„Gaslighting“ oder „Die Gaslicht-Methode“

Durch eine Vortragsankündigung des N.S.-Heute Chefredakteurs Sascha Krolzig wurde ich auf einen Begriff aufmerksam, den ich trotz seiner englischen Herkunft zwar akustisch verstand, aber inhaltlich überhaupt nicht deuten konnte. Die Rede ist von einer Beeinflussungsmethode, die immer wieder von selbsternannten Weltrettern und Wunderpropheten in sozialen Medien angewandt wird und unter dem Begriff „Gaslighting“ in die Psychologie eingezogen ist, allerdings wird hier ein gewisses cineastisches Hintergrundwissen vorausgesetzt.

Denn die Methode hat unmittelbar weder mit „Gas“, „Beleuchtung“ oder „Blitzen“ zu tun, sondern ihr Name bezieht sich auf ein Theaterstück, in dem ein Ehemann seine Gattin dadurch in den Wahnsinn treiben will, dass er immer wieder Anlässe provoziert, die ihrer Umwelt und vor allem auch ihr selbst eine mentale Erkrankung vorgaukeln. Dieses von Patrick Hamilton (1904-62) im Jahr 1938 geschriebene Theaterstück heißt im englischen Original „Gas Light“.

Seinen Namen leitet es davon ab, dass zu Beginn des letzten Jahrhunderts in modernen Haushalten mit Gas für eine nächtliche Beleuchtung gesorgt und auch gekocht wurde. Sobald ein neuer Verbraucher, also etwa eine Gaslaterne, eingeschaltet wurde, kam es zu einem Versorgungsengpass bei anderen Verbrauchern, und das sorgte für ein kurzes Flackern der übrigen Gasflammen. In „Gas Light“ erkennt man das dadurch, dass irgendwo im gleichen Haushalt ein weiteres Licht „eingeschaltet“ wurde.

Nun war meine Neugier geweckt, zumal ich herausfand, dass Hamiltons Stück alleine in englischer Sprache mindestens drei Mal verfilmt wurde (1940, 1944 und 1970), außerdem gibt es eine deutsche Fassung aus dem Jahr 1960. Beim Videoportal YouTube fand ich folgende interessante Filmbeiträge, die ich kurz besprechen möchte.

Als erstes verzauberte mich „Gaslicht“ mit Margit Trooger (1923-84) und Dieter Borsche (1902-82) in den Hauptrollen, beide bekannt aus Edgar-Wallace-Filmen den 1960er-Jahre. Diese Verfilmung hält sich offensichtlich eng an die Bühnenvorlage, was vor allem dadurch auffällt, dass fast die komplette Handlung im großzügigen Wohnzimmer der Hauptdarsteller spielt. Lediglich verschiedene Kameraperspektiven bringen etwas Abwechslung für das Auge des Betrachters. Dennoch kommt eine prickelnde Spannung auf, die vor allem der teuflich brillanten Spielweise von Dieter Borsche zu verdanken ist.

Die englische Filmproduktion von „Gas Light“ von 1940 greift viel stärker auf die Spannungselemente zurück, die das Medium Film bietet. Unterschiedliche Handlungsorte, eine brillante Filmmusik und geschickte Schnitte sorgen für mehr Schreckensmomente als in der vorgenannten Fassung. Alle Schauspieler überzeugen in einem viktorianischen England, in dem Multi-Kulti-Einflüsse (noch) nicht vorhanden sind. Man muss den Film auch unbedingt vor dem geschichtlichen Hintergrund seines Entstehungsjahres sehen. Schließlich trägt der Bösewicht den deutschen Familiennamen „Bauer“, und das englische Filmpublikum ist verängstigt durch die Blitzsiege der deutschen Wehrmacht in Polen, den Benelux-Ländern und Frankreich. Da ist es wichtig, dass man seine Landsleute noch einmal an die Existenz von subversiv agierenden Panikmachern erinnert, die versuchen, die leichtgläubige Bevölkerung in Angst und Schrecken zu jagen. Diese These wird dadurch unterstrichen, dass in der aktuellen Blue-Ray-Fassung als Bonus noch Propaganda-Filmchen zu sehen sind, die zur Evakuierung von Stadtkindern aufrufen und vor einer deutschen Invasion warnen. Leider ist die Fassung bei YouTube nur in einer mäßigen Qualität zu sehen, was zumindest auf einem kleinen Bildschirm aber immer noch für genügend Spannung sorgt. Es schadet auch gar nichts, zuerst die brave, deutsche Fassung gesehen zu haben, denn „Gas Light“ hat dafür noch mehr bösartige Einzelheiten zu bieten.

Die Hollywood-Produktion „Gas Light“ von 1944 kann nur nach Entrichtung einer Gebühr angeschaut werden, der deutsche Titel lautet „Das Haus der Lady Alquist“. Auf DVD sind verschiedene Versionen aller Filme erhältlich, teilweise zu abenteuerlichen Preisen und nicht immer mit deutscher Tonspur. Allerdings findet man auf unterschiedlichen Portalen noch ein paar kostenfreie Hörspiel-Fassungen in deutscher und englischer Sprache (z.B. bei YouTube oder Archive.org).

Für gepflegte Spannung und angeregte Diskussionen sorgen alle der genannten „Gas Light/Gaslicht“-Produktionen. Mit Hinblick auf die eingangs erwähnte Beeinflussungsmethode hätte man angesichts der Verständnisprobleme eventuell besser von der „Gaslicht-Methode“ gesprochen, dafür ist es nach der Etablierung von „Gaslighting“ aber fast schon zu spät. Um so gespannter bin ich aber nun auf die spannenden Erkenntnisse, die uns Sascha Krolzig in seinem Artikel zum Thema in der aktuellen Ausgabe der N.S. Heute präsentiert…

Simon West

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