seines Todes.“ Das schrieb der damalige Vorsitzende der sächsischen NPD-Landtagsfraktion, Holger Apfel, bei der Bekanntgabe des Todes von Uwe Leichsenring. Auf die geforderte „rückhaltlose Aufklärung“ der genauen Todesumstände warten seine Kameraden jedoch bis heute.
Geboren am 23. März 1967 in Sebnitz, war Uwe Leichsenring einer der wenigen „echten“ sächsischen NPD-Spitzenpolitiker, neben den vielen „Westimporten“, die von der Partei nach Mitteldeutschland geschickt wurden, um dort Aufbauarbeit für die NPD-Strukturen zu leisten. In der DDR absolvierte Leichsenring zunächst eine Lehre als Maschinenbauer und studierte einige Semester Pädagogik und Psychologie an der Karl-Marx-Universität Leipzig. 1991 entschied er sich für eine berufliche Karriere als Fahrlehrer und machte sich zur Jahrtausendwende mit einer eigenen Fahrschule selbstständig.
Nach dem Zusammenbruch der DDR trat Leichsenring der NPD bei und hatte maßgeblichen Anteil am Aufbau des sächsischen Landesverbandes. Viele Jahre war er Geschäftsführer des mitgliederstarken NPD-Kreisverbandes Sächsische Schweiz, seit 1999 war er Gemeinderat in seinem Wohnort Königstein und seit 2004 Mitglied im Kreistag der Sächsischen Schweiz. Im September desselben Jahres zog die NPD, erfolgreich auf der Protestwelle gegen die Hartz IV-Gesetzgebung schwimmend, mit furiosen 9,2 % der Stimmen in den Sächsischen Landtag ein – nur 0,6 % hinter dem Ergebnis der SPD. Leichsenring wurde im Landtag stellvertretender NPD-Fraktionsvorsitzender und parlamentarischer Geschäftsführer.
Am Vormittag des 30. August 2006 starb Uwe Leichsenring auf der Bundesstraße 172 bei Pirna. Laut Polizeiangaben soll er auf gerader Strecke mit seinem Mercedes Benz aus einer Fahrzeugkolonne ausgeschert und beim Überholvorgang frontal mit einem entgegenkommenden Lkw zusammengeprallt sein. Leichsenring war sofort tot, sein Mercedes fing Feuer, der Lkw stürzte um. Der Fahrer des Lkws wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Noch am selben Abend zogen 250 Kameraden in einem Trauermarsch von Pirna aus zur Unfallstelle und gedachten des Verstorbenen.
Die Todesumstände lassen bis heute viel Raum für Spekulationen: Uwe Leichsenring war bekannt als verantwortungsvoller Mensch, er hatte eine Lebensgefährtin und war Vater einer Tochter. Zum Unfallzeitpunkt war er weder alkoholisiert noch durch ein Telefonat oder Mitfahrer abgelenkt. Der Unfall geschah am helllichten Tag auf der geraden Strecke einer Bundesstraße. Wie kann Uwe Leichsenring – immerhin von Beruf Fahrlehrer! – zu diesem Zeitpunkt derart unachtsam gewesen sein, dass er frontal mit einem entgegenkommenden Lkw zusammenstieß?
In der regimenahen Presse wurde schnell über angebliche Selbstmordabsichten spekuliert. Hierzu schrieb Leichsenrings damaliger Fraktionskollege Dr. Johannes Müller in einer Pressemitteilung: „Uwe Leichsenring hat in den letzten Tagen mehrere Termine für die nächsten Wochen festgelegt. Es gab weder im familiären Umfeld noch in der Partei oder in der Fraktion irgendeinen Hinweis auf Suizid-Absichten. Noch am Morgen des Todestages telefonierte Leichsenring mit mehreren Abgeordneten und Mitarbeitern der NPD-Fraktion und ließ eine persönliche Erklärung verbreiten, die nicht den Charakter eines ‚Abschiedsbriefes’ hatte.“
Doch nicht nur der merkwürdige Unfallhergang lässt den Tod von Uwe Leichsenring in einem mysteriösen Licht erscheinen, galt der sympathische Sachse doch als großer Hoffnungsträger seiner Partei. Er war als Inhaber der einzigen Fahrschule in Königstein jedem Bürger ein Begriff und genoss in seinem Wohnort sehr hohes Ansehen; bei den Kommunalwahlen im Juni 2004 hatte die NPD in Königstein nicht weniger als 21,2 % der Stimmen geholt. Leichsenring war charismatisch, umgänglich, und stand voll und ganz hinter seiner nationalistischen Weltanschauung. Auch bei parteifreien und mitunter NPD-kritischen Kräften hörte man nie ein böses Wort über ihn. Unter der Hand wurde Leichsenring bereits als Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl gehandelt, eventuell hätte er sogar Udo Voigt als damaligen Parteivorsitzenden beerben können. Kurzum: Unter den Funktionären im Nationalen Widerstand war Uwe Leichsenring einer derjenigen, der dem System wirklich gefährlich werden konnte.
An seinem Fahrzeug war in der Vergangenheit mehrfach manipuliert worden. Die Vorgänge sind aktenkundig, da Leichsenring jedes Mal Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt hatte. Die Täter konnten nie ausfindig gemacht werden. Auch die Frage, ob zum Zeitpunkt des Unfalls am Fahrzeug manipuliert worden war, bleibt wohl für immer im Dunkeln.
