
Vor 80 Jahren wurde der spätere „Anwalt für Deutschland“ Jürgen Rieger geboren. Jürgen Hans Paul Rieger (so sein vollständiger Geburtsname) war ein umtriebiger und engagierter Mensch, der sich vollkommen in den Dienst für Deutschland stellte – bis ihn am 29. Oktober 2009 ein Schlaganfall aus dem Leben riss.
Jürgen Rieger wurde am 11. Mai 1946 in Blexen / Nordenham geboren und stammte aus einer Arztfamilie. Er selbst hingegen sollte eine Karriere als Rechtsanwalt einschlagen. Bereits während seines Studiums trat er 1965 der „Aktion Oder-Neiße“ bei, einer Vorfeldorganisation der späteren DVU. International trat Jürgen Rieger unter anderem schon 1969 in England bei der pan-europäischen Northern League mit eigenen Redebeiträgen auf. 1972 trat er der „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung“ (GfbAEV) bei und wurde Herausgeber der Zeitschrift „Neue Anthropologie“. Der Schwerpunkt im Wirken von Jürgen Rieger bestand von Anfang an in Fragen der Vererbung und der Unterschiedlichkeit der Ethnien. Er selbst sah sich dabei unter anderem in der Tradition des bekannten Rasseforschers Hans F. K. Günther.
Zu seinem Interessengebiet passte daher auch seine Tätigkeit in der „Artgemeinschaft“ (im September 2023 in der BRD verboten; über die Klage gegen das Vereinsverbot wurde bis Redaktionsschluss noch nicht entschieden), der er seit 1989 bis zu seinem Ableben 2009 vorstand, sowie die Unterstützung der „Wiking-Jugend“ bis zu ihrem Verbot 1994. Doch auch das war nur ein Teil seiner vielfältigen Aktivitäten.


Der Anwalt für Deutschland
1975 eröffnete Rieger seine eigene Rechtsanwaltskanzlei. Auch wenn er sich zunächst beispielsweise auf das Erbrecht konzentrierte, wurde er doch recht schnell ein bekannter Strafverteidiger. Über die Jahre und Jahrzehnte vertrat er bekannte Persönlichkeiten wie Christian Worch, Jürgen Mosler, Michael Kühnen, Horst Mahler oder Ernst Zündel, auch Mitglieder der Rechtsrock-Band „Kraftschlag“ zählten zu seinen Klienten – in den 1990er-Jahren vertrat er übrigens auch den Autor dieser Zeilen. Aus der eigenen Erinnerung heraus waren dies zumeist „presserechtliche“ Angelegenheiten, aber auch Fälle staatlicher Repression, wie etwa Hausdurchsuchungen.
Jürgen Rieger war dafür bekannt, immer „in die Vollen“ zu gehen. Man wusste schon im Vorfeld: Wenn man von Jürgen Rieger vertreten wurde, ist man entweder mit wehender Fahne untergegangen, oder man siegte mit „Pauken und Trompeten“ auf voller Linie.
Eine Anekdote aus seiner Kanzlei in Hamburg, die mir von einem Kameraden erzählt wurde, zeugt davon, wie er tickte: „Jürgen Rieger schenkte, wenn es möglich war, seinen Angestellten in der Kanzlei am 20. April eines jeden Jahres einen zusätzlichen Urlaubstag. Denn er empfand diesen Tag als Feiertag, und an einem solchen hat man ja schließlich frei. Einmal allerdings denunzierte eine Büroangestellte ihren Arbeitgeber dafür bei der Rechtsanwaltskammer. Welche Konsequenzen dies letztlich hatte, entzieht sich der hiesigen Kenntnis. Sicher ist nur, dass Jürgen Rieger aus Gründen fortan darauf verzichtete, seinen Kanzlei-Mitarbeitern an einem 20. April bezahlt frei zu geben.“

Rieger und die Rudolf-Heß-Gedenkmärsche
Am 17. August 1987 verstarb der ehemalige Reichsminister, „Stellvertreter des Führers“ und bekannt für seinen als Friedensmission verstandenen Flug nach England, Rudolf Heß, in der Kriegsgefangenschaft in Berlin-Spandau unter bis heute nicht ganz aufgeklärten Umständen. In der BRD, aber auch in vielen Ländern inner- und außerhalb Europas kam es daraufhin zu spontanen Aktionen, um an Rudolf Heß zu erinnern. 1988 sollte erstmals ein organisierter Gedenkmarsch für Rudolf Heß in Wunsiedel stattfinden. Die kleine Stadt im Fichtelgebirge / Oberfranken beherbergte die letzte Ruhestätte von Rudolf Heß in einem Familiengrab. Ein zunächst von den Behörden ausgesprochenes Versammlungsverbot konnte von Jürgen Rieger gekippt werden. Einige Zeitgenossen sprachen schon zu diesem Zeitpunkt vom „Anwalt für Deutschland“, wenn sie Jürgen Rieger meinten.
