„Mich widert diese Wegwerferei an“ – Frida Dentiak über Möbelrestauration als Hobby

N.S. Heute: Hallo Frida, wir sprechen mit Dir heute über Deine Leidenschaft, alte Möbel zu restaurieren und für den häuslichen Gebrauch herzurichten. Ein ungewöhnliches, aber sehr interessantes Hobby. Wie bist Du darauf gekommen, Dir alte Möbel zu besorgen und sie nach Deinen Vorlieben umzugestalten?

Frida: Um ehrlich zu sein, ich brauchte neue Möbel, aber das Geld war knapp. Nachdem meine letzte WG aufgelöst wurde, fehlte mir so ziemlich alles. Zudem war mir kurz vorher gekündigt worden, weil ich auf einer Demo eine Rede gehalten hatte. Mir fehlte also schlichtweg das Geld, um mir neue Möbel zu kaufen, so machte ich schließlich aus der sprichwörtlichen Not eine Tugend.

N.S. Heute: Gib uns doch bitte einen kleinen Einblick in Deine Arbeit. Mal angenommen, Du findest auf dem Flohmarkt, auf dem Sperrmüll oder bei den Kleinanzeigen im Internet ein altes Möbelstück, das Dir gefällt. Du nimmst es mit nach Hause und machst Dich an die Arbeit. Welche konkreten Arbeitsschritte unternimmst Du, vom ersten Handgriff bis zum erfolgreichen Abschluss Deiner Arbeit?

Frida: Oft standen die Möbel jahrelang auf Dachböden oder in Kellern, also beseitige ich erstmal den Staub mit einer Bürste und anschließend mit einem feuchten Lappen. Danach schleife ich den groben Dreck, die Unebenheiten und Kratzer sowie die alte Farbe oder den alten Möbelwachs herunter, das mache ich mit einem Exzenterschleifer. Ich arbeite mit 60er- bis 180er-Körnung: Beim Abschleifen mit 60er-Schleifpapier nimmt man zum Beispiel die Farbe von Möbeln runter, mit 120er-Papier kann man vor dem Anstreichen das Holz anrauen. Sobald die alte Farbe komplett weg ist, schaue ich mir die Holzmaserung an und überlege, was ich damit anfangen könnte: Erhitze ich die Maserung mit meinem kleinen Gasbrenner, um sie optisch noch mehr hervorzuheben, oder gehe ich mit weißem, alt und stumpf aussehenden Kreideanstrich drüber? – Beides ist machbar. Ich mag Holzmaserungen bei Kiefer oder Nussholz, da schleife ich bloß und streiche das Möbelstück dann mit Öl oder Holzwachs. Ab und zu flämme ich es auch ganz schwarz, dann nimmt man die erste verkohlte Schicht mit einer Drahtbürste runter. Hinterher sieht es nach alten, gegerbten Eichenbohlen oder Schiffsplanken aus. Seht Euch auf den Bildern doch mal das kleine, dunkle Regal mit dem Geweih und dem Bilderrahmen an, das war die Idee eines guten Kameraden, der es bei mir aus alten Europaletten-Brettern gebaut hat. Später habe ich es selbst mal mit einem Europaletten-Tisch probiert, das war wirklich einfach und das Ergebnis ist sehr schön geworden. Oben ist die Platte schwarzbraun, das Gestell habe ich grau gestrichen.

N.S. Heute: Man könnte jetzt auf die Idee kommen, Dich zu fragen, wofür die ganze Arbeit, wenn es doch heute auch genügend neue Möbelstücke im Retro- oder Used-Look zu kaufen gibt? Was ist Dein persönlicher Anreiz dafür, selber zum Werkzeug zu greifen? Spielen da auch Dinge wie Nachhaltigkeit und ein stiller Protest gegen die „Wegwerfgesellschaft“ eine Rolle?

