Wie werden wir kampagnenfähig? – Der NW und seine ungenutzten Potentiale

In den letzten beiden Jahren ging es mit dem Nationalen Widerstand wieder aufwärts. Das erkennen unsere Feinde von Links genauso wie die Gegner aus dem innerrechten Lager. Die für uns sehr erfreuliche Entwicklung war außerdem Gegenstand unzähliger Propagandabeiträge im TV.

Der Nationale Widerstand wurde von vielen Leuten, auch aus dem nationalen Spektrum selbst, bereits totgesagt; es wurde behauptet, den NW gäbe es in Wirklichkeit gar nicht mehr – allerdings hat er nur eine Wandlung vollzogen. Wer den Nationalen Widerstand nur als „klassischen“ NW der 90er- und 2000er-Jahre betrachtet, mit den vielen subkulturell geprägten Freien Kameradschaften, Autonomen Nationalisten und anderen Aktionsgruppen, kommt natürlich zu dem Ergebnis, dass diese Erscheinungsform heute kaum noch anzutreffen sind. Jene Aktivisten aus der Hochphase der Freien Nationalisten, die noch aktiv sind, sammeln sich heute zumeist in der HEIMAT oder schlagen sich als „Einzelkämpfer“ durch.

„Der NW ist ein Auslaufmodell“ vs. „Die Alte Rechte ist zurück“

Eine Zeitlang sah es tatsächlich so aus, als wäre der NW ein Auslaufmodell, bis ab 2024 plötzlich wieder tausende junge Menschen den Weg in den Widerstand fanden. Sie sammelten sich etwa bei den Jungen Nationalisten oder machten eigene Gruppen auf, von denen manche heute schon wieder nicht mehr existieren. Viele tragen Scheitel und Zunfthose, und zur Verblüffung vieler altgedienter Aktivisten kamen sogar Bomberjacke und Springerstiefel wieder in Mode. Überraschend ist das allerdings nur auf den zweiten Blick, denn bei vielen dieser subkulturell orientierten Jung-Aktivisten handelt es sich um die Söhne der 90er-Jahre-Skinheads, die ihren Vätern im Guten wie im Schlechten nacheifern wollen. Es war tatsächlich ein „gäriger Haufen“, der sich da plötzlich zusammenfand, und mittlerweile haben viele Trendrechte, Feiglinge, Asoziale oder Selbstdarsteller die Bewegung freiwillig oder unfreiwillig schon wieder verlassen – aber viele Vernünftige sind geblieben, sie konnten in sinnvolle Jugendarbeit eingebunden werden und übernehmen dort Verantwortung.

Das Phänomen wurde erstmals im Juni 2024 einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als Spiegel-TV über die „Elblandrevolte“ berichtete, den Dresdener Ableger der Jungen Nationalisten. Rund zwei Monate später kam es schließlich zum „Wunder von Bautzen“: Ohne große öffentliche Mobilisierung, wohl hauptsächlich durch Mundpropaganda, kamen in der ostsächsischen Stadt rund 800 junge Aktivisten zusammen, um gegen die CSD-Propaganda zu demonstrieren. Weitere Demos folgten, und auch über TikTok trauten sich immer mehr junge Deutsche, für ihre nationale Einstellung Gesicht zu zeigen.

Selbst ein Martin Sellner musste im Juni 2025 neidisch konstatieren: „Die Alte Rechte ist zurück.“ Mit diesem Begriff versuchen gewisse Protagonisten aus dem „neurechten“ Bereich immer wieder, den deutschen Nationalismus zu diskreditieren – und merken dabei nicht, dass sie mittlerweile selbst zum alten Eisen gehören. Schließlich entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, wenn Personen aus dem Sellner-Lager die junge Generation von Nationalisten als „Alte Rechte“ bezeichnen, während bei der Identitären Bewegung mittlerweile vorwiegend Ü30-Leute aktiv sind und die IB ihre besten Zeiten längst hinter sich hat. Für die jungen Aktivisten sind nationalistische Strukturen eben deutlich attraktiver als die akademischen Neurechten oder die Anzugträger der Generation Deutschland. Wenn man die jungen Aktivisten nach ihren historischen Vorbildern fragt, dann nennen sie auch nicht Jünger oder Heidegger, sondern dann fallen Namen aus jener Zeit, die vom Sellner-Lager immer wieder als rote Linie dargestellt wird, die man auf gar keinen Fall in einem affirmativen Kontext nennen dürfe, weil dies angeblich abschreckend sei.

Für unsere Betrachtungen spielt es übrigens keine Rolle, ob man weiterhin an dem altehrwürdigen Begriff „Nationaler Widerstand“ festhält, oder ob man unseren Mikrokosmos lieber nationale Bewegung, nationale Opposition oder schlichtweg deutschen Nationalismus nennt. Der NW ist für mich jedenfalls gleichbedeutend mit dem Kreis, den das System „neonazistisches Spektrum“ nennt, wobei hier insbesondere der aktivistische Teil als NW anzusprechen ist.  

In den Sommermonaten 2024 und 2025 brachten vor allem die Proteste gegen CSD-Propaganda viele junge Aktivisten auf die Straße – von einer organisierten Kampagne kann in diesem Zusammenhang aber nicht gesprochen werden (© Junge Nationalisten)

Frühere Kampagnen und verpasste Chancen

Diese Entwicklung der letzten zwei Jahre, die uns zugegebenermaßen mehr in den Schoß gefallen ist, als dass wir zielgerichtet darauf hingearbeitet hätten, ist grundsätzlich also schon mal sehr schön. Doch es gibt einen wichtigen Punkt, den wir im Vergleich zu den „goldenen NW-Jahren“ noch nicht wiedererlangt haben: die Kampagnenfähigkeit.