Waren es zunächst nur wenige hundert, die zumeist aus dem Kreis von Michael Kühnen dort 1988 eine Demonstration durchführten, so war es im Jahr darauf bereits eine vierstellige Zahl von Teilnehmern aus der BRD und Europa. Auf dem Anmarsch zum Antreteplatz kam es zu ersten Scharmützeln mit Linksradikalen, welche aber jeweils erfolgreich für die Teilnehmer des Gedenkmarsches verliefen. 1990 waren es dann bereits ca. 2.000 Nationalisten in Wunsiedel. Das Gedenken an Rudolf Heß und die Rechtssicherheit zur Durchführung der Versammlung, welche Jürgen Rieger gesichert hatte, schüttete die zu diesem Zeitpunkt tiefen Gräben zwischen den verschiedenen Gruppen des Nationalen Widerstandes zumindest an diesem Tage zu.
Allerdings wurde ab 1991 ein Demonstrationsverbot für den gesamten Landkreis Wunsiedel ausgesprochen. So organisierte und leitete Jürgen Rieger eine Demonstration in Bayreuth, um gegen dieses Verbot zu protestieren. Nach verschiedenen Quellen lag die Teilnehmerzahl bei 1.500 bis über 3.000. Statt mit Linksradikalen, wie in Wunsiedel, gab es in Bayreuth fast ausnahmslos Handgreiflichkeiten mit den eingesetzten Polizeibeamten. Dennoch schaffte es die Organisation der Gedenkmärsche, mit Jürgen Rieger als Rechtsvertretung, 1992 im Thüringischen Rudolstadt erneut eine Versammlung für Rudolf Heß durchzuführen. Die Teilnehmerzahl war mit 2.500 bis 3.500 weiterhin sehr hoch.
Nachdem 1994 in Luxemburg und 1995 im dänischen Roskilde, wegen der flächendeckenden Repressionen in der BRD, die Rudolf-Heß-Gedenkaktionen im Ausland stattfanden, waren bis zur Jahrtausendwende lediglich kleine, meist konspirative Aktionen zum Todestag von Rudolf Heß möglich. 2001 war es erneut Jürgen Rieger, der es vermochte, die Demonstrationsverbote in Wunsiedel vor BRD-Gerichten zu kippen. So konnten von 2001 bis 2004 wieder tausende Nationalisten in Wunsiedel an Rudolf-Heß-Gedenkmärschen teilnehmen. Beim vorerst letzten Gedenkmarsch im Jahr 2004 waren es etwa 7.000 Nationalisten aus ganz Europa – ein großer juristischer Verdienst vom „Anwalt für Deutschland“.
Nach erneuten bundesweiten Verboten, an Rudolf Heß zu erinnern, kam es letztlich 2009 zur „Wunsiedel-Entscheidung“ vor dem Bundesverfassungsgericht, und zwar wenige Wochen nach dem plötzlichen Tod von Jürgen Rieger am 29. Oktober 2009. Allein an diesem jahrzehntelangen Kampf in den Repressionsmühlen der BRD, um ein Gedenken an Rudolf Heß zu legalisieren, lässt sich die Verbissenheit von Jürgen Rieger als Rechtsanwalt ablesen.
Rieger und die NPD
Jürgen Rieger hatte, so wie viele Nationalisten der sozialistischen Prägung, ein ambivalentes Verhältnis zur NPD, die sich seit 2023 „Die Heimat“ nennt. Erst als um 2006 herum durch den damaligen Parteivorsitzenden Udo Voigt die Partei aus ihrem bürgerlichen Hinterzimmer heraustrat und sich für die „freien Kameradschaften“ öffnete, übernahm auch Jürgen Rieger hier Verantwortung, trat in die Partei ein und wurde noch im selben Jahr in den Bundesvorstand gewählt. Dies war einerseits auf die Unterstützung durch Nationale Sozialisten in der Partei zurückzuführen, die mit Jürgen Rieger eine deutliche Stimme im Bundesvorstand gewannen, andererseits aber auch auf die damalige Führungsclique der Partei, die auf ihn angewiesen war, weil er die Partei immer wieder mit Darlehen unterstützte.
2007 übernahm Rieger den Landesvorsitz der NPD Hamburg, welcher ihm ein starker Rückhalt war und zu diesem Zeitpunkt einen der weltanschaulich gefestigten Landesverbände darstellte. Die Wahl zum stellvertretenden Parteivorsitzenden auf dem NPD-Bundesparteitag 2008 war nur eine logische Folge.

