Zum 35. Todestag von Rene Grubert: Junger Familienvater und Republikaner-Mitglied, von türkischer Jugendgang abgestochen am 16. November 1990

Am 16. November 1990 steigen drei junge Türken mit ihren zwei deutschen Begleiterinnen in Berlin-Marzahn in eine S-Bahn Richtung Innenstadt. Die Türken wollen die Annehmlichkeiten ihres Gastgeberlandes in vollen Zügen genießen und einen „gemütlichen Abend“ in einer Diskothek verbringen. Als Utensil für diesen „gemütlichen Abend“ steckt einer der Türken, der 21-jährige Ayhan Öztürk, vorsorglich ein Messer ein.

Einige Stationen später steigen sechs junge Deutsche in die S-Bahn, sie sind Anhänger der damals sehr erfolgreichen „Republikaner“ unter Franz Schönhuber. Es kommt zu einem Wortgefecht zwischen Türken und Deutschen, Auslöser sind anscheinend die beiden deutschen Begleiterinnen der Türken. Aus dem Wortgefecht wird eine Prügelei, es wird gegenseitig getreten und geschlagen. Die Deutschen versuchen mit einer Gaspistole, die Türken in Schach zu halten. Plötzlich zieht der 21-jährige Türke Ayhan Öztürk sein Messer und sticht wie von Sinnen auf die gegnerische Gruppe ein, drei Deutsche werden schwer verletzt. Der 20-jährige Rene Grubert sackt zusammen, Öztürk hat ihm das Messer direkt in die Schläfe gerammt.

Das ganze Geschehen hat sich innerhalb von nur drei Minuten abgespielt, während der Fahrt von einer einzigen S-Bahn-Station zur nächsten. Am Haltepunkt Friedrichsfelde-Ost flüchten die Türken aus der Bahn, steigen in ein Taxi und drängen den Fahrer, schnell wegzufahren. Sie lügen dem Fahrer vor, „Skinheads“ seien hinter ihnen her und würden sie verfolgen.

Rene Grubert, 20 Jahre alt, Mitglied der Republikaner und seit wenigen Wochen Vater einer kleinen Tochter, stirbt zwei Tage später an seinen schweren Kopfverletzungen. Franz Schönhuber hält auf der Beerdigung die Trauerrede. Ayhan Öztürk wird nach kurzer Fahndung festgenommen und kommt in Untersuchungshaft, aus der er jedoch bereits nach vier Monaten wieder entlassen wird.

Am 8. Oktober 1991 beginnt vor der Großen Strafkammer des Berliner Landgerichts unter Vorsitz von Richterin Daniela Solin-Stojanovic der Prozess gegen Öztürk, der Anklagevorwurf lautet auf Totschlag. Ein Bündnis aus Antifa-Gruppen und Türken-Clans demonstriert vor dem Gerichtsgebäude für ihren „Brother Ayhan“. Als Anwalt der Nebenklage tritt der Berliner Landesvorsitzende der Republikaner, Carsten Pagel, auf. Pagel sollte nur wenige Monate später, im April 1992, selbst einem Mordanschlag von türkisch-kommunistischen Verbrechern nur knapp entgegen, bei dem sein Freund Gerhard Kaindl vor seinen Augen mehrmals in den Rücken gestochen und noch am Tatort sterben wird.

Der Prozess gegen Öztürk beginnt wenige Wochen nach den Ausschreitungen gegen ein Asylantenheim in Hoyerswerda im September 1991. Obwohl es sich bei den Protagonisten der Hoyerswerda-Krawalle ganz überwiegend um Anwohner und nicht um organisierte Nationalisten handelte, sind die Medien voll mit Hetzberichten „gegen Rechts“, vor allem gegen die so erfolgreichen Republikaner, deren Mitglied Grubert war. Im Prozess ist von Anfang an klar, wohin die Reise gehen soll: Die Deutschen sind natürlich selbst schuld, die Türken haben sich nur gewehrt und der tödliche Messerstich in die Schläfe des jungen Familienvaters war selbst für den Staatsanwalt „durchaus gerechtfertigt“. Hinzu kommt, dass die Begleiter von Rene Grubert am Abend des 16. November 1990, vorwiegend junge Arbeiter eher schlichten Gemüts, dem öffentlichkeitswirksamen Prozess nicht gewachsen sind und sich in ihren Aussagen in Widersprüche verzetteln. Hasserfüllt wirft der Staatsanwalt ihnen vor, am Tod ihres Freundes „ebenso schuldig“ zu sein wie der Angeklagte.

Am Nachmittag des 16. Oktober 1991 wird Ayhan Öztürk nach nur fünf Verhandlungstagen freigesprochen, angeblich habe er aus „Notwehr“ gehandelt. In Antifa-Kreisen werden nach dem Urteil Anstecker verteilt. Die Aufschrift lautet: „Ayhan did the right thing“.

Auch 35 Jahre nach der Tat erinnert eine Gedenkseite, die die Lebensgefährtin von Rene Grubert ins Leben gerufen hat, an den Verstorbenen. Dort heißt es unter anderem: „Unsere Tochter musste ohne Dich groß werden. Sie konnte nie erleben, was für ein toller Vater Du gewesen wärst. Letztendlich haben wir unser Versprechen, bis auf das gemeinsame Familienleben, ihr gegenüber gehalten. Sie hatte ein besseres Leben als wir, und es ist was aus ihr geworden. Eine tolle, ehrgeizige, junge Frau. Du wärst wahnsinnig stolz auf sie.“

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