Die NW-Kampagne, die den längsten Zeitraum abdeckt und wohl auch für am meisten öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt hat, waren die „Rudolf-Heß-Aktionswochen“, die immer rund um den Todestag von Rudolf Heß am 17. August ihren Höhepunkt fanden. Seit der „Lex Wunsiedel“, also der Einführung des 4. Absatzes im Volksverhetzungs-Paragraphen 130 Strafgesetzbuch im Jahr 2005, ist das öffentliche Gedenken an Rudolf Heß allerdings verboten und konnte danach nur in sehr begrenztem Maße aus der Illegalität heraus weitergeführt werden.

Doch es gab noch weitere große NW-Kampagnen, die teilweise über viele Jahre fortgeführt wurden, mit unzähligen Plakat-, Banner-, Aufkleber- und Flugblatt-Aktionen, mit Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen. An dieser Stelle sind beispielsweise zu nennen: Kampagnen gegen die Anti-Wehrmachts-Ausstellung, den Irak-Krieg 2003, Kampagnen der Autonomen Nationalisten zu antikapitalistischen und antiimperialistischen Themen, oder auch der jahrelange Aktivismus zum „Nationalen Antikriegstag“ (AKT) und zum „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ). Die Kampagne zum TddZ, die zu ihrer jährlichen Abschluss-Demonstration im Sommer zu Spitzenzeiten bis zu 1.000 Teilnehmer auf die Straße brachte, war gewissermaßen die „dienstälteste“ NW-Kampagne, bis auch diese im Jahr 2020 sanft entschlafen ist.

Es ist ja nicht so, dass der NW danach untätig gewesen wäre. Nationale Aktivisten unterstützten tatkräftig die Freiheits-Demonstrationen gegen das Corona-Zwangsregime, doch bis auf ganz wenige Ausnahmen war man hier eben nur Zaungast und nicht maßgeblicher Akteur. Eine große, flächendeckende NW-Kampagne gegen das Corona-Unrecht blieb aus und hätte mit den wenigen übriggebliebenen, aktionsfähigen Gruppen der damaligen Zeit auch nicht funktioniert. Nicht anders war es bei den Bauernprotesten oder den Friedensdemos gegen den NATO-Russland-Krieg in der Ukraine: Man freute sich mitlaufen zu dürfen, ein Banner zu zeigen oder auch mal eine Rede zu halten, aber sichtbare nationale Impulse konnten nicht gesetzt werden.

In der Hochphase der Autonomen Nationalisten dominierten antikapitalistische und antiglobalistische Themen den Aktivismus; Demonstration am 28. März 2009 in Dortmund (© Sascha Krolzig)

Einladung zur Diskussion: Wie werden wir kampagnenfähig?

Die Reihen unserer Bewegung wurden aufgefrischt und viele Aktivisten warten darauf, durchstarten zu können. Was möglich ist, zeigte zum Beispiel die sehr kurzfristig organisierte nationale Demonstration nach dem Weihnachtsmarkt-Attentat 2024 in Magdeburg: Keine 24 Stunden nach dem antideutschen Terroranschlag mit sechs Toten standen über Teilnehmer am Anschlagsort. Doch es blieb eine einmalige Aktion, die keine deutschlandweite Kampagne nach sich zog.

Das N.S. Heute-Magazin versucht beispielsweise seit Jahren, zusammen mit der GefangenenHilfe und der Plattform politische-gefangene.de, den 18. März als „Tag der politischen Gefangenen“ in der Bewegung zu etablieren. Die Voraussetzungen dafür sind eigentlich gegeben: Das Thema ist wichtig, es betrifft jeden von Verfolgung bedrohten Aktivisten und spricht sämtliche Organisationen des nationalen Spektrums an. Die Beteiligung an der Kampagne war jedoch bis jetzt immer recht überschaubar und in den letzten Jahren weiter rückläufig. Plakate lasse ich mangels Nachfrage gar nicht mehr drucken, und von den Aufklebern konnten in diesem Jahr deutschlandweit nur wenige tausend Stück an den Aktivisten gebracht werden. Der Plan, aus dem Verkaufserlös politische Gefangene und deren Familien zu unterstützen, konnte damit auch nicht verwirklicht werden, weil der Verlag unterm Strich draufgezahlt hat.

Der Widerstand ist aktuell mal wieder in einer Findungsphase: Er sucht Themen, Köpfe, Organisationen sowie plan- und messbare Ziele. Der Vorteil einer guten Kampagne ist, dass sie alle Voraussetzungen der bekannten „SMART“-Formel zur Definition von Zielen erfüllt: Nach dieser Formel müssen Ziele Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminiert sein. Jede gutorganisierte Kampagne, die beispielsweise mit einer großen Demonstration ihren End- und Höhepunkt findet, kann ein solches Ziel erreichen. Die Kampagne fördert außerdem das Gemeinschaftsgefühl nach innen, demonstriert Stärke nach außen und schärft unser inhaltliches Profil – was für eine recht heterogene Bewegung wie die unsrige besonders wichtig ist.

Alle bekannten (und auch die weniger bekannten) Aktivisten des Nationalen Widerstandes sind aufgerufen, ihre Vorschläge einzubringen und in Textform an kontakt@nsheute.com zu senden. Wenn wir als Bewegung wieder ernstgenommen werden wollen, kommen wir an der Frage, wie wir wieder kampagnenfähig werden, nicht vorbei.

Erstveröffentlichung in Nationaler Sozialismus Heute #53

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