Wenn die Nacht uns wachhält – Nachtschicht gegen den links-grünen Zeitgeist

Es war eine dieser Nächte, die wohl jeder von euch kennt. Das Zimmer ist dunkel, nur der schwache Schimmer der Straßenlaterne zeichnet eine Linie über die Decke. Eigentlich sollte man längst schlafen, aber der Kopf weigert sich. Tagsüber war kaum Zeit, um sich mit der Außenwelt auseinanderzusetzen, die Realität weist politische Sachverhalte, Gesellschaftsthemen oder mediale Neuigkeiten oft in die Schranken. Der Tag und seine gelebten Wirklichkeiten setzen sich durch, man erledigt seine täglichen Pflichten von Beruf bis Haushalt und Familie, man funktioniert als Mensch entsprechend den vorgegebenen Aufgaben. Doch sobald es still wird, zumeist wenn man im Bett liegt und eigentlich schlafen sollte, dann tauchen sie auf; diese Gedanken, die man tagsüber weggeschoben hat. Nachts fehlt dann die Ablenkung, die Aufgaben, die das Denken bremsen, oder Push-Nachrichten, Mails und Gespräche, die um ihre Aufmerksamkeit ringen. Nur das eigene Bewusstsein.

Das Gehirn schaltet plötzlich in einen anderen Modus – wie ein Sprung in einen inneren Hyperraum. Alles, was tagsüber geordnet und kontrolliert wirkte, wird auf einmal instabil. Die Realität dehnt sich, die Grenzen zwischen uns und unseren Gedanken verschwimmen. Gedankenströme formen sich – Erinnerungen, Artikel, Diskussionen, Gesichter – und fügen sich zusammen zu einem Netz aus Gedankensträngen. Jeder Gedanke wirkt wie ein Knoten, verbunden mit den eigenen Gefühlswelten. Gedanken über Politik, Gesellschaft, Klima, Identität, Geld usw. All diese Begriffe, die täglich Schlagzeilen im Fernsehen, in Druckmedien und in den sozialen Netzwerken füllen, bekommen auf einmal im eigenen Geist Tiefe, um sich zu entfalten. Destabilisierung, LGBTQ, Gleichschaltung. Kapitalismus, Verbrenner-Aus –Gedanken aus Zweifel, Hoffnung oder Angst. – Bin ich zu angepasst? Zu bequem? Gibt es Auswege und Lösungsansätze?

Dieses nächtliche Denken ist ein normales Phänomen der Menschheit, es begleitet uns alle, denn Psychologen erklären, dass das Gehirn im Ruhezustand, wenn äußere Reize abnehmen, dazu neigt, unverarbeitete Eindrücke zu ordnen. Es ist ein Selbstreinigungsprozess, einer der sich selten angenehm anfühlt. Unsere geistige Festplatte arbeitet dementsprechend, und wie bei einem Computer ist dazu mal der Monitor an und manchmal aus. Gedanken, die am Tag verdrängt wurden, suchen sich in der Nacht ihren Platz in unserem Netzwerk. Gegen Morgen dann beruhigt sich alles wieder und die Gedanken verlieren ihre Dringlichkeit, als hätten sie gesagt, was sie sagen wollten. Dann wird der Kopf endlich still, denn auch unserem Kopf ist bewusst: die tägliche Routine hat Vorrang.

Nach solchen Nächten bleiben bei mir zumeist einige Fragen:

Können jene ruhig schlafen, die mit dem Verbrenner-Aus ganze Industriezweige ins Wanken gebracht haben? Politiker, Entscheidungsträger und linke Aktivisten, die diesen Strukturwandel erzwungen und vorangetrieben haben – koste es, was es wolle. Können sie schlafen, wenn sie Schlagzeilen über Insolvenzen und Arbeitslosigkeit wahrnehmen? Oder siegen ihr Kalkül und ihre Empathielosigkeit, da diese Probleme ihre Wirklichkeit nicht berühren? Vielleicht schlafen jene, die all das beschlossen haben oder in ihrer politischen Agitation umgesetzt haben, tatsächlich gut. Vielleicht beruhigt sie der Gedanke, „auf der richtigen Seite“ zu stehen. Oft, das lernte mich das Leben, ist die richtige Seite nur eine Perspektivfrage oder eine Frage der eigenen Normen und Werte.

Können jene ruhig schlafen, die im Namen der Moral ganze Gesellschaftsteile ausgrenzen? Dieselben, die Toleranz predigen, aber jede abweichende Meinung als Feindbild markieren? Ist die „Delegitimierung des Staates“ für jene Verfassungs- und Demokratiewächter vielleicht der stark störende Vollmond, welcher auf ihre Seele strahlt und dessen Schein sie unweigerlich wachhält? Vielleicht können sie unbehelligt weiterschlafen – solange, auch sie, sich selbst auf der richtigen Seite wissen, denn ihre Gedanken entspringen ja der „demokratischen Mitte“, und dieser helle Vollmondschein entspricht nicht „ihrer Demokratie“. Es könnte wohl ihre „demokratische Legitimierung“ sein, welche es vermag, störende Gedanken im Dunkel einzudämmen. Aber für viele andere fühlt sich diese Moral längst wie ein Dogma an, das alles überdeckt: wahre und gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt und das Recht, ihren Dogmen zu widersprechen. Der links-grüne Zeitgeist fordert Haltung – sichtbar, laut, eindeutig. Die einen glauben, sie retten den Planeten, die anderen die Menschheit. Doch zwischen moralischem Idealismus und realer Verantwortung klafft ein Abgrund.