Rieger und seine Immobilienprojekte
Bundesweit machte Jürgen Rieger auch immer wieder mit dem Kauf verschiedener Immobilien Schlagzeilen. Dies war zum Beispiel das „Kino“ in Hameln, welches er bereits 1999 erworben hatte und das bis 2010, trotz Veranstaltungsverboten, immer wieder unter anderem für Wahlkämpfe der NPD als Lager und Stützpunkt genutzt werden konnte. Weitere bekannte Objekte waren das „Schützenhaus“ in Pößneck oder der „Heisenhof“ in Dörverden, das Schulungszentrum in Hetendorf oder ein weiteres geplantes Schulungszentrum in Faßberg bei Celle – für Schlagzeilen war dabei immer gesorgt.
Dort, wo sich die BRD-Behörden nicht mit Repressionen durchsetzen konnten, mussten Städte und Gemeinden oftmals tief in die Tasche greifen, um ein „Vorkaufsrecht“ zu realisieren. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Rieger die Hysterie der Gemeinden manchmal auch im Zusammenspiel mit Immobilienbesitzern nutzte, um damit „unverkäufliche“ Liegenschaften doch noch zu verkaufen. Geschäftssinn und politische Tüchtigkeit schlossen sich bei Jürgen Rieger nicht gegenseitig aus.
Noch im Sommer 2009 wollte Rieger mit seinem langjährigen Kameraden und Weggefährten Thomas „Steiner“ Wulff in Wolfsburg durch einen „Museumsverein“ ein „KdF-Museum“ eröffnen. Dafür stellte er aus seiner Sammlung historischer Militärfahrzeuge auch Einzelstücke zur Verfügung. Medial sorgte auch dieses Vorhaben für Schlagzeilen. Die Behauptung, euer treuer Freund und Erzähler wäre bei diesem Plan maßgeblich involviert gewesen, entspricht allerdings nicht der Wahrheit. Aber danke für die Blumen!
Der Mensch Jürgen Rieger
Jürgen Rieger war verheiratet und Vater von vier Kindern. Leider verstarb seine Ehefrau noch vor ihm, und seine Kinder lehnten die Verbindung zum Vater und seinen Aktivismus für Deutschland größtenteils ab – was ihn aber nicht daran hinderte, sein Vermögen an eben diese Kinder zu vererben. Nationale Organisationen und Parteien wie die NPD wurden nicht bedacht, dies wird sicher seine Gründe gehabt haben.
Im Kreis der Kameraden und Freunde konnte Rieger in der Sache hart sein, missgünstige Zeitgenossen (zumeist „Journalisten“) beschrieben ihn auch als „cholerisch“. Aufbrausend empfinde ich eher zutreffend. Er konnte politischen Gegnern auch mit einem Augenzwinkern und klarer Kante begegnen, wie ein legendäres Interview aus 2007 mit einer gewissen Mo Asumang beweist. Doch zumeist konnte er mit umfassendem Wissen und Überzeugungen sowie mit seiner Geselligkeit glänzen. Er konnte sich mit Protagonisten der „gehobenen“ Stellung ebenso auf Augenhöhe unterhalten wie mit dem einfachen Aktivisten auf der Straße.
Zur Jahresfeier der Reichsgründung 1871, im Januar 2009, hatte ich die Ehre, mit Jürgen Rieger beim Landesverband der NPD Hamburg zu sprechen. Mit unterschiedlichen Perspektiven, aber einem gemeinsamen Ziel, wurden die jeweiligen Redebeiträge (aus meiner Erinnerung heraus) sehr positiv aufgenommen. Und nach dem offiziellen Teil blieb noch genug Zeit zum gegenseitigen Austausch.
Dass nur rund neun Monate später die Meldung von seinem Tod eintreffen sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen. Die Nachricht, dass Jürgen Rieger auf einer Bundesvorstandssitzung der NPD am 25. Oktober 2009 einen Schlaganfall erlitt, dem er vier Tage später erliegen sollte, schockierte viele Kameraden und Weggefährten.
In Erinnerung bleibt ein Mann, der als Rechtsanwalt und Politiker, Verfechter der eigenen Art und Vertreter des arteigenen Glaubens, und nicht zuletzt als Mensch viel geleistet hat. Jürgen Rieger war jemand, der stets Wert darauf legte, als Kamerad unter Kameraden zu gelten, und mit dem man auch mal ganz entspannt ein Bier trinken konnte. In Erinnerung wird er den meisten Mitstreitern allerdings als „Anwalt für Deutschland“ bleiben.
In – immer wiederkehrender – tiefer Verbundenheit, Trauer und auch Stolz rufe ich was ich ihm einst in Stammbuch für die Bewegung schrieb:
Jürgen Rieger-ANWALT FÜR DEUTSCHLAND !
-STEINER-