Frida: Ein einziges Möbelstück bearbeite ich mindestens acht Stunden lang, manchmal auch zehn oder zwölf Stunden, auf jeden Fall einen ganzen Arbeitstag. Ich investiere also Zeit, dabei wächst Du praktisch mit dem Objekt zusammen, Du gibst dem Möbelstück nicht nur ein neues Aussehen, sondern auch eine neue Identität. Wenn ich an dem fertig bearbeiteten Tisch sitze oder in meinem Europaletten-Bett liege, erinnere ich mich manchmal sogar noch an die Musik, die ich beim Bearbeiten gehört habe. Jeder Schrank hatte einen unterschiedlichen Vorbesitzer, ich fühle mich oft so, als hätte ich etwas, das es wirklich wert ist, gerettet. Mich widert diese Wegwerferei an. Es ist doch bescheuert, sich Pressspan oder mit Palmöl behandelte Möbel in die Bude zu stellen. Diese Billigteile machen einen Umzug mit, danach kommen sie in die Tonne. Du hast es also ganz richtig erkannt, auch der Gedanke der Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle.

N.S. Heute: Bei umwelt- und nachhaltigskeitsbewussten Menschen hat sich in den letzten Jahren ein regelrechter Trend entwickelt, um dem Kapitalismus im Allgemeinen und der Wegwerfgesellschaft im Besonderen kleine Nadelstiche zu versetzen, seien es Reparatur- und Geschenkläden, „Aus alt mach neu“, Tauschhandel und Nachbarschaftshilfen, um nur einige Beispiele zu nennen. Hast Du mit so etwas konkrete Erfahrungen und kannst unseren Lesern ein paar Tipps geben, wie sie sich im Alltag nachhaltigskeitsbewusst verhalten können?

Frida: Früher bin ich in der Tat selbst zusammen mit Kameraden containern gegangen. Das heißt, wir haben bei den Supermärkten das Essen aus den Mülltonnen geklaubt, bei dem das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen war. Wir mussten praktisch nie selbst was zum Essen kaufen, so blieb mehr Geld für Demofahrten, unsere damalige Stickerproduktion und so weiter übrig. Heute mache ich das Containern wegen meiner laufenden Bewährung (der 130er…) nicht mehr, schließlich kann dieser Trend in manchen Fällen sogar strafbarer Diebstahl sein. Dennoch finde ich das Containern an sich sinnvoll, genauso kaufe ich in den seltensten Fällen neue Klamotten, ich sehe das einfach nicht ein. Du kriegst doch alles, was von irgendwem nur einmal getragen wurde, für die Hälfte des Normalpreises bei Ebay. Nun zu den Möbeln: Wer will denn schon ernsthaft in einer typischen „BRD trifft IKEA“-Wohnung leben? Du kommst rein und siehst schon meistens an der Einrichtung, bei was für einem Menschen Du bist. Viele „BRD-Wohnungen“ sind einfallslos, ekelhaft modern und ohne jede persönliche Note – schrecklich! So könnte ich mich nicht „zuhause“ fühlen. Es hat auf jeden Fall mehr Charakter, aus alten Sachen etwas Neues und Individuelles zu zaubern. So wirkt Deine Wohnung oder Dein Haus ganz anders, das hat auch etwas mit Identität zu tun.

N.S. Heute: Nicht jeder hat bei sich zuhause den Platz oder das Geld, um sich in seinem Keller oder seinem Arbeitsraum eine komplette Schreinerwerkstatt einzurichten. Welche Arbeitsgeräte sind für die Möbelrestauration erforderlich? Wie viel Geld sollte man für die Anschaffung der Arbeitsgeräte einplanen und wie viel Platz braucht man zum Werkeln?

Frida: Im Prinzip kann man das auch auf dem kleinsten Balkon machen, man benötigt dafür keine Werkstatt. Kauft Euch einfach zwei Holzböcke für 20 Euro, um das zu bearbeitende Stück dort draufzustellen. Holt oder leiht Euch ein Schleifgerät (Exzenter- oder Bandschleifer), so ein Gerät kostet um die 50 Euro, Ihr kriegt es aber auch schon für 20 Euro bei Ebay. Dann braucht Ihr nur noch einen alten Lappen zum Abputzen, ein paar Pinsel, Wachs oder Kreidefarbe beziehungsweise Lasur, je nachdem, was genau Ihr vorhabt. Für Farbe und Pinsel gebt Ihr vielleicht nochmal 15 Euro aus. Einen Akkuschrauber braucht man nicht unbedingt, ewig lang habe ich ganz normale Schraubenzieher verwendet. Ein kleiner Gasbrenner kostet 15 Euro im Baumarkt, da sind dann meistens fünf Gasfläschchen bei. Damit flämmt man ohne Probleme um die 14 Europaletten ab. Eine Drahtbürste kostet fünf Euro. Für den Anfang leiht Ihr Euch am besten erstmal alles bis auf die Farbe und die Pinsel – man muss ja nicht gleich alles selbst kaufen.