Politiker, die von einer undeutlichen Vorstellung getrieben werden, welche Loyalität in einer abstrakten „Menschheit“ oder „Welt“ begründet, anstatt dem tatsächlich regierten Volk, können niemals als politische Führer oder demokratische Vertreter geduldet werden.  „Menschheit“ und „Welt“ sind Konzepte ohne Bezug zu einer konkreten politischen, kulturellen, geschichtlichen oder anthropologischen Wirklichkeit, und wo diese beschworen werden, dienen diese zwangsläufig fragwürdigen Loyalitäten und politischer Idiotie. – So hielt es Daniel Friberg in dem Handbuch für wahre Opposition „Die Rückkehr der echten Rechten“ fest. Wir, da unser Idealismus und Verantwortungsbewusstsein nicht dem links-grünen Zeitgeist entspricht, können aufgrund der realen Wahrnehmung in diesen düsteren Abgrund schauen. Wenn Arbeitsplätze verschwinden, Existenzen ins Wanken geraten, Sprache zum Minenfeld wird und die eigene Identität verleugnet oder geächtet wird, dann gehen diese Entwicklungen in der Wirklichkeit an niemandem vorbei – dies ist dann der tägliche Albtraum, in dem wir uns befinden.

Können jene schlafen, deren Wahlversprechen lautstark „Migrationswende“, „Steuersenkung“ und „Erhalt der Schuldenbremse“ lauteten und am Ende nur heiße Luft waren? Die „Klimaneutralität“ bis 2045 im Grundgesetz verankern – ein Traum für ökologische Linke, der von angeblichen „konservativen“ Kräften in die Realität gebracht wurde. Wohl nicht deshalb, weil diese Idee sie überzeugt hätte, sondern weil man den Eindruck erwecken wollte, „verantwortungsvoll“ zu handeln, um „Menschheit“ und „Welt“ gerecht zu werden. Doch Verantwortung ohne Überzeugung ist bloß Verwaltung, nicht Haltung. Vielleicht können sie tatsächlich schlafen, jene, die sich selbst für konservative Realpolitiker halten. Doch ihr Schlaf gründet auf Beliebigkeit und selbstgerechtem Handeln, dessen Ursprung linke Traumwölkchen fernab der Realität sind. In ihrer Konsenssucht um Anerkennung, positive Wahrnehmung und zu guter Letzt dem politischen Machterhalt, geben sie ihre grundsätzlichen „guten“ Haltungen auf und verlieren ihr Rückgrat. Der gemeine Bürger hat dies erkannt: „rechts blinken, links abbiegen“ – so heißt es im Volksmund. Allein ihr Handeln bekräftigt Tag für Tag diese Sichtweise.

Auch hier bietet Daniel Friberg passende Worte: Eine Rechte, die Teil der Linken geworden ist, ist wertlos. Es ist Zeit, dass diese armseligen Verfechter fataler Halbheiten den Weg freimachen für eine waschechte Rechte!

Es werden noch viele Tage kommen – und ebenso viele Nächte. Nächte, in denen der Schlaf ausbleibt, weil die Gedanken mal wieder lauter als die Stille scheinen. Gedanken an unsere Gesellschaft und wie diese sich verändert. Gedanken an unser Land, das sich neu sortiert, weil Normen und Werte zu verrutschen scheinen. Doch diese Nächte, so unruhig diese auch sind, haben eine Funktion: Sie halten uns wach und zeigen uns, was uns nicht gleichgültig sein darf. Wer um seine Gesellschaft, seine Kultur oder die Natur ringt, der ringt nun einmal auch mit sich selbst – auch in der Nacht. Die negativen Gedanken werden eines Tages wieder weniger. Wenn wir anfangen, unsere Stimme von Empörung in Handlung zu wandeln. Wenn wir beginnen, täglich jene zu unterstützen, die Identität und Kultur bewahren wollen, die die Natur schützen, ohne sie zum Fetisch zu erheben und die, die Wirtschaft denken, ohne den Menschen zu vergessen. Wenn wir selbst das vorleben und weitertragen, was wir fördern möchten, dann werden unsere Nächte wieder still – nicht, weil uns die Probleme in unserem Land und unsere Gedanken dazu in Ruhe lassen werden, sondern weil wir uns Stück für Stück einen Weg aufbauen, der uns vorwärtsbringt.

Erstveröffentlichung in N.S. Heute #51

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