N.S. Heute: Was denkst Du, wie viel hast Du insgesamt für Deine bearbeiteten Möbel ausgegeben?

Frida: Ganz sicher nicht mehr als 400 Euro inklusive Farben, Lasuren, Öl, Pinsel und den ein oder anderen Schrank, den ich bei Ebay für 20 Euro geschossen habe.

N.S. Heute: Wie man auf Deinen Fotos sieht, restaurierst Du zum größten Teil Möbelstücke aus Holz. Hast Du Dich auch schonmal an anderen Materialien versucht?

Frida: Leider nein, aber ich will mir demnächst eine Flex kaufen, mit dem Winkelschleifer bekommt man den Lack von dem Metall runter. Ich wollte damit beginnen, über Kleinanzeigen an alte Spinde zu kommen und die wieder schön zu machen. Zudem brauche ich einen neuen Kleiderschrank und hab den Industriestil für mich entdeckt. Wenn man den Industriestil in einem Raum mit Holz mischt und dazu Beleuchtungen aus Stahl, alten Tauen und warmen Edison-Imitatglühbirnen reinhängt, sieht das wirklich super aus.

N.S. Heute: Nun ist sicherlich nicht jedes Möbelstück, das man irgendwo auftreiben kann, auch wirklich dazu geeignet, es neu herzurichten und umzugestalten. Worauf sollte man bei dem Erwerb von alten Möbelstücken achten, wenn man hinterher keine bösen Überraschungen erleben will?

Frida: Man sollte unbedingt darauf achten, dass es sich um Echtholz handelt und nicht um Fake-Holzmöbel. Manches gute Stück ist nämlich in Wirklichkeit gar nicht aus echtem Holz, sondern aus MDF-Platten („MDF“ steht für „mitteldichte Holzfaser“) oder Plastik beziehungsweise Pressspan mit Klebefurnier. 

N.S. Heute: Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Leser nun neugierig geworden sind und am liebsten direkt mit der Arbeit anfangen würden, doch nicht jedem ist eine handwerkliche Begabung in die Wiege gelegt, und es hat auch nicht jeder eine entsprechende Ausbildung genossen. Kannst Du unseren Lesern einige Ratgeber empfehlen, zum Beispiel Internetseiten oder Video-Tutorials, damit auch der handwerkliche Laie Spaß an der Restaurierungsarbeit bekommt?

Frida: Auf YouTube gibt es einen sehr informativen Kanal namens „Let’s bastel“, daraus habe ich auch schon was nachgebaut. Ansonsten könnt Ihr einfach mal „diy Epal“ oder „diy Shabby chic“ in die YouTube-Suchleiste eingeben. Als ich damit anfing, Möbel aufzubereiten, hatte ich, mit Ausnahme eines früheren Praktikums bei einer Schreinerei, noch gar keinen Plan von der Materie. Alles das, was ich bis jetzt gewerkelt habe, lernte ich durch Videos oder durch Hilfe von Freunden.

N.S. Heute: Frida, wir danken Dir für das Gespräch!

Frida: Gerne, so lernt man als Leser auch mal die Autoren etwas besser kennen. Zum Schluss bleicht noch ein Tipp: Geht nicht, gibt’s nicht! Genauso wenig zählen Ausreden wie „Ich kann sowas nicht“. Probiert es doch einfach mal aus: Wenn es über Ebay-Kleinanzeigen was zu verschenken gibt, oder wenn Ihr eine tolle Kommode vor dem Sperrmüll gerettet habt, dann könnt Ihr damit ja nicht viel falsch machen. Viel Spaß beim Bauen, Basteln und Werkeln!

Erstveröffentlichung in N.S. Heute #